Rappaz, der "kleine" Mahatma Gandhi?


Liberal sein bedeutet verschiedene Meinungen akzeptieren, andere Blickwinkel haben. Und das nun seit über fünf Jahren auf dem Blog von libref. Liberal sein beüben wir gleich am Beispiel des Walliser Hanfbauern der seinen Hungerstreik abgebrochen hat.

Der Originalbeitrag ist bei libref. zu finden, hat aber auch gesellschaftliche Überlegungen, die die heutige Zeit beeinflussen und vielleicht mal das Kaufverhalten mancher Konsumenten tangieren wird … frei nach dem Motto: „legalize Himbeereis“.

von Jean-Claude Cantieni:

„Bernard Rappaz hat seinen Protest erfolgreich abgeschlossen, er kommt unter Hausarrest. Ist er „in welchem Sinne“ ein Protestant? Ist der Hungerstreik gar ein legales Mittel der Selbsthilfe, so wie der Streik als solcher für ein Kollektiv – je unter liberalem Vorzeichen anerkannt ist?

Der Fall ist nicht nach einer Art Rationalisierungsguillotine unter einen Paragraphen zu subsumieren, zwangsernähren heisst Körperverletzung, Tod heisst Verletzen von Fürsorgepflicht, Garantenstellung des Staates im Srafvollzuge, und der Fall Rappaz erinnert so daran, wie die Philosophin Jeanne Hersch auf die positive Seite von Lücken verwies, welche die Chance einer revolutionären Individuation in sich birgt, weshalb der Staat dafür verantwortlich ist, dass sie als solche offen bleiben, während der Ruf nach einer gar gesamtschweizerischen Regel über den föderativen Bau der Schweiz hinaus ertönt. (Summum ius summa iniuria.)

Wichtig wird sein, dass der Fall so aus der Idee des Rechts, des Vorrangs der Freiheit zu reglieren ist. Der verstorbne Rechtsphilosoph J. Rawls würde von einem Fairplay sprechen, das ein Rückversetzen in einen Urzustand der Gleichheit als Denkfigur gebietet, in welchem wir hinter einem Schleier des Nichtwissens , der (allzu) persönliche Momente des Falles verbirgt, zu entscheiden haben. So bleibt zu fragen, wie der Fall Rappaz ins kulturelle Gedächtnis des Landes einzugehn hat, und dieses Gedächtnis ist glaublich in ganz Europa noch davon geprägt, dass der Staat sich nicht zum Richter übers Leben (Menschenrechtsdeklarationen nach dem Holocaust), sei’s durch Tun oder sei’s auch Unterlassen erhebt. Rappaz seinerseits kann sich darüber hinwegsetzen wollen, d.h. er wird sein Weiterleben im Lichte dieser europäischen Geschichte zu erleiden haben. Sein personaler und augenblicklicher Widerstand, dahinter Interessen stehn, hat auf den seitens des Staates zu stossen, welch Letzterer ein kollektives Gedächtnis verkörpert, darin Rappaz sich als integriert zu verstehn hat. Aufmerksamkeit (auf die Geschichte) kommt v o r Interessiertheit zumal in unserer Nonstop-Zeit, die nach Aufmerksamkeit absorbierenden Sensationen giert. Medien insbesondere nehmen am Los des Betroffnen kaum wahren Anteil nehmen. Wie viele Menschen hat der Blick gnadenlos infolge Verkehrtheit zwischen Aufmerksamkeit im Sinne eines kulturellen kollektiven Gedächtnisses und lediglicher Interessiertheit deloyal vorgeführt…

Wir haben Listen von Menschenrechten, doch sie verraten (nach U, Eco), dass die Idee des Rechts (seit dem Naturrecht?) im Verwissenschaftlichen des Rechten abhanden kam, sich, so die hier vertretene These, ins kulturelle Gedächtnis flüchtete, um dort womöglich einen Anschluss an die seither strapazierte Tradition aufzubauen. Die Strapaz ist eine umgreifende: Michel Foucault argumentiert mit dem Verschieben einer einstigen Ars amandi zur aktuellen scientia sexualis mit all ihren aufdringlichen Interessiertheiten anstelle von Aufmerksamkeit zumal in den Medien unter im Übrigen gleichen Verhältnissen.

Halten wir Freiräume, u.a. für den dornenvollen Hungerstreik, offen.

Besten Gruss,

Jean-Claude“

von Stephan Marti (meine Beiträge zum Thema Hunger):

Lecoin, Teufel und Mahatma Gandhi sind die bekannten Hungerstreikenden die Erfolg hatten und was mir wichtig erscheint, überlebt haben. Rappaz hat meiner Meinung nach bis heute keinen echten Erfolg. Den hat er erst, wenn der Hanf zumindest in der Schweiz legalisiert wird. Darüber liesse sich aus liberaler Sicht auch wieder tagelang philosophieren. Ich habe meine Meinung, bin bekennender Genussraucher in unserer heutigen Raucher hassenden (oder gar diskriminierenden) Zeit. Raucher verpönen und Rappaz schönigen. Da habe ich ein echtes gesellschaftliches Problem. Das ist inkonsequent destotrotz Hanf heute nur als Droge umstritten ist, die vielen anderen Vorteile die Hanf hat, kennen die wenigsten Leute. Der Hinweis hier im Wikipedia ist zurecht angebracht. Hanf hat viel mehr sehr gute Einsatzmöglichkeiten.

Wer aber Hanfsüchtige, Nikotinsüchtige und meinetwegen auch Genussraucher ablehnt, hat zumindest mal eine eigene Meinung und nimmt sich vermutlich zu Herzen, was überall auf den Packungen steht. Rauchen ist an öffentlichen Orten vermutlich europaweit verboten … da frage ich mich, wieso in der BernerZeitung die Schlagzeile „Villiger erwartet Rekordabsatz von einer Milliarde Glimmstängel“ steht? Und wen wunderts, dass Aficionado noch mehr weiss … Hans ich freue mich auf was Raketen ähnliches zum 1. August. Süchtige und Geniesser, die man philosophisch vermutlich auch zu einer Gattung der Süchtigen zählen könnte, sind anscheinend nach nicht im Rückgang. Ein ganzheitliches Verbot wäre fehlt am Platz, denn was verboten ist, macht man umso intensiver. Die Prohibition lässt grüssen. Hier noch ein aktueller Tipp von Obi – unter drei Litern besteht keine Meldepflicht. Den letzten Satz sollten sie lesen: Destillieren ist ein Hobby – kein Verbrechen.

Trinken, ja das müssen auch Hungerstreikende. Die einen freiwillig, die andern unter Zwang. Und da sind wir Liberalen eben echt liberal. Im Gegensatz zu unserem Präsidenten verachte ich Hungerstreikende. Mein Körper hat selbst über fünf Monate einen Hungerstreik durchgemacht. Aber bitte beachten sie das Wichtigste. Meiner war ganz sicher nicht freiwillig, er war gesundheitlich bedingt. Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn ihnen die Aufnahme von Nahrung widerstrebt. Und noch extrem viel schlimmer ist es, wenn man Hunger und keine Nahrungsmittel hat. Alle drei Sekunden stibt ein Mensch an Hunger. Meine Hochachtung hat Rappaz auf keinen Fall. Das Finanzielle wollen wir gar nicht gross erwähnen – Rappaz‘ Hausarrest kostet den Steuerzahler CHF 2400 täglich. Das ist wesentlich mehr, als ein Aufenthalt in der Intensivstation.

Wie viele gute und mutige Schreiberlinge gibt es die auch Erfolg hatten? Hunderte, Tausende … ? Und nur drei bekannte Hungerstreikende. Mahatma Ghandi – ein begnadeter Schriftsteller. Über Louis Lecoin und seine Namensspielerei „Lutz – die Ecke“ gäbe es auch noch einige Gedanken zur Resistance zu äussern. Albert Camus schrieb für ihn – er erhielt den Nobelpreis für Literatur. Der kürzlich verstorbene Fritz Teufel schrieb z.B. „Märchen aus der Spassgerilja“ – von Gerruilla (sp,e)/Guerilla (d) gesprochen eher Geria (betontes und langes „i“). Ganze drei, die Erfolg hatten und nur einen, der den meisten bekannt sein dürfte – Rappaz wird nicht darunter gehören. Dies meine Einschätzung zur heutigen Zeit, obschon Hanf, Marihuana, Haschisch, Cannabis alltägliche Wörter geworden sind. Lasst es besser sein, es gibt genügend andere endogene Drogen, nach innen wirkend, die Spassmachen … nicht nur Kaffee.

Hier noch eine extremere Meinung: „Rappaz ist ein feiger, hinterhältiger Verbrecher

Schleifscheibe aus Hanf

Die Schleifscheibe aus Hanf, sinnigerweise von der Firma Eisenblätter, war schon im Gespräch mit Albert Einstein.

Vor einem Jahr:
Sendepause

Vor zwei Jahren erschienen:
http://libref.kaywa.ch/200808

Vor drei Jahren erschienen:
Le Temple

Vor vier Jahren erschienen:
Kabarett um Minarett

Vor fünf Jahren erschienen:
Rückkehr des Religiösen

© libref – Text und Foto: Stephan MartiFinanzblog

Kirche und Wirtschaft


Kirche und Wirtschaft ist ein vieldiskutiertes Thema. Abhängigkeiten gibt es einige. In der heutigen Zeit eines längerfristigen gesellschaftlichen Umbruchs wäre die Stabilität der Kirche gefragt. Hier zwei Beispiele, die vielleicht in die Geschichte eingehen. In der Schweiz wechselt das Präsidium des „evangelischen Kirchenbischofs“ und „der katastrophale Crash einer Kirchen-Sparkasse„, der CajaSur – der Caja de Ahorros y Monte de Piedad de Córdoba hat schon Aufsehen erregt.

Der grösste Einfluss bei der CajaSur hat das Domkapitel, das leitende Gremium der katholischen Bischofskirche. Wer lieber auf Deutsch lesen will, Google sei Dank. Mit etwas Fantasie doch gut verständlich zu lesen … sie hätten ja mit Domkapitel auch Domkapital übersetzen können. Irgendwie kommt mir die Geschichte bekannt vor. War da nicht einmal der Pate III. Der Godfather handelt um die Banco Ambrosiano.

Aber begeben wir uns nicht zu weit in Teufels Küche. Schauen wir lieber, was in der Schweiz für kirchliche Änderungen eintreffen werden. Das Original des Folgenden Textes habe ich für libref. geschrieben.

Ob liberale Kirche oder liberale Politik. Wir Liberalen in der Schweiz machen einen Fehler. Wir machen uns nicht bemerkbar und wir vernetzen uns nicht. Die Kirche gehört zu unserer Kultur und wird den heutigen allgegenwärtigen Wandel von Gesellschaft und teils auch Wirtschaft mitbestimmen. Wir drücken David A. Weiss für das Ratspräsidium des SEK die Daumen – die Vernunft der modernen Mitte soll gewinnen und die Zukunft bestimmen.


„Kirchenbund (SeK)/ Thomas Wipf, Präsident
des Evangelischen Kirchenbunds, tritt zurück. Folgt
nun ein Berner? Ein Romand? Oder eine Frau? … weiterlesen bei reformiert

Ein Berner? Wir hätten uns gefreut, das wäre Balsam für die Kirche, nur kandidiert in drei Wochen nicht der liberale Andreas Zeller.

Zugegeben, Bern ist der wichtigste Part in der Schweiz, was die Reformierten anbelangt. In den vergangenen Jahren habe ich als „ehemaliger“ Berner einiges mitbekommen, aber eines dürfen wir nicht vergessen:

„Der grösste Teil der Schweizer Reformierten ist liberal … nimmt die Kirche mit einem weinenden und einem lachenden Auge zur Kenntnis, nimmt nicht aktiv teil … und ist eben doch so liberal und mit unserer christlichen Kultur verbunden, dass er weiterhin seinen Obolus bezahlt … freiwillig!“

Das Präsidium des SEK, des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes ist neu zu besetzen. Evangelisch? Oder doch eher Reformiert oder gar Protestantisch. Ein theologischer Zankapfel oder eher ein philosophischer Standpunkt? Das SEK soll nicht evangelikal sein und nicht protestieren. Es sei denn, es wäre ein Romand, un protestant. Aber das SEK darf reformieren.

Liebe Berner, seit 24 Jahren hattet ihr das Präsidium des SEK nicht mehr. Kirchengeschichtlich dürfte euch das Beharren auf dieses Amt vielleicht noch einmal überraschen. Im Interview gibt sich Gottfried Locher ganz locker:

„Frage 5: Was machen Sie mit einem Bischofshut?
Locher: Ich warte, bis endlich wieder der 1. April da ist, setze den Hut dann auf, mache ein Foto und schicke es der «Reformierten Presse». Dann ziehe ich den Hut wieder aus und schenke ihn jemandem, dem er passt.“

Gibt es bald reformierte Bischöfe? Wenn es nach Gottfried W. Locher ginge, ja.

Er ist Leiter Aussenbeziehungen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), sitzt somit in der obersten Kirchenleitung und hat in einem Interview in der „reformierten Presse“ seine Idee der Bischöfe erläutert“ …wer neben dem Bild der Reformierten Presse weiterlesen und denken möchte … bitte sehr

Bei der Wahl ums SEK-Präsidium geht es nicht nur um persönliche Fähigkeiten. Hier wird Locher einen Trumpf spielen können. Aber es braucht mehrere. Es braucht eine brauchbare kirchliche Leitschnur. Ein Bischof der die Mitra nur am 1. April aufsetzen will, weiss dass diese eigentlich Strinbinde bedeutet – nicht Augenbinde.

Der dritte Kandidat, Didier Halter aus Sitten ist für mich der „Unbekannte“. Ich kann nicht alle Leute kennen. Vielleicht schreibt jemand anderes über ihn. Sitten, der Hauptort des Kantons Wallis ist Bischofssitz. Ein echter, ein katholischer. Und wenn ich mich nicht täusche, spreche ich in Sitten nur Französisch und so ist mir der Name als „Sion“ besser bekannnt. Und die Deutsch sprechenden sagen eh „Sittu“, was dem Berndeutschen sehr nahe liegt – zum Beispiel Huttu, wo ich selbst mal gearbeitet und gelebt habe.

Liebe Berner, die Üsserschwitz, so wird im Wallis der restliche Teil des Landes ausserhalb ihres Kantons genannt, hat noch einen weiteren Kandidaten. Einen Innerschweizer aus Luzern und wer die Geschichte etwas kennt, der müsste wissen, dass ein „ausgewanderter“ Aargauer eigentlich ein Berner ist.

David A. Weiss scheint deshalb nicht nur regional ausgewogen zu sein, auch die Zürcher wissen dies und beschreiben deine Vorzüge klipp und klar. Bis jetzt habe ich nur über einen einzigen angeblichen Nachteil gelesen. Weiss sei zu alt. Ich fühle mich auch gleich angesprochen, da wir vermutlich den gleichen Jahrgang haben. Da bleiben noch zehn Jahre Zeit, um die Kultur der Schweiz mit zu gestalten. Und das nächstemal darfst du uns ruhig informieren. Ja so sind wir Liberalen, man liest die Zeitung und ist halt so informiert. Ich hoffe, dass ich dir an unserer nächsten jährlichen Sitzung im März rückwirkend gratulieren kann.

David A. Weiss
David A. Weiss ist Stiftungsrat der Lang-Stiftung und damit libref. engstens verbunden (Foto gefunden als „zvg“)

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
„Kein Grund zur Depression“

Vor zwei Jahren erschienen:
«Die USA sind kein Vorbild»

Vor drei Jahren erschienen:
Stag – Spekulant oder Triumph

Vor vier Jahren erschienen:
Gold auf 8000 USD 1 UZ

Vor fünf Jahren erschienen:
EURalisierung gestoppt?

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Kuschen oder Vorteil für den seriösen langfristigen Anleger?


Praktisch zum fünfjährigen Bestehen des Finanzblogs kommt aus den USA eine der vermutlich spannendsten Entscheidungen im Finanzsektor in all diesen Jahren. Die USA führt eine Transaktionsgebühr von 30 Prozent ein – oder die Bankinstitute legen die Daten der Steuerpflichtigen der USA offen. Da rückt der bevorstehende Atomwaffenangriff der Taliban auf die Schweiz direkt in den Hintergrund.

Die NZZ Online berichtet „Weltweites Entsetzen über US-Steuergesetz„. Zur Zeit gibt es praktisch keine Mitteilungen, geschweige denn Meinungen im Netz, was von der neuen amerikanischen Gesetzgebung zu halten ist. Die Finanzkreise werden vom weltweiten Entsetzen sprechen … besonders diejenigen, die unversteuerte amerikanische Kundengelder haben.

Ethisch gesehen, dürfte dies eine Kampfansage an Schwarzgelder sein. Aber es ist zur Zeit nicht möglich, genaue Auswirkungen aufzuzeigen, denn es sind viel zu wenig Informationen im Netz vorhanden. Also gilt es einige Überlegungen, die im Hinterkopf ablaufen sollen, mit einzubeziehen wenn wir in den nächsten Stunden, Tagen mehr Informationen zum neuen Steuergesetz erhalten, das der Präsident Obama garantiert unterschreiben wird.

Hier einige Fragen:

  • Wird der Druck wirklich so gross sein, die Kunden offen zu legen um den Zusatzaufwand in der Wertschriften-Administration zu vermeiden? Werden es nicht die ehrlichen Kunden sein, die ein Institut dazu drängen werden?
  • Wer wird die Entscheidungen treffen – die Wertschriftenhäuser oder die einzelnen Länder? In der Schweiz ist dies eine Entscheidung des Volkes, resp. der von ihr gewählten Vertretern!
  • Mit welchen Mitteln kann die USA sein Gesetz wirklich in die Tat umsetzen oder werden vermehrt Wertschriftentransaktionen ausserhalb der überprüfbaren Bereiche ablaufen?
  • Steckt bei der nicht amerikanischen Seite wirklich ein immenser administrativer Aufwand? Ein zusätzlicher zweckbestimmter Abzug auf einer Wertschriftenabrechnung scheint mir kein Problem zu sein. Wer das nicht mit relativ kleinem Aufwand bewerkstelligen kann, der sollte das ja nie öffentlich mitteilen. Sonst müsste der Finanzblogger etwas zum Nachdenken über die Software-(Un)-Lösung dieses Unternehmens schreiben. Ein Software-GAU dürfte bei einigen Konzernen heute schon in der Unternehmensleitung zum Gespräch stehen.
  • Hätte der seriöse langfristige Anleger nicht einen immensen Vorteil, wenn viele Spekulationsgeschäfte wegfallen würden?
  • Könnte es nicht sein, dass gerade für den ernsthaften Anleger amerikanische Aktien wieder attraktiv würden, weil die fundamentalen Werte plötzlich wieder mehr zählen würden?

Fragen über Fragen. Es werden sich wieder viele Politiker und Unternehmer zu Wort melden, die von Finanzen nicht echt viel verstehen. Es kommende spannende Zeiten.

Ja so spannend, dass die Welt vielleicht sogar vergisst, dass unser ranghöchster Offizier sagte: „Achtung, eine A-Bombe! Armeechef warnt vor Nuklearangriff in der Schweiz.“ Ja Blattmann wird seinem Namen gerecht, der Mann nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt auch auf, welche Risiken wir von unseren Nachbarn zu befürchten haben. Ja Blattmann sollte sich entschuldigen. Nur eines ist sicher. Er hätte mich nicht wie einer seiner Vorgänger (der Zumi) wegen meiner Äusserungen in eine spezielle Einheit umgeteilt. Andererseits habe ich etwas mehr Mühe mit Reaktionen, die seitens Gaddafi gemacht werden. Danke Amerika, du nimmst die Schweiz wieder etwas zum Rampenlicht heraus.

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
„So durchschauen sie ihren Finanzberater“

Vor zwei Jahren erschienen:
3 Jahre Jubiläum und Dollar unter 1 CHF?

Vor drei Jahren erschienen:
Hedge-Fonds übernehmen kriselnde US-Immobilien

Vor vier Jahren erschienen:
75 Jahre elektrische Rasur

Vor fünf Jahren erschienen:
Tag des Waldes und Precious Woods

http://finanzblog.kaywa.com/admin/posts/?ID=1194&view=

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Geschätzter Goldpreis: 817,80 Euro

…eine clevere Art, Werbung zu betreiben …

Laudatio anlässlich Verleihung des prix libref. an Gret Haller


Laudatio für Gret Haller anlässlich der Verleihung des prix libref. gehalten von Prof. Dr. Reiner Anselm, geschäftsführender Direktor des ZRWP das Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) der Universitäten Basel, Lausanne, Luzern und Zürich sowie des Collegium Helveticum.

(Wiedergabe des Beitrages bei libref.)

„Soll denn der Knoten der Geschichte so auseinandergehen: das Christentum mit der Barbarei, die Wissenschaft mit dem Unglauben?“ In dieser Frage, die der Berliner Theologe Friedrich Schleiermacher in einem Brief an seinen Freund Friedrich Lücke formulierte, bündelt sich knapp und präzise das Programm liberaler Theologie – zumindest dann, wenn man diese Frage als eine rhetorische Frage begreift. Natürlich möchte Schleiermacher einen Weg finden, der das Zusammenbestehen von (moderner) Wissenschaft und (überliefertem) Christentum möglich macht. Dazu gilt es, so seine Überzeugung, zuvörderst in Kirche und Theologie der gewachsenen Sensibilität für die Autonomie des Einzelnen Rechnung zu tragen. Nur wenn auch die Praxis der christlichen Kirchen der Forderung Kants, derzufolge das „Ich denke“, alle meine Vorstellungen begleiten können müsse, Rechnung trage, nur dann sei ein solches Zusammenbestehen denkbar.

Das bedeutet zunächst, den Einzelnen und seinen Glauben, seine persönliche Beziehung zu Gott, in den Mittelpunkt des theologischen Denkens zu rücken. Diese Umstellung, die später von Karl Barth zu Unrecht als der titanenhafte Versuch des Menschen, sich über Gott zu erheben, gedeutet wird, ist die zeit- und sachgemäße Interpretation der reformatorischen Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben. Keine andere Instanz, auch keine Institution und erst recht kein Handeln kann zwischen Gott und Mensch treten. Allein der höchstpersönliche Glaube kann das Verhältnis zu Gott begründen – besser noch: Im individuellen Glauben bildet sich die Beziehung des Einzelnen zu Gott ab. Dies ist keinem anderen zugänglich, niemand kann darüber wachen oder urteilen. Wie ursprünglich bei den Reformatoren festgehalten, kommen Kirche und dem Predigtamt nur eine unterstützende, anbahnende Funktion für den persönlichen Glauben zu. Dass und wie sich die Gottesbeziehung aber gestaltet, ist allein dem persönlichen Verhältnis zwischen Gott und einem Einzelnen vorbehalten.

Vor diesem Hintergrund erscheint es aus heutiger Sicht nur konsequent, dass sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts Vereinigungen bildeten, die die liberale Überzeugung auch in den Staatsverfassungen vertreten sehen wollten. Selbstverständlich aber war es nicht, da parallel zu der Entstehung des modernen Europa und der Etablierung liberale Gedankenmuster in der Wissenschaft und der Gesellschaft sich auch ausgesprochen restaurative Züge in den Kirchen Europas zu regen begannen. Hier sah man in dem Aufstieg des Individuums, das auch die großen ökonomischen Veränderungen und Fortschritte, aber auch die sozialen Notlagen der ersten industriellen Revolution hervorbrachte, eine Gefahr für das Gemeinwesen. Darum waren diese Kräfte darum bemüht, die neu gewonnenen Freiheiten des Einzelnen wieder rückgängig zu machen.

Es gehört zu den besonderen Verdiensten der schweizerischen Vereinigung für das freie Christentum, dass es ihr gelang, bei der Neugestaltung der Bundesverfassung von 1874 einen Artikel über die Religionsfreiheit einzuschreiben. Damit wurde ein wichtiger Grundstein für die Etablierung des Menschenrechtsgedankens in der modernen Schweiz gelegt, auch wenn man aus heutiger Sicht sagen muss, dass die Akzeptanz dieses Artikels wohl eher aus dem Wunsch, die Macht der katholischen Kirche zu begrenzen denn aus einer modernen

Für die Vordenker des liberalen Christentums stand dabei außer Zweifel, dass dieses Recht auf Religionsfreiheit nicht den Rückzug in eine individualistische Auffassung des Christentums sein könnte. Vielmehr war man davon überzeugt, dass gerade ein selbst und frei gewähltes, eben nicht durch die kirchlichen Autoritäten aufgenötigtes Christentum eine besonders tragfähige Grundlage für einen aus christlicher Motivation begründeten Dienst am Nächsten darstellt. Freies Christentum, liberale Gesinnung und Hinwendung zum Nächsten schließen sich also nicht aus, sondern bedingen einander. Dementsprechend ist Freiheit in der liberalen Theologie und im freiheitlichen Protestantismus auch nie nur als eine Freiheit von, sondern immer auch als eine Freiheit zu verstanden worden. Hier nimmt die liberale Tradition die Grundfigur Immanuel Kants auf, dessen Ethik der Autonomie eben die Verbindung von individueller Freiheit und Überzeugung und Orientierung am Nächsten, am Gemeinwohl vor Augen hatte. In keiner Figur wird diese Verbindung deutlicher als bei Albert Schweitzer, dem großen liberalen Universalgelehrten und Vorbild für sozial-caritatives Handeln. Seine Leitformel, ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will, bringt den Zusammenhang von individueller Freiheit und Orientierung am Nächsten deutlich zum Ausdruck, wobei Schweitzer den Nächsten auch in der nicht-menschlichen Natur sehen wollte. Dem Bemühen, beides, eigene Freiheit und Dienstbarkeit am Nächsten zusammenzubringen, galt Schweitzers ganzes Engagement.

Die Verbindung von individueller Freiheit und Orientierung am Nächsten, am Gemeinwohl, das auch und gerade das Recht der Schwächeren mit einbezieht, ist nach den grausamen Erfahrungen des 2. Weltkriegs zum Inbegriff der Menschenrechtstradition geworden. Die Eckdaten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Proklamierung unverbrüchlicher Rechte des Einzelnen, die auch den Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit einschließen, ist längst Allgemeingut geworden. Aber die Frage, wie die Balance zwischen Freiheitsrechten des Einzelnen und der Orientierung am Nächsten und am Gemeinwohl gehalten werden kann, bleibt nach wie vor eine große Aufgabe. Sie ist eng verbunden mit der Frage, ob eigentlich das Konzept der modernen Menschenrechte denkbar ist ohne das Verbindende Band einer gemeinsamen Religion bzw. einer Weltanschauung. Denn gerade der Toleranzartikel der Bundesverfassung von 1874 hat natürlich keineswegs eine mulitreligiöse Gesellschaft vor Augen sondern denkt und argumentiert von einer gemeinsamen Religion her, dem Christentum nämlich.

In der jüngeren Vergangenheit nun mehren sich die Stimmen, die die auf die besondere Bedeutung der Religion für die Vermittlung von gesellschaftlichen Normen und Werten hinweisen. Nur die Religion, so heißt es nun, könne diejenigen Wertvorstellungen vermitteln, auf die auch ein moderner Staat angewiesen sei, wollte er nicht einem schrankenlosen Individualismus verfallen. Häufig wird dabei auf das berühmte Zitat von Ernst-Wolfgang Böckenförde verwiesen, demzufolge der moderne, freiheitliche Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Diese Einschätzung ist aber nur zum Teil korrekt. Denn dies gilt nur für Religionen, die sich selbst dem Prozess vernünftiger Reflexion unterziehen. Jürgen Habermas hat in seiner berühmten Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2001 auf diesen Sacherverhalt hingewiesen.

Der Kampf um die Etablierung der Glaubens- und Gewissensfreiheit mag Geschichte sein. Das im Hintergrund stehende Bestreben, die Kompatibilität von Glauben und Vernunft zu erreichen und das Christentum nicht auf Autorität, sondern auf einer der Vernunft des einsichtig zu machenden Lehre zu begründen, ist aber bleibend aktuell. Dementsprechend stellt sich die Frage nach der Thematisierung der Religion im modernen Verfassungsstaat heute nachdrücklich anders als vor gut 130 Jahren. Die Freiheit für ein selbstbestimmtes, vernünftig reflektiertes Christentum muss nicht mehr vom Staat erkämpft werden, vielmehr ist der Staat darauf hinzuweisen, dass er allen Religionen, die er dulden kann und möchte, im Interesse des gemeinsamen, konstruktiven Zusammenlebens eine vernünftige Selbstreflexion aufdrängt. Im Blick auf das Verständnis der Menschenrechte bedeutet dies, dass das Recht auf Religionsfreiheit nicht gegen den Staat verstanden werden kann, als vorstaatliches Recht, so wie es in der US-amerikanischen Tradition der Fall ist. Vielmehr gilt es, die Religionsfreiheit als ein vom Staat verliehenes und im Gegenüber zum Staat ausgebildetes Recht zu verstehen, bei der der Staat sich aus der kontroversen Frage nach der Wahrheit zurückzieht, dafür aber den Religionen eben die geschilderte Selbstreflexion aufnötigt. Um als Religion anerkannt zu werden, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Eben dies ist die europäische Linie der Religionspolitik, und eben hier hat Gret Haller, die erste Preisträgerin des prix libref. Wichtige Vorarbeiten geleitet, und zwar sowohl in ihrem Buch „Politik der Götter“ von 2005, aber auch in der Studie „The limits of atlanticism“ . Vor allem aber hat sie mit ihrem Referat und ihrer kritisch-konstruktiven Präsenz bei der Synode in Bivio 2007 dem Schweizerischen Verein für freies Christentum libref. Die entscheidenden Anstöße und Impulse gegeben, um seine Arbeit in dem genannten Sinne, im Blick auf eine Ergänzung der geltenden Bundesverfassung um einen Religionsartikel, der die Religionsfreiheit anerkennt und gleichzeitig aber den Religionen Angebote und Auflagen macht für die Durchführung und Wahrnehmung einer „vernünftigen Selbstreflexion“. Darum wird sie mit dem ersten prix libref. ausgezeichnet.“

Reiner Anselm

Reiner Anselm

Prof. Dr. Reiner Anselm …

Reiner Anselm und Gret Haller

… die Preisträgerin Dr. Dr. h.c. Gret Haller

Susanne Leuzinger-Naef

… Dr. Susanne Leuzinger-Naef (Vizepräsidentin des Bundesgerichts) hielt die Würdigung von Gret Haller …

Stephan Marti und Gret Haller

… Bahn frei zum Rednerpult, denn der administrative oder finanzielle Akt gingen eben über die Bühne …

Vor einem Jahr bei libref.erschienen:
Bruno’s letzte Reise – Glaube, Hoffnung, Liebe

Vor zwei Jahren bei libref. erschienen:
Höchstgeschwindigkeit

Vor drei Jahren bei libref. erschienen:
Bravo, WEF – die gleichen Gäste

Zusammenstellung und Fotos (bis auf die letzte, die stammt von Jean-Claude Cantieni): Stephan MartiFinanzblog

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
Milliardenbetrug – wie ist so etwas möglich? – der erste Beitrag der Reihe „Geld und Finanzen – leicht erklärt“

Vor zwei Jahren erschienen:
Blitzlehrgang für Finanz-Zeitungslese

Vor drei Jahren erschienen:
vom Leben und vom Tod … meine Wünsche

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig, gewinnorientiert. Vielleicht überlegen sie sich gerade heute einen Einstieg, dann melden sie sich unverbindlich bei mir.

Der Finanzblogger sagt "adieu" …


… aber nur als Blogger des Kirchgemeindeverband des Kantons Bern.

Knapp 200 Beiträge in knapp zwei ein Halb Jahren. Es hat Spass gemacht und hoffentlich einige zum mitdenken angeregt. Reformiert, Römisch-katholisch und Christkatholisch, alle vereint, miteinander, so sollte es auch andern Orts sein. Ja, vielleicht kommt einmal sogar etwas multikantonales … aber meine Vorstandstätigkeit ist vorbei, denn ein Aargauer soll nicht den Bernern dreinreden. Das ist auch richtig so, obschon ich vermutlich immer ein bisschen Berner bleiben werde und für „Notfälle“ kennt ihr die Telefonnummer und sogar die Vorwahl bleibt. „Mit etwas Wehmut …“, so beginnt ein Brief, der mich sehr freut … von Hansruedi Spichiger.

Ansonsten findet das Jahr 2009 wie erwartet statt und wird auch seine Höhepunkte haben. Gleich am ersten Tag des Jahres wird vom Münster Bern eine Uraufführung für sieben Glocken von Daniel Glaus zu hören sein. An Themen wird es nicht fehlen und ich bin auf die Nachfolge gespannt. Vorübergehend wird allenfalls Frau Vogel vom Sekretariat sich zu Worte melden.

So viele Weihnachts-, Neujahrskarten , Anrufe und E-Mails habe ich noch nie erhalten. 2008 war für viele ein bewegendes Jahr und nun darf ich eine Antwort auf meine Wünsche wieder geben, von einem, der sich die Mühe genommen hat, einige Jahrzehnte Revue zu passieren:

Lieber Stephan
Herzlichen Dank für deine Gedanken zum vergangenen Jahr und zum bevorstehenden Jahreswechsel.

Politik
Auch ich bin neugierig, was die politischen Veränderungen in der Schweiz und in den USA in Zukunft bringen werden. Noch vor 20 Jahren war ich selbst aktives SVP-Mitglied; doch inzwischen muss ich mich fast schämen, jemals eine solche Partei unterstützt zu haben. Sicher: die SVP hat da und dort einiges ins Rollen gebracht; doch die Umgangsformen und die selbst gewählte Oppositionsrolle passen einfach nicht in die politische Landschaft der Schweiz. Da wäre etwas mehr „miteinander“ statt „gegeneinander“ eher am Platz.

Börse
Wer hätte das vor zwei Jahren gedacht, dass die UBS-Aktie für unter Fr. 15.- zu kaufen ist? Aber eben, auch hier gilt die Regel: wer hoch hinaus will, muss damit rechnen, tief zu fallen. Was mich in den letzten Jahren oft geärgert hat: da verdienen sich einige resp. viele Personen eine goldene Nase (Banken, Pharma, Nahrung, Versicherungen etc.) – und wer bezahlt das? Wir alle! Doch jedesmal wenn ich so etwas in die Diskussionsrunde eingebracht habe, wurde ich damit gebremst, das seien private Gesellschaften und der Lohn sei eine interne Angelegenheit und diese Leute seien ihr Geld wert! Wie viel sie ihr Geld wert waren, haben wir nun alle selbst sehen können – und wieder einmal mehr: wir Konsumenten und Steuerzahler bezahlen ihre Zeche!
Kirche
Ich weiss nicht, was du mit der Berner Kirche für Erfahrungen gemacht hast; doch grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass die „obere“ Führung schon in Ordnung ist; doch das „Bodenpersonal“ versagt oft. Obschon ich selbst weder gefirmt noch konfirmiert wurde und eine Kirche nur an bestimmten Anlässen von innen sehe (Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, Konzerte etc.) bezeichne ich mich selbst als „religiöser“ Mensch; denn ich glaube an eine „höhere Macht“ und „Führung“ und versuche mein Leben gerecht zu leben (z.B. nach den zehn Geboten). Nur der regelmässige Kirchgang und die Mitgliedschaft in einer Kirche ist für mich nicht genügend, wenn das Leben vor und nach der Kirche in eine andere Richtung zeigt. Wir haben Bekannte, die sich kürzlich an eine christliche Organisation angeschlossen haben; doch wenn ich höre und sehe, wie sie von „Ungläubigen“ reden (und damit meinen sie alle, die nicht ihrer Organisation angehören – also auch alle Reformierten und Katholiken) und wie die Organisation ihre Mitglieder mit eigenen Veranstaltungen (Ferien, Wochenende etc.) in ihre Richtung leiten resp. „Gehirnwäsche“ betreiben, dann stellt es mir die Nackenhaare und ich muss für mich nur eins sagen: Hände weg! Da sind für mich diejenigen Personen wertvoller resp. glaubwürdiger, die sagen, dass alle Religionen auf dieser Welt das gleiche Fundament und den gleichen Gott haben – die Religionen daraus entstanden je nach Jahrhundert und geographischer Lage einfach etwas unterschiedlich.

Familie
Schade, dass ihr euch nach fast 30 Jahren getrennt habt; doch wie du schreibst: es liegt leider im Trend. Drei von meinen Brüdern sind auch schon geschieden und zwei haben wieder geheiratet und im Bekanntenkreis erleben wir auch immer wieder das Gleiche. Auch wir hatten vor ca. 7 Jahren eine tiefgreifende Krise (ich war kurz davor, auszuziehen); doch zusammen konnten wir das Steuer kurz vor dem Aufprall herum reissen und glauben wieder an eine gemeinsame Zukunft. Dieses Jahr hat auch in dieser Sparte Veränderungen gebracht: Mitte Jahr sind wir Grosseltern geworden (jetzt darf auch ich neben der Grossmutter ins Bett). Unsere Tochter (schon seit einigen Jahren verheiratet) hat einen gesunden Sohn geboren.
Wenn ich so auf mein Leben zurück schaue, dann fallen mir jedoch noch weitere Stichworte ein, die zu meiner jetzigen Lage passen:

Konstanz
Du weisst ja noch von früher: ich wurde in eine Familie geboren, die sich stetig wandelte. Geboren in Genf, hatte ich meine Kindheit im Limmatdorf Oetwil, besuchte die Primarschule in Worb und die Sekundarschule in Bümpliz. Während der Lehre wohnten wir wiederum in Worb und Anfang Tech wohnten meine Eltern in Riedbach. Wenn ich jetzt zurückschaue, dann habe ich (neben unserer Ehe) in folgenden Sparten eigene Rekorde gebrochen: seit über 16 Jahren wohnen wir hier in Bern-Bethlehem in einer einfachen 4-Zimmer-Wohnung und sind zufrieden, unser letztes Auto begleitete uns über 14 Jahre und 200’000 km lang, nächstes Jahr feiere ich mein 10-jähriges Jubiläum bei der kantonalen Verwaltung und mein Motorrad ist auch schon über 6 Jahre alt. Klar, wenn ich alle Jahre zusammenzähle, die ich im Büro an der Brünnenstrasse fast am gleichen Arbeitsplatz verbracht habe (4 Jahre Lehre, fast 1 Jahr danach, 4 1/2 Jahre als angestellter Architekt und 8 Jahre als Teilhaber) dann sind dies eindeutig mehr als 10 Jahre; jedoch in unterschiedlichen Funktionen. Konstanz sehe ich aber auch im „roten Faden“, der mich durch mein Leben begleitet (und damit wäre ich wieder bei der „Führung“ unter dem Stichwort „Kirche“): ohne meinen damaligen Lehrmeister und späteren Geschäftspartner hätte ich nicht diese Anstellung beim Kanton, die ich jetzt inne habe (und mit der ich glücklich bin). Die Weichen für heute haben sich für mich somit schon 1971 gestellt! Bümpliz und Bethlehem gehören mitunter auch zur Konstanz: schon vor meiner Geburt wohnten meine Eltern hier in Bümpliz und wenn ich alle Jahre zusammenzähle, in denen ich hier gearbeitet resp. gewohnt habe, dann komme ich gut und gerne auf 35 Jahre.

Entschleunigung
In der Zeit, wo sich die Welt immer schneller dreht, alles immer schneller verarbeitet werden muss und niemand mehr Zeit haben will, habe ich mir zum Ziel gesetzt, diesem Trend entschieden entgegen zu treten. Da wir oft zu Fuss unterwegs sind (wandern), haben wir uns schon vor einigen Jahren ein Halbtaxabo zugelegt. Im Frühling 2008 haben wir dann aufs GA gewechselt und geniessen seither die Freiheiten im ÖV. Nach 2-jähriger Vorbereitungszeit haben wir uns im September 2008 von unserem Auto getrennt und uns der roten Flotte von Mobility angeschlossen. Ich bin der Meinung: es geht auch so. Zudem geniesse ich es, wenn mein Terminkalender nicht immer randvoll ist; d.h. wenn ich meinem Gegenüber ruhig sagen kann: ja, ich habe Zeit für dich. Dass ich meinen Arbeitsweg zu Fuss machen kann (8 Minuten) ist natürlich auch ein wesentlicher Vorteil.

Viel Text – viele Gedanken – und hoffentlich viel Energie, den Alltag auch nächstes Jahr wieder anzupacken und sinnvoll zu gestalten.

Wir wünschen dir frohe Festtage und alles Gute zum Jahreswechsel
Martin und Familie

Danke Tinu und allen Lesern wünsche auch ich viel Energie – packen wir es an, das 2009, es gibt noch viel zu tun und es wird garantiert ein spannendes Jahr. und viel einfacher haben es die jenigen, die langfristig denken.

Bürgermeister besucht in Pakistan christliche Kirche


„In muslimischen Gebieten gibt es keine christlichen Kirchen und bei uns sollen Minarette errichtet werden!“ Ein oft gehörter Satz im 2008 … aber jetzt ist der Börsencrash und der drohende Konjunktureinbruch wichtiger geworden … und dann sollten sich in letzter Minute noch Geschenke finden lassen. Wir schlagen ihnen zwei vor, die ganz sicher Freude bereiten.

1. Geschenkidee – Kinder unterstützen, die in sicherheitspolitisch, militärisch nicht ganz einfachen Gebieten leben, zum überwiegenden Teil christlich sind, mit Muslimen normal zusammen leben, garantiert nicht „ver-missioniert“ werden, sondern denen man zweifache Wärme bieten will – menschlich und kW-mässig – LivingEducation, 5400 Baden, PC 60-223344-6

2. Geschenkidee: Das Goldlos – 2008 100%ige Trefferquote – liebe Iris, du erstaunst selbst den Finanzblogger – ein Weihnachtsgeschenk für meine Kinder und vielleicht kann auch der eine oder andere Kunde davon profitieren. Ja zwischen Himmel und Erde scheint es noch andere Sachen zu geben als derivative Produkte wie GRAPS, GREPS oder GROPS oder wie dieser Zauber heissen mag – ziehen sie die Sterne zu Hilfe oder den GRIPS vor … und füllen sie schon jetzt zu Gunsten LivingEducation einen Einzahlungsschein über 10% aus und legen den in den Terminator vom nächsten Dezember… sie werden an uns denken und sie werden Ende 2009 wieder von uns hören – knalllhart anders, als in der knallweichen normalen Finanzwelt …

Astro-Börse

… und wenn sie denken, ich sei jetzt übergeschnappt, so schauen sie sich einmal ihre Minusperformance von 2008 an. Ich denke, ich kann heute meinen Kunden immer noch in die Augen schauen.

Es gibt sie, die christlichen Kirchen. Nur fehlt ein grosser Kirchturm. Wieso? Weil kein Geld vorhanden ist …

Kirche Pakistan 1

… dafür haben sie grosse Minarette …

Moschee in Pakistan

… oder auch nicht. Im Adventskalender sind die beiden Gotteshäuser so abgebildet, dass ein Grössenvergleich möglich ist. Lassen sie sich überraschen … und versuchen sie, einige Vorurteile ab zu bauen. Der Unterschied in Zürich ist wesentlich grösser … aber auch nicht so, wie ich die Kirche Balgrist und das Minarett absichtlich aufgenommen habe …

Kirchenleiter und Bürgermeister

… der christliche Kirchenleiter sieht für mich fast aus wie ein Muslim und der Muslim erinnert mich stark an einen Schweizer-Bürger aus dem gleichen Kanton, einem Motorradfahrer und Hochschuldozenten. Zumindest diese Foto hat Yahya nicht selbst geschossen, der so nebenbei Schulleiter und Bürgermeister in Pakistan ist … und die christlichen Frauen tragen auch ein Kopftuch aus Erfurcht gegenüber Gott. Wenn aus der Bibel vorgelesen wird, gesungen wird, ist ein Kopftuch absolutes Muss, egal ob Christ oder Muslim, das ist die Tradition und hat nichts mit Glauben zu tun ….

… und wie sieht es in der Schweiz aus. Die bekannteste Koordinate ist Bethlehem oder ist es nun Bern Brünnen? Ja, Ted Scapa sagt: „Mit der Zeit wird sicher noch behauptet, Jesus sei in Westside geboren …!“ … wer es vergessen hat, Scapa kennen wir bereits von der Briefmarke mit der Doppelprägung … und eine Doppelprägung erhält auch Le Protestanteine Schweizer Reformierte Zeitung fusioniert mit den Franzosen – that’s the way id should done …

Westside

… Schnee ist hellblau … legen sie einmal ein weisses Blatt hinein … auf alle Fälle, der Besucherandrang ist noch nicht so gross …

Brünnen

… der war in meiner Disco grösser … aber nun ist die Autobahn dort … und im Hintergrund wohnt Dänu, der meinen Briefkasten bauen sollte … ein heiliger Briefkasten aus Bethlehem, nein wenn alles klappt, etwas aus Südostasien …

Krippe in Bethlehem

… aber noch steht die Krippe leer. Heute Abend wird sich vermutlich etwas ändern … auf alle Fälle wünschen Yahya und Stephan einen schönen heiligen Abend … und morgen geht es weiter zum letzten Fensterchen … einem rauchenden und manchmal mit gefrorenen Bildern.

Stal und Jesus

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Liebe Leser, wenn sie etwas zu sagen haben, so können sie ihren eigenen Blogbeitrag im Adventskalender gleichzeitig auf mehreren Blogs erscheinen lassen – immer vorausgesetzt, im 2009 gehen uns die Ideen nicht aus und helfen mit Ideen mit – heuer sind wir ausgebucht – danke allen, die mitgeholfen haben und den zig-tausend Clicks, die uns motivieren, zu schreiben, Bilder zu schiessen … um den Adventskalender zu ermöglichen.

Zusammenstellung und Koordination: Stephan MartiFinanzblog – welche Fotos von Yahyq aus Pakistan kommen, können sie selbst erraten

Die Zukunft des Kapitalismus (2. Teil)


Der Kapitalismus hat entdeckt, dass die Ethik nicht zu vernachlässigen ist … entschuldigung: „wäre“ …

in Teil 1 sind10 Thesen vorgestellt worden …

… und in der Wirtschaftswoche steht das

Dossier – Zukunft des Kapitalismus zum lesen bereit.

Zwei Sachen sollten sie beachten:

1. der kleinste Beitrag im Adventskalender ist mit Abstand der beste und braucht am meisten Zeit um vollständig gelesen zu werden und

2. wenn sich die Politik nicht einschaltet und bestimmt, wird alles beim Alten bleiben, denn der grösste Teil der betroffenen Finanzleute an der Spitze werden in der Branche bleiben und ihr Verhalten nicht um 180 Grad ändern können und die meisten Finanzleute unterhalb der Spitze werden weiterhin derivative Produkte verkaufen und das nächste Chaos mit verursachen!

Irgendwie gab es in den letzten Jahren und Monaten viel mehr Heuschrecken!

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Zusammenstellung, Fotos und Koordination: Stephan MartiFinanzblog

"Kirchgemeinderäte erhalten mehr Gewicht


In den reformierten Kirchgemeinden der Kantone Bern, Jura und Solothurn erhält das Organ des Kirchgemeinderates mehr Gewicht.

So soll künftig die Gesamtverantwortung für die Leitung beim Kirchgemeinderat liegen. Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeitende erhalten ein Anhörungs- und Antragsrecht.
Nach wie vor zentral sein soll aber das Zusammenwirken von Kirchgemeinderat, Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitenden, betonte Synodalrat Stefan Ramseier am Mittwoch anlässlich der Wintersynode des Kirchenparlaments in Bern. Daran wolle man nicht rütteln … lesen sie weiter in der Bernerzeitung … „

Zu diesem Thema werden wir nicht gross diskutieren, nur einmal so viel, ganz so neu ist die Thematik nicht. Im Adventskalender sehen sie eine PowerPointFolie die vor vier Jahren Rechtskraft erlangte. Das entsprechende Reglement ist unter den Arbeitshilfen des Kirchgemeindeverbandes aufgeschaltet.

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Zusammenstellung, Fotos und Koordination: Stephan MartiFinanzblog

Veränderter Arbeitsmarkt


von Herbert Odermatt – Personalblog

 

Arbeiten oder noch besser: Leistung erbringen ist der Hauch des Überlebens. Es sichert Einkommen, beschäftigt, schafft Raum für Gesellschaftliches und Kulturelles, gibt Selbstbestätigung und schafft Selbstvertrauen.

Heut‘ zu Tage ist es oft schwierig, die passende Tätigkeit oder überhaupt eine Arbeit zu finden (bekommen tut man eh nichts!). Massenentlassungen grosser Unternehmen gehören mittlerweilen zu oft gehörten, gelegentlich täglichen Meldungen.

Die von Experten angekündigte Rezession verheisst nichts Gutes. Firmen bauen vorsorglich Jobs ab oder sie ersetzen frei werdende Stellen nicht. Grants für Forschung und Entwicklung werden nicht mehr oder nur noch in geringem Mass finanziert. Der Zerfall des Ölpreises um fast zwei Drittel seit Mitte Jahr deutet auf den klaren Absturz der Weltkonjunktur hin. Wer etwas dunkler bis schwarz sieht, vermag gar eine Deflation zu erkennen.

Die Arbeitslosigkeit kann jeden Menschen treffen. Selbst hoch qualifizierte Berufsleute fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr vor Kündigungen sicher. Das ist eine neue Qualität. Eine Arbeits- oder Joblosigkeit bedeutet nicht mehr Schandfleck im Reinheft oder Hinweis auf persönliches Unvermögen. Vorübergehende oder auch längerfristige Arbeitsuche und Neuorientierung sind salonfähig geworden – gehören quasi zur Laufbahn. Bei schwankender Konjunktur ist es für Unternehmen notwendig, ihren Personalbestand den Umständen anpassen zu können. Die Freistellung dient dem eigenen Überleben. Qualifizierte Jobs können wie andere in Frage gestellt werden. Daraus entwickeln sich vermehrt „Bogen- oder Patchwork-Karrieren“. Man ist genötigt, zwei oder drei Jobs nebeneinander, jeweils mit einem reduzierten Pensum anzunehmen. Ein Vorteil dieses Berufslebens: Für Abwechslung ist gesorgt! Das bisherige Berufsverständnis, wonach eine Ausbildung für ein Leben ausreicht, gilt nicht mehr.

Den Zeiten eines geregelten Arbeitsverhältnisses folgen vermehrt wichtig werdende Umorientierung und Weiterbildung mit zwischenzeitlicher Arbeits- oder Joblosigkeit und Suche nach Neuem. Long life learning wird gefordert.

Zwar wächst die Zahl neuer Berufsbilder. Das bietet neue Chancen. Möglichkeiten in bisher nicht geahnten Bereichen. Ergo soll man offen für Neues sein. Der Informationsbeschaffung kommt ein besonderer Stellenwert zu. Aber wer schon von der Existenzangst gejagt wird, sich im Job zu 120 Prozent engagiert, findet kaum Zeit und Energie, um dauernd nach Neuem zu suchen. Die Anforderungen steigen: Flexibilität (bezüglich Tätigkeit) und Mobilität (Ortdsunabhängigkeit) sind gefragt. Wer dem genügt, sieht sich mit Wohnungsnot oder unbezahlbaren Wohnungen konfrontiert oder er verbraucht wertvolle Zeit für das Pendeln. Dann ist schnell die Frage des Alters im Vordergrund. Man redet zwar viel von den sogenannten „50+“. Un man weist auf New Economy hin, wo grosse Erfahrung und Seniorität gefragt sein sollen. Die Realität siht oft ganz anders aus!

Aus der Sicht der Arbeitgeber werden auch Anforderungen an die Sozial- und Kommunikationskompetenz gestellt und man erwartet Teamfähigkeit sowie Sinn für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dabei wird übersehen, dass Pflicht- und Akzeptanzwerte abnehmen, während Selbstentfaltungswerte zunehmen werden. Gelegentlich hat man den Eindruck, dass man die Arbeitnehmenden noch betrachtet wie zur Zeit von Henry Ford 1 oder nach der Theorie X nach Mc Gregor. Dabei hat längst ein grosser Wertewandel stattgefunden, der aber oft nicht wahrgenommen wird.

Bis 1968 galt: Aussenorientierung. Das Selbst passt sich an (Gebote, Verbote; Rangordnung, Konventionen, Institutionen; Pflichterfüllung und Anpassungsfähigkeit; Tugenhaftigkeit und Verzicht). Folge: Selbst-Kontrolle

Bis etwa den 80er wurde eine Innenorientierung ausgemacht. Das Selbst emanzipiert sich (Erweiterung der Optionsspielräume; Enttraditionalisierung und Individualisierung; Emanzipation; Autonomie; Individualismus; Genuss, Erlebnis, Wellness). Folge: Selbst-Verwirklichung.

Ab etwa den 80er wird eine Innen-/Aussenorientierung wahrgenommen. Neue Vermittlung zwischen Selbst und Umwelt (steigende Wertigkeit persönlicher Ressourcen,; neus Sozialbewusstsein; Leitbilder wie Balance, Stimmigkeit, Souveränität, Synergie, „Third Way“). Folge: Selbst-Management
(Quelle: Rainer Keupp, Future Values)

Die Steuerung der Migration durch den Staat bringt eigenartige Entwicklungen: Eine Zeit lang konnten nicht genug Einwanderer aus dem ehemaligen Yugoslawien angesugt werden. Mit den Auswirkungen ist man heute konfrontiert. Nun hat die Richtung umgeschlagen. Die Migranten kommen aus Deutschland. Die Auswirkungen werden wir später zu spüren bekommen.

Allein Im Kanton Zürich, hat sich die Zahl deutscher Staatsbürger, wie die neuesten Zahlen zeigen, explosionsartig gesteigert: 14’322 Zuzüger alleine in der Zeitspanne von August 2007 bis August 2008. 66’112 Deutsche wohnen zurzeit im Kanton Zürich – ein Resultat der vollständigen Personenfreizügigkeit. Das hat Auswirkungen auf den Wohnungs- und auf den Arbeitsmarkt. Falls wegen der Finanzkrise eine Wirtschaftskrise mit vermehrten Arbeitslosen entsteht, wird sich das ebenfalls auswirken. Ob ein arbeitsloser Deutscher zurück kehrt und dort von Hartz IV lebt ist kaum realistisch, denn hier bekommt er mehr Arbeitslosengeld. Denn das Recht darauf hhat er. Vielleicht gibts auch dafür noch einen Steinbrück’schen Peitschenhieb.

So oder anders. Wer sich verändern will oder muss, dem bleibt die eigene Initiative nicht erspart. Wer sucht, der findet… Es kann gut sein, dass Ausdauer, Mut und Beharrlichkeit auf die Probe gestellt werden. Und: Wo eine Wille ist, gibt es einen Weg!

 

 

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Umerziehung und Tugend-Terror


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Weltweit kein Ende in Sicht

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Es ist tatsächlich passiert. Gesetzeswütige haben einen Gesetzesvorstoß eingereicht, welcher den Restaurants und Speise-Etablissements mit fünf oder mehr Sitzplätzen verbietet, Nahrung an Dicke zu verkaufen. Die Gesetzesvorlage 282 wurde vom ehemaligen Pharmazeutikvertreter der Firma DuPont-Merk, W. T. Mayhall Jr. initiiert und mit der Unterstützung des Geschäftsmannes Bobby Shows und des Apothekers John Reed eingebracht; Alles puritanische Republikaner aus dem tiefen Süden der USA, die, ihrem Alter nach zu urteilen, wohl noch die ehemaligen Baumwollplantagen mit ihren Sklaven vor Augen haben.

Sollte jemand in dem fettleibigen Staat Mississippi leben und über einen teuer angefutterten Body Maß Index von 30 oder mehr verfügen, wird ihm der Service in einem Restaurant bald verwehrt sein.

Die Vorlage verlangt sogar, daß Speiserestaurant-Inhaber eine BMI-Kartei all ihrer Gäste führen und ein Plakat an die Eingangstüre hängen müssen, welches die Definition von »Fettleibigkeit« und die Voraussetzungen für eine Service-Verweigerung erklären.

Verantwortlich für die Einhaltung und Durchsetzung des Gesetzes ist das Staatsdepartement für Gesundheit, welches zur Durchsetzung die Erlaubnis erhält, Gewerbelizenzen von Speise-Etablissements zu widerrufen, sollten diese das Gesetz brechen.

Obwohl W. T. Mayhall nicht damit rechnet, daß das Gesetz tatsächlich durchkommt, ist es ihm sehr ernst damit. Er ist beunruhigt über das »ernsthafte Problem von Fettleibigkeit und über die daraus resultierenden Kosten für das Gesundheitssystem«.

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MISSISSIPPI LEGISLATURE
2008 Regular Session
To: Public Health and Human Services; Judiciary B
By: Representatives Mayhall, Read, Shows

Prohibition – HOUSE BILL NO. 282

An act to prohibit certain food establishments from serving food to any person who is obese, based on criteria prescribed by the state department of health; to direct the department to prepare written materials that describe and explain the criteria for determining whether a person is obese and to provide those materials to the food establishments; to direct the department to monitor the food establishments for compliance with the provisions of this act; and for related purposes. Be it enacted by the legislature of the state of Mississippi:

SECTION 1 (1) The provisions of this section shall apply to any food establishment that is required to obtain a permit from the State Department of Health under Section 41-3-15(4)(f), that operates primarily in an enclosed facility and that has five (5) or more seats for customers.

(2) Any food establishment to which this section applies shall not be allowed to serve food to any person who is obese, based on criteria prescribed by the State Department of Health after consultation with the Mississippi Council on Obesity Prevention and Management established under Section 41-101-1 or its successor. The State Department of Health shall prepare written materials that describe and explain the criteria for determining whether a person is obese, and shall provide those materials to all food establishments to which this section applies. A food establishment shall be entitled to rely on the criteria for obesity in those written materials when determining whether or not it is allowed to serve food to any person.

(3) The State Department of Health shall monitor the food establishments to which this section applies for compliance with the provisions of this section, and may revoke the permit of any food establishment that repeatedly violates the provisions of this section.

SECTION 2 This act shall take effect and be in force from and after July 1, 2008.
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Die Zeit ist nun für alle Amerikaner gekommen, welche ihre Freiheit, zu essen, zu sehen, zu atmen und ihr Leben so zu leben, wie sie es für richtig finden, sich zu vereinen und zu erheben. Wenn Amerika diesem Wahnsinn keinen Einhalt gebietet, schwappt die ganze Scheiße über den Teich zu uns. Bereits zehn Gesetze in Richtung Diskriminierung Dicker gibt es in Großbritannien und das Rauchverbot zwingt die Feinschmecker Frankreichs in den Hamburger- oder Sandwich-Laden. Das schlecken auch die australischen Werbeverbote nicht weg. Neuseeländer lassen keinen Dicken mehr ihre Grenze passieren und es könnte ein teures Unterfangen für Auswanderungswillige mit einem Bauchumfang von mehr als 108 cm werden, wenn diese mit dem nächsten Flieger wieder zurückfliegen müssen. Auch ein zu großer Busen kann zum Hindernis werden, wenn man in Christchurch ein Casino besucht. Da nützt auch die teuerste Garderobe nichts. Vielleicht sollte man sicherheitshalber die Sachlage im Casino in Christchurch nochmals mit Bundeskanzlerin Angela Dorothea Merkel in ihrem Abendkleid testen.

Die Welt verändert sich an allen Ecken und Enden zunehmend in eine lustlose, puritanische Hölle und das Machtstreben gewinnt die Oberhand.

related link

Gefundenes Fressen

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Carolus Magnus

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"Zur Lage der Nation" – 1


Ach ja, fast hätt ich es vergessen, Wir stecken ja in der Finanzkrise. Und wieso werden denn immer noch Aktien gekauft. Weil einige zur Zeit günsigt zu kaufen sind … aber vielleicht werden sie noch etwas billiger. Einige Stimmen ...

Finanzkrise: Französische Bischöfe fordern Umdenken

Die französische Bischofskonferenz hat als Konsequenz der Finanzkrise aufgerufen, den eigenen Lebensstil und das Verhältnis zum Geld zu überdenken. Nötig sei, das Streben nach maximaler Rendite in Frage zu stellen, heisst es in einer heute in Paris veröffentlichten Erklärung der Bischofskonferenz … lesen sie weiter bei ref.ch …

wer mehr wissen will, was die Bischöffe gesagt haben, schaut ins Kreuz

… und das nächste mal lassen wir einen inkognito sprechen … das E-Mail liegt bereit … und viele Details haben sie ja schon lange vor der Finanzkrise im Finanzblog gelesen. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, dass nicht mehr Menschen zum Finanzgott gekürt werden wollen.

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
Die Krause Glucke und Anforderungen an den Wirtschaftsstandort

Vor zwei Jahren erschienen:
Tabak auf den Azoren

Vor drei Jahren erschienen:
Reit-Investitionen und Reit-Immobilien – Investoren gesucht – soll ich nächste Woche wirklich wieder einmal reiten gehen?

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig, gewinnorientiert

Die Zeiten ändern – trotzdem Stillstand und Schwindel (2)


… ganz so neu ist die Idee mit der Ethik doch nicht …

… aber es dürfte noch im Schneckentempo vor sich gehen. Tönt aber schon gut. Genau wie Polo Hofer zwei Tage zuvor in Oberhofen, wenn er vom Meitli am Schnäggerain singt und der Berg und Talsänger Tinu Heiniger zum 875-igsten Geburtstag über den Eiger. Es ist kein Schwindel,für den Preis einer Flasche Wein an ein Bomben-Konzert. Und Polo Oberhofer speist zuvor am Tisch hinter uns und neben uns die Fassbauer aus Berneck. Die Zeit steht still. Martin Luther kommt mir in Erinnerung: „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“. Patente Sache. Ja, da war Büne Huber mit Patent Ochsner vor einigen Tagen in Basel. Die drei Hendiadyoine sind ganz anders gelagert – hopfiger, kratziger und lauter. Ändu reisst einige in den Bann. Auf der einen Seite steht die Zeit still, auf der andern rennt sie davn. Mit der Ethik, vor allem der Scheinethik wird es wohl gleich sein.

Da darf doch Zürich nicht fehlen. Einer hat Solarlampenfieber. Echt? Bundesrat Moritz Leuenberger kann dies aber gekonnt überspielen. Oder sieht er etwa mein Schild (auch das wandelt sich im Laufe der Zeit) und erinnert sich an das Adventskalender oder gar an die Energiesparlampe von Osram. Ein Jahr ist es her, Osram Schweiz hat die Lampe noch immer nicht getestet. Stillstand! Oder gar Schwindel? Eine Frage an der Ethikveranstaltung bezog sich auf Korruption, Bestechung, Schmiergelder. Nicht dass ich so etwas machen würde, aber Osram ist eine Tochter von Siemens … und da darf man doch einige Gedanken aufkommen lassen.

Blogger und Bodyguard

… Blogger unter sich … nur einer bloggt nicht, der würde abblocken, der freundlich lächelnde Bodyguard …

Moritz Leuenberger

… und sein Chef, Bundesrat Moritz Leuenberger. Dieses Foto ist nicht schlecht, aber noch mehr freut sich der „bloggende Fotograf“, dass er es auf die Hälfte der Leser des bekanntesten Bloggers der Schweiz bringt.

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
2 Staatsmänner – 2 Länder – 2 Energietaktiken – 2 teure Leuchten … – kaum zu glauben – über 1 Jahr ist vergangen (und die Energiesparlampe sollte gemäss Garantieversprechen immer noch leuchten, auch wenn sie dauernd angestellt gewesen wäre – ergäbe knappe 9000 Stunden)

Vor zwei Jahren erschienen:
Politisches Desinteresse oder Alles klar?

Vor drei Jahren erschienen:
Bilaterale – Kurzanweisung und neutrale Info

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig

Die Zeiten ändern – trotzdem Stillstand und Schwindel (1)


Ethische Überlegungen werden an der Börse zunehmen. Zwangsläufig, denn Geld verdienen ist nichts Schlechtes und weniger verlieren schon gar nicht …

… entschuldigen sie bitte, dass ich mich wiederhole, aber was ich am Sonntag geschrieben habe, erwähnt die Wissenschaft am Montag-Abend. „Mit Anstand zum Erfolg“ hat gezeigt, dass sich heute viele für Ethik interessieren. Es soll der nächste Hype werden. Der Professor sagt es. Mit seinem Chef darf ich beim Apéro diskutieren – und nicht zu vergessen, auch mit First. Echt der heisst wie der Berg von dem man die schönste Aussicht auf den Eiger hat. Der Hype kommt nicht zur Sprache, aber es ist doch schön, was damit gemeint ist.

„Hype“ heisst auf Deutsch „Schwindel“. Ergo ist „Ethik“ ein „Schwindel“.

Oder anders gesagt, steigen sie rechtzeit ein und dann wieder rechtzeitig aus – oder lassen es dann liegen.

Falls sie oben im zweiten Link das Referat und den Text nicht gefunden habe, ergeht es ihnen wie mir – Server nicht gefunden. Aber es muss ihn geben, denn in Google ist zu lesen: „WBCB-Herbstanlass: Wirtschaft und Ethik: Mit Anstand zum Erfolg?“15.09.2008 … Dezember 2007, nahmen rund 120 Personen am Herbstanlass des WBCB statt“. Es waren eher doppelt so viele Zuhörer anwesend, dafür sollte man (auch bei frau) Einiges des Gesagten wieder vergessen. Verwechselt wird ökonomisch mit ethisch und dass man beides gleichsetzen kann, da sind wir noch lange nicht soweit. Vom Stillstand bricht man zum Hype auf …

martisches 6-Eck

… ganz so neu ist die Idee mit der Ethik doch nicht …

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
«Gewinne machen mit Edeltropfen»

Vor zwei Jahren erschienen:
«EU will Zinssteuern aus Asien»

Vor drei Jahren erschienen:
Vom Pech, heute Amerikaner zu sein!

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig

El Tucan – die Win-Win-Situation «made in Switzerland»


Peter Höltschi von El Tucan aus Arch ist ein nachahmens wertes Beispiel für «best practice» im ethischen Bereich des Handels.

Über El Tucan habe ich schon berichtet. Kurz, als Vorspann. Nicht weil es zertifiziert wurde. Auch nicht, weil es sich unter seinen Decken gut schlafen lässt. Erfahrungen mit Hängematten habe ich schon früher gesammelt. Im Dschungel des mexikanischen Yucatan und in der Schweiz auf selbst importieren aus Guatemala. Für mich war es ein Zusatzverdienst während des Studiums. Höltschi macht das beruflich. Und ethisch wirklich wertvoll und deshalb lassen wir es in unserem Netzwerk auf mehreren Blogs erscheinen. Das ist wesentlich mehr als ein Schulbeispiel für gelebte Ethik … lassen wir doch den Inhaber selbst zu Wort kommen. Dafür ein herzliches Dankeschön! Wir gratulieren der Unternehmung zur Zertifizierung und wünschen allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg.

Ein weiterer Beitrag über «Geld und Finanzen – leicht erklärt» – eine Idee von Tari Eledhwen aus Solothurn
… übrigens, die schönste moderne Brücke führt aus diesem Kanton nach Arch

«El Tucan erhält Zertifizierung der Internationalen Fair Trade Association (IFAT)

Als drittes schweizerisches Fair Trade Unternehmen erhält die El Tucan GmbH von der Internationalen Fair Trade Vereinigung (IFAT) die Zertifizierung als ausgewiesene Fair Trade Organisation.

El Tucan, ein kleines Unternehmen aus Arch, arbeitet seit 19 Jahren in enger Verbindung mit Produzenten in Mittel und Südamerika.

Diese Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang, als der Gründer von El Tucan, Peter Höltschi, sich 1989 in Guatemala auf die Suche nach den Produzenten eines Ledergurtes mit indianischem Stoffbezug machte. Eine mehrtägige Odyssee führte ihn in die abgelegensten Orte des guatemaltekischen Hochlandes und in die schwüle Hitze des Zuckerrohrgürtels an der Pazifikküste. Die damals geknüpften Beziehungen verbanden erstmals unterschiedlichste Produzenten mit dem Endverkäufer. Mit der Stoffbandweberin Rosa Ajpacaja und dem Sattler Julio Armas knüpfte El Tucan ein Netzwerk aus Kunsthandwerkern, welches Heute, fast 20 Jahre später, allein in Guatemala 30 Kunsthandwerker umfasst. Von der Kinderlatzhose zur Frauenblusen, vom Dekorationsartikel zur Hängematten, eine riesige Palette an Produkten die auf Schweizer Märkten, in ausgesuchten Geschäften und via Internetshop www.eltucan.ch angeboten werden

Die direkte Zusammenarbeit und die Umgehung der Zwischenhändler, garantieren hohe Wertschöpfung für die Produzenten und den Ursprungsort, sowie qualitativ hoch stehendes Kunsthandwerk für die Kunden für El Tucan.

Eine Win-Win Situation, die selbst in Südmexiko Aufmerksamkeit erregt hat.

Seit 2004 baut Peter Höltschi in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Sekretariats für soziale Entwicklung des Bundesstaates Yukatan in den ärmsten Gemeinden Frauengruppen auf und verbindet diese zu einem regionalen Netzwerk. Kleine Gruppen bilden die Zellen zu einem dynamischen, grossen Unternehmen, aus dem in Zukunft Hängematten in die ganze Welt vertrieben werden.

Das langjährige Knowhow von El Tucan als Endverkäufer in der Schweiz und die in Guatemala gemachten Erfahrungen verleihen dem Projekt eine einmalige Dynamik. Dies animiert verschiedene Gemeinden Yukatans wie auch die staatliche mexikanische Kommission für indianischen Fortschritt, zur Unterstützung des Projektes.

Ein Schweizer Kleinstunternehmen schafft somit die Grundlage zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Gebieten, welche zu den ärmsten der nördlichen Hemisphäre gehören.

2 Arbeitsstellen in der Schweiz verbessern die Lebensgrundlage von mehr als hundert KunsthandwerkerInnen in Mittel und Südamerika und ihren Familien.

Das ist Fair Trade, das ist El Tucan.»

Peter Höltschi

Storch

Ein Tukan? Nein, aber dieser Storch verlässt eben die Gemeinde Arch (Bern) Richtung Flugplatz Grenchen (Solothurn).

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
Tscharnergut – ein Quartier und ein Wein

Vor zwei Jahren erschienen:
Wein als Anlageobjekt

Vor drei Jahren erschienen:
Zinsen bleiben sehr tief – wie lange?

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig

«Kartoffeln aus Aegypten» und «Reis aus Thailand»


Der Reis ist letzte Woche in Thailand das erste mal für über 1000 USD je Tonne gehandelt worden. Die Nahrungsmittel werden immer teurer weil ein Teil davon zu Treibstoff verarbeitet wird.

Bei Reis funktioniert ein Weltmarktpreis besser, als bei Kartoffeln – dies hat praktisch nur mit der Haltbarkeit, resp. die Kosten dafür zu tun. Nun wurde der Import von Kartoffeln aus Aegypten freigegeben – zwei lange Güterzüge.

«Bauern-Protest gegen Kartoffeln aus Ägypten

Zollkontingent durch das Seco in mehrfacher Hinsicht kritisiert

Verschiedene Schweizer Bauernorganisationen wehren sich gegen den Import von Kartoffeln aus Ägypten. Diese seien sowohl in Bezug auf die Lagerbestände wie auch in ethischer Hinsicht fraglich … lesen sie weiter bei der NZZ Online … »

Mehr zur Hungerrevolte und Ernährungskrise und «Biosprit – Verbrechen gegen die Menschheit».

Nahrungsmittel werden uns in der nächsten Zeit des öfters beschäftigen und vermutlich auch beim «Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)» zur Sprache kommen. Konflikte zwischen DEZA und SECO dürften programmiert sein. Hier einige Bilder von der BEA über die Kartoffel. Als Finanzmensch hatte ich in meinem Pflichtenheft noch einige Prozent «Public Reflations Aufaben» und stand vermutlich während sechs Jahren mehrmals in diesen Hallen Red und Antwort über Sprit, Äpfel und eben Kartoffeln … und einmal haben wir Ballone aufgeblasen und da könnten heute noch einige platzen …

Kartoffeln aus Peru

… Kartoffeln in der Sonderausstellung über Peru …

Trachten aus Peru

… irgend jemand musste die Kartoffeln ja in die Schweiz bringen …

Kartoffelwelt

… die Kartoffelwelt … und das Zentrum liegt zur Zeit in Langenthal …

Riesenkartoffel

… so grosse Riesenkartoffeln wird wohl auch mein Nachbauer, sorry Nachbar nicht importieren … aber gab es da nicht noch einen Spruch: «Die voluminöse Expansion bestimmter subterrarer Agrarprodukte stehen klar in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität ihrer Produzenten.»

Viele Information finden sie bei Swissaid – auch über das Inernationale UN Jahr der Kartoffel 2008 – und einen Hinweis auf das Symposium «Tu das Brot in den Tank – verschärfen Agrotreibstoffe den Hunger?»

Und falls sie wieder einmal unterwegs sind, so seien sie fairunterwegs – mit oder ohne Agrotreibstoffe.

Vor einem Jahr erschienen: Biomilch, Plastikmilch, Katzenmilch …

Vor zwei Jahren erschienen: Magere Ausbeute

Vor drei Jahren erschienen: Tunnel – gesprengt, gebohrt oder gedeckt

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – eigenständig, unabhängig, langfristig

«Sachverständige schlagen Alarm»


Über Nahrungsmittel, die Landwirtschaft und Biotreibstoffe – meist nur Agrar-Treibstoffe – habe ich den vielleicht wichtigsten Artikel auf den Tag genau vor einem Jahr geschrieben – jetzt folgen die Sachverständigen. Eigentlich schneller als ich gedacht habe, aber die Brisanz dahinter ist dringend zu lösen.

Beim Biotreibstoff ist die Grundsatzfrage: «Wo fallen biologische Stoffe an oder können angebaut werden, welche die Lebensmittelkette nicht (stark) beeinträchtigen? Zudem müssen diese mit anderen Produktionsketten im Einklang stehen!»

Das war meine Forderung. Bundesrat Moritz Leuenberger hat bei der EU darüber gesprochen. Die steuerliche Begünstigung für umweltschonende Treibstoffe in der Schweiz enthält für mich etwas viele «kann-Formulierungen».

Angesichts der Nahrungsmittelkrise fordern Experten eine radikale Neuausrichtung der globalen Landwirtschaft … lesen sie weiter bei espace.ch … »

International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development vom International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development – viele Zusatzinformationen am 15. April 2008

IAASTD

Vor einem Jahr erschienen: Bioethanol – ist der wirklich biologisch? – auch Borregaard Luterbach ist heute wieder aktueller denn je – «Gestank ist amtlich bestätigt»

Vor zwei Jahren erschienen: Porsche Diesel

Vor drei Jahren erschienen: Gen-«Ethik» ethisch betrachtet

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – eigenständig, unabhängig, langfristig

Couchepin, Pestallozi und der ethische Hofnarr


Vermutlich ist Johann Heinrich Pestalozzi an unserem Volkswohlstand nicht ganz unschuldig. Er hatte die Volksschule für arm und reich eingeführt …

… und dank unserem guten Ausbildungs-Niveau zählt die Schweiz heute zur Spitze. Friedrich Engels lag bei der Beurteilung der Zukunft der Schweiz voll daneben …

Pestalozzi Gedenktafel Langenthal

… genau gleich erging es Winston Churchilll. In der Politik ist es besser, wenn man nicht immer alles glaubt, obschon dieser bedeutendste englische Staatsmann am 15. September 1946 im gleichen Haus weilte – dem Hotel Bären Langenthal. Vermutlich wird der Aktienkurs nicht ansteigen, obschon heute wieder ein Staatsmann zu Besuch war …

Pascal Couchepin

… Bundespräsident Pascal Couchepin – unser zuständiger «Bildungs-Minister». «Kopf, Herz, Hand» – so Pestalozzi (s. erstes Zitat vom Personalblogger).

Die Langenthaler Rede von Johann Heinrich Pestalozzi kann jeder selbst durchlesen. Hier die Zusammenfassung. Bei libref habe ich die Erlaubnis «Pestalozzi und die Gründung der Sekundarschule Langenthal» von Pfarrer und Stadthistoriker Simon Kuert zu publizieren (vermutlich über das kommende Wochenende).

Einige Sprachfetzen, Zitate möchte ich aber festhalten die sind es wert, dass man darüber nachdenkt:

– «Pestalozzi würde heute nicht die Industrie ankreiden, sondern die Finanzbranche.»

– Wir wollen Nein sagen zu einer hasserfüllten, fertigmachenden Streit- und Diskussionskultur wie wir sie aktuell gegen eine demokratisch gewählte Bundesrätin erleben» – auf diesen Satz gab es den längsten Applaus des ganzen Tages und ich habe viele Berner SVP-Mitglieder und Politiker beobachtet, die applaudiert haben

– «In der Politik gibt es immer mehr Polemik. Es ist Zeit, über die Werte in der Gesellschaft zu diskutieren. Mit Pestalozzi anzufangen ist eine grosse Chance.»

– «Was der ethische Hofnarr zum Geld sagt: Es braucht einen Wandel in der Mentalität!»

Der letzte Satz stammt von Prof. Dr. Helmut Kaiser, Sozial- und Wirtschaftsethiker, Zürich/Pfarrer in Spiez. Er hat 5 Visionen vorgestellt die aus Pestalozzis Rede abgeleitet wurden. Diese 5 Visionen sind es wert eingehend betrachtet zu werden. Da es mir via Blogs schon einige Male gelungen ist Hofnarr zu spielen und auf ironische Art etwas zu bewirken, wird vermutlich seine ganze Rede ohne Lizenzgebühren veröffentlicht werden dürfen. Die Anfrage läuft. Wirtschafts- und Finanzleute dürfen gespannt sein.

Schneider Couchepin Rufener

… Bundesrat Couchepin und die Herausgeber der Neuauflage der Langenthaler Rede, Johann N. Schneider-Ammann (links) und Thomas Rufener, Stadtpräsident von Langenthal

Käseweltmeister

… und am Schluss noch der Käseweltmeister, dessen letzter Satz in Erfüllung ging. Ob sie wohl über die Kappeler Milchsuppe diskutieren? Übrigens, das Bild mit einem Referenten an der zweiten Kappeler Milchsuppe kommt bei libref. «Wer gemeinsam isst, vergisst seine Feindseligkeiten». Ethik hin oder her, der Geschichte nach sind sie nach dem Essen in die Schlacht gezogen. Aber das war vor Pestalozzis Zeiten. Übrigens, vieles was Pestalozzi gesagt und geschrieben hat, ist heute noch gültig. «Eine Feier mit Mahnfinger»

Vor einem Jahr erschienen: Vom Büro aus den Gletscher betrachten …

Vor zwei Jahren erschienen: Social Managment

Vor drei Jahren erschienen: Vorlieben – bei einigen bis zu 100 Prozent

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Sind Flugpiraten auch Menschen?


Karan Singh und drei weitere Kollegen sollen nach 13 Jahren aus der Schweiz ausgeschafft werden, weil sie vor 27 Jahren ein Flugzeug entführt hatten.

Ich schreibe im Ich-Stil, wie sie es im Blog gewöhnt sind. Aber heute versuche ich die Meinung unseres Vorstandes von «libref.» wieder zu geben, der zufälligerweise heute getagt hat. Unter den Stichworten Sikhs, Pfarrer Sieber, Dalai Lama, Yahya Hassan Bajwa, 2. Kappeler Milchsuppe, Bivio und Menschenrechte finden sie einige Beiträge, die wir ohne Karan Singh und sein Beziehungsnetz nicht hätten schreiben können.

Lesen sie im Tagesanzeiger und in der Berner Zeitung ausführlich um was es geht.

Oder nachstehend in Kurzform (nota bene den ganzen Text bei www.espace.ch geklaut):

«Seit 13 Jahren in der Schweiz

Karan Singh war in den 80er-Jahren an zwei Flugzeugentführungen beteiligt. Dafür wurde er in Pakistan zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüssung der Strafe kam er 1995 als politisch anerkannter Flüchtling in die Schweiz. Jetzt hätte er – mit anderen Sikhs – die Schweiz verlassen sollen auf Grund einer Neubeurteilung des Bundesamts für Migration. «Die Lage in Indien hat sich geändert – heute droht den Sikhs keine Gefahr mehr», erklärte Pressesprecher Philippe Haas gegenüber dem Schweizer Fernsehen. sae»

Ich nehme auch nicht an, dass die BZ im Jahre 2035 kommt und mich auf diesen Tatbestand des kopierten Textes einklagen will. Ich habe den Artikel korrekt mit Link zitiert . Ich habe so Sühne getan – Karan Singh war dazu über 10 Jahre im Gefängnis. Ich bin auch überzeugt, dass die Zeitung Verständnis hat, dass wir den Text gleich aufschalten. Einige längere Beiträge haben wir auch schon ungekürzt mit Einwilligung gebracht. Diejenigen, die Dr. Yahya Hassan Bajwa geschrieben hat. Ich denke, er ist schon lange ein Kollege von Karan Singh und hat vermutlich mit den Erfahrungen aus Pakistan noch viel mehr Verständnis, was damals vor 27 Jahren geschah.

Bei jedem Konflikt gibt es Leute die eher bereit sind sich für ihre Gerechtigkeit ein zu setzten. Wenn Freunde, Bekannte, Landsleute von einem Staat oder einer andern Religion oder Volksgruppe unterdrückt werden, gibt es welche die sich wehren. Die meisten sind zu feige. Ob sie immer zu den Fundamentalisten gezählt werden dürfen ist für mich sehr fraglich. Ich bin alles andere als ein Fundamentalist aber ich habe mehrere Hinweise dass ich auf einer Liste für ein Sonderkommando war. Die Angelegenheit ist aufgeflogen. Die Presse wurde spärlichst mit Informationen versorgt. Deckel drauf und Gras darüber! Vermutlich sind die Akten längst vernichtet oder dann wird nach vielleicht 50 Jahren mal etwas freigegeben. Da kommt mir einer in den Sinn, der vielleicht mal nachforschen könnte. Wie Karan Singh war er auch Referent an der 2. Kappeler Milchsuppe.

Die Tat wollen wir nicht beschönigen aber darauf hinweisen, dass bei Konflikten sich einige wehren. Sie haben auch ihre Strafe abgesessen und kamen als Flüchtlinge in die Schweiz. Ich habe, bevor ich Vermögensverwalter wurde, viel direkt mit Flüchtlingen zu tun gehabt. Es gibt zwei Arten Flüchtlinge. Wirtschafts-Flüchtlinge und politische Flüchtlinge. Die erste Gruppe sind Profiteure. Und bei der zweiten Gruppe weiss man immer, dass dies keine Anpasser waren. Diese haben sich für etwas eingesetzt und vielfach das Leben aufs Spiel gesetzt. Karan Singh und seine drei Kollegen hätten auch die Todesstrafe erleiden können.

Einer meiner besten Kollegen könnten wir heute auch wieder nach Tschechien zurück schicken. Aber ich denke, dass er nicht dreizehn Jahre warten musste, bis er und seine Familie Schweizer wurden. Und es könnte ja sein, dass wir tatsächlich ein so unmenschliches Recht in der Schweiz haben, dass einige nach dreizehn Jahren ausgewiesen werden müssen. Vielleicht gibt es aber noch die Vernunft.

Sihks

… es würde nicht nur Karan Singh und die drei Komplizen betreffen, die ausgeschafft würden. Mindestens einer von diesen wird mir morgen vermutlich auf Züridütsch zum Geburtstag gratulieren …

Singh

… die Damen sind zwar bei den Sikhs gleich berechtigt, halten sich aber eher im Hintergrund auf. Wer am Sonntag ab 12.00 in Langenthal länger als ich dabei sein kann, soll doch abklären, ob ich das richtige Bild erwischt habe, denn manchmal sehen sie sich mit den Kopfbedeckungen im Tempel doch ähnlich …

Jetzt würde es etwas Mut brauchen, einen Kommentar ab zu geben. Bitte überwinden sie sich doch. Merci.

Text und Fotos: Stephan Marti und Unterstützung des schweizerischen Vorstandes von libref.

Versteuertes Geld – anlegen in der Schweiz auch für Deutsche möglich


Gibt es in der Schweiz wirklich nur Geldanlagen, die dem Fiskus hinter zogen wurden. Garantiert nicht und es gibt auch Deutsche, die ihr versteuertes Geld in der Schweiz bei einer Vermögensverwaltung mit einem ganz anderen Vorteil anlegen …

… denn sie wissen es zu schätzen, dass wir für Ausländer auf den Mandatskosten keine Mehrwertsteuer verlangen müssen. Und dort wo auch sie Mehrwertsteuern bezahlen müssen, betragen diese maximal 7,6%. Ein Vorteil, nicht ein riesen grosser, aber wir haben auch noch andere. Es gibt sie, die Vermögensverwalter, die seriös arbeiten, die auch letztes Jahr eine schöne Performance hatten, die nicht zur Abzockergilde gehören. Aber zugegeben, sie sind nicht immer einfach zu finden und meistens sind es nicht diejenigen, die Unsummen für Werbung zur Verfügung haben – irgend jemand muss ja diese Werbung finanzieren – und es ist ausnahmslos immer der Kunde.

Hier erleben sie ja auch Werbung – sie kostet CHF 250.– pro Jahr – und etwas Zeitaufwand. Der ist nicht verloren, denn hier habe ich mein Archiv, ich überlege mir jeden Tag, was ich mir wie und wie intensiv überlegen kann – schreiben ist fast ein Abfallprodukt. Das geht sehr schnell und deshalb wieder mal eine globale Entschuldigung für Rechtschreibe- und Grammatik-Fehler … oder heisst es Rechtschreibungs-Fehler … und schauen sie sich doch in dieser Beziehung beim unten stehenden Link mal die Überschrift an. Der könnte fast von mich sein.

Wichtig sind im Finanzgeschäft doch ganz andere Gedanken. Bei unversteuerten Geldern zum Beispiel kommen die unangenehmen Situationen immer einmal – es ist nur eine Frage der Zeit. Steuern zahlen muss man, obschon man es nicht gern macht. Und ob es der Grosse oder der Kleine macht, irgendwo fehlen die Steuereinnahmen und der Unschuldige muss dafür bluten. So gesehen, braucht man mit denen aus Lichtenstein oder der Schweiz kein grosses Mitleid zu haben.

Wenn man so ein kleines Schnellrechnen durchführt, dürfte man feststellen, dass bis heute nur eine kleine Spitze eines Eisberges festgestellt wurde. Licht in Liechtenstein hinein bringen wird nicht so einfach sein. Vielleicht wäre es einfacher, man würde an einigen Orten die Steuern senken und entsprechende Steueramnestien so ausarbeiten, dass die Vermögen in grossem Mass gemeldet werden. Freiwillig melden meine ich, nicht durch Spionage oder Verrat des Geschäftsgeheimnisses und dafür eine «Erfolgsbeteiligung» erhalten …

… und bitte, die gute Seite einer Stiftung nicht ganz vergessen. Mit ihr ist es durchaus möglich und es kann sogar legal und entsprechend versteuert sein, um Vermögen ethisch fair aufteilen zu können. Aber zugegeben, dass dürfte wohl die Ausnahme sein. Übrigens, die Ausbildung in der Schweiz ist im Vergleich zu andern Ländern von einer gewissen Position an eigentlich sehr gut – auch im Stiftungsrechts, bei Trusts … meine Schulunterlagen habe ich einem befreundeten Banklehrling geschenkt. Behalten habe ich nur die Ordner «Chart-Technik» und «Offshore», denn in letzterem sind auch die offiziellen und vor allem legalen Steuersparmethoden dokumentiert …

Vor einem Jahr erschienen: Wie weiter mit Börse, Abfall …

Vor zwei Jahren erschienen: Fasnacht – Fieber und Messlatte

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«Adventskalender mit 27 Fenstern»


Mit echten 27 Fenstern ist der Adventskalender von swissblogpress abgeschlossen – wir danken allen, die mitgeholfen und mitgelesen haben. Beim Thema «moderne Kommunikation» und bei «erneuerbare Energie und Energieeffizienz» werden neue Erkenntnisse kommen, aber ich denke, ich weiss wohin der politische Trend gehen dürfte. Es geht um sehr viel Geld, aber einige Probleme sind immer noch nicht gelöst …

… so ist nicht klar, ab sie die Nussschalen, die der Weihnachtsmann gebracht hat, im Cheminée verbrennen dürfen, weil diese keine drei Jahre trocken gelagert wurden. Und Energiesparlampen können wir immer noch keine kaufen, wenn es um die Backofenbeleuchtung oder die Kühlschrankbeleuchtung geht. Osram Schweiz sucht seit drei Monaten den Fehler und den Staatsmann Leuenberger konnten wir für ein Interview gewinnen. Im gleichen Beitrag kommt Muslim Yahya aus Pakistan zu Wort – ein Erzähler besonderer Gnade. Am 22. Dezember sind in der Bernerzeitung zwei Artikel erschienen, die wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion wieder geben dürfen. Der zweite, Pfarrer Kurt Marti – «Ich weiss nicht, was Gott vorhat» – stammt namensmässig nicht nur vom Kriegsgott Mars sondern auch vom Gott der Vegetation und des Frühlings ab. Ein echt erspriessender Beitrag. Der Name ist nur zufälliger weise gleich und das Personalblog stellt gleich noch eine Analyse meines Vornamens ins Netz. Ich wünsche Euch eine besinnliche Nachweihnachtszeit.

«Mein Glück im Land am Abgrund»

Der Schweizer Muslim Yahya Hassan Bajwa verbringt Weihnachten in seinem Heimatland Pakistan. Er erfährt zwischen der verschonten Schweiz und dem fragilen Leben im asiatischen Staat eine besondere Magie.

«Wer ich bin, wollen Sie wissen? Gute Frage! Ich bin seit 7000 Jahren Inder, seit 60 Jahren Pakistaner, seit 23 Jahren Schweizer. So verwandelt die kulturelle und historische Entwicklung unsere Wurzeln. Ich bin vor 47 Jahren auf indischem Boden zur Welt gekommen, der allerdings seit 1947, als Britisch-Indien zur Republik Pakistan wurde, pakistanisch ist. Als ich zweijährig war, kam ich mit meinen Eltern in die Schweiz. Seit 1984 bin ich auch Schweizer Staatsbürger.

Mein Vater war der erste Imam der ersten Moschee in der Schweiz. Die Ahmadiyya-Moschee in Zürich wurde das Heim meiner Kindheit. Ich erlebte einen Islam ohne Berührungsängste und Abgrenzung. In der Moschee meines Vaters sah ich Christen beten, und manchmal sass einer im Schneidersitz auf dem Boden. Später, als ich mehr über Religionen wusste, wurde mir klar, dass das Buddhisten waren, die in der Moschee meditierten. Sie war ein offenes Haus der Religionen.

Von Illusion zu Vision

Ich war 14 und studierte am internationalen Institut Montana auf dem Zugerberg, als ich auf einem Papier festhielt, was ich werden wollte: Ich will mich für die ärmsten Menschen dieser Welt einsetzen, schrieb ich voller jugendlicher Illusionen auf das Blatt. Aber der Satz wurde zur Vision für mein Leben. Heute tue ich genau das. 2001 gründete ich den Verein «LivingEducation», und seither baue ich mit eigenem und dem Geld von Spenden in Pakistan verschiedene Hilfsprojekte auf – ein Mädchen- und Knabeninternat, Kindergärten, Computerschulen, Frauen-Beratungsstellen, Gesundheitsprojekte.

Mein Leben besteht aus Pendeln zwischen der verschonten Welt in der Schweiz, wo ich als Dozent und Dolmetscher arbeite, und der fragilen Realität von Pakistan, das seit 30 Jahren von Diktatur und islamischem Fundamentalismus geprägt ist. Ich verbringe je etwa die Hälfte des Jahres in der Schweiz und in Pakistan. Im Moment befinde ich mich in der kleinen Vorstadt Bhara Khau etwa 30 Minuten von Islamabad entfernt.

Weihnachten verbringe ich in Pakistan. In meinem Dorf Paran, in der Nähe von Faisalabad, wo ich Bürgermeister bin, leben auch christliche Familien, die natürlich Weihnachten zelebrieren – genau wie die anderen christlichen Feiertage sowie die Sonntagsgottesdienste. Mit den Freiwilligen aus der Schweiz, die in meinen Projekten arbeiten, besuche ich meistens die Kirche, und immer kommt die christliche Gemeinde dann spontan zusammen. Man liest auf Urdu einen Psalm aus der Bibel oder spricht gemeinsam ein Gebet. Die Pakistani staunen aber oft, wie wenig die Besucher aus der Schweiz über das Christentum wissen.

Ausnahmezustand?

Selbstverständlich werde ich in Pakistan auch die Wahlen genau beobachten, die am 8.Januar stattfinden. In der Schweiz wird Pakistan als Land im latenten Ausnahmezustand wahrgenommen, als Land auch, in dem man als Westler und Christ an Leib und Leben gefährdet ist. Ich muss sagen: Ich war im November in Pakistan, als Staatspräsident Pervez Musharraf den Ausnahmezustand verhängt hatte. Davon erfahren habe ich in unserem Dorf allerdings nur, weil ich im Internet Zeitung las.

Ausserhalb der grossen Städte ist im Alltag von den weltpolitischen Spannungen, die der Atomstaat Pakistan, im Würgegriff der Islamisten, verursacht, nichts zu spüren. Die Schwierigkeiten des Alltags haben mit Bush und Bin Laden wenig zu tun. Schon eher mit der schwankenden Elektrizitätsversorgung: Ich habe auch in Pakistan Internetanschluss und kann mit der Aussenwelt kommunizieren und Geschäfte abwickeln. Wenn nicht gerade für ein paar Stunden der Strom ausfällt.

Weil ich Urdu und Hindi spreche, bewege ich mich in ganz Pakistan sehr frei. Ich war auch schon in der nordöstlichen Gegend von Waziristan unterwegs, an der Grenze zu Afghanistan, eine No-go-Area, weil dort die Kämpfer der Taliban und von Al-Kaida das Sagen haben. Gut, ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, aber ich musste hin, weil Christen, die dort leben, meinen Rat brauchten. Passiert ist mir gar nichts. Man muss einfach sehen: Die existenzielle Sicherheit ist in einem Land wie Pakistan auf viel tieferem Niveau garantiert. Man könnte es, sehr salopp, so formulieren: In der Schweiz debattiert man über die Sterbehilfe, in Pakistan über die Überlebensstrategie. So gesehen kann man, im Vergleich zum Leben in der Schweiz, den Alltag in Pakistan durchaus als permanenten Ausnahmezustand empfinden.

Die Macht der Islamisten

Natürlich sind die islamischen Schulen auf dem Land und in den Städten sehr präsent – aber nicht ausschliesslich als die politischen Dämonen, als die man sie im Westen sieht. Sie sind oft die Einzigen, die etwas für die Bevölkerung tun, den Leuten so etwas wie Bildung verschaffen. Das öffentliche Schulsystem ist praktisch unbrauchbar, Religionsschulen sind für die meisten Jugendlichen der einzige Zugang zur Bildung. Fast die Hälfte der Pakistaner kann weder lesen noch schreiben, bei den Frauen sind es fast 70 Prozent.

Die Leute verstehen nicht, was im Koran steht, sie sind darauf angewiesen, dass ihnen der lokale Imam das erzählt. Und oft sind auch die religiösen Führer in Landgemeinden der arabischen Sprache nur knapp mächtig und auf Ranghöhere angewiesen. So ist dem Religionsmissbrauch Tür und Tor geöffnet. Die Macht der Islamisten fusst nicht auf USA-Hass, sondern auf fehlender Bildung.

Für ein Land, in dem Islamisten immer mehr das Sagen haben, ist der leichte und deshalb verpönte amerikanische Lebensstil aber in den Städten erstaunlich präsent. In Lahore gibt es inzwischen neun Mc-Donald’s-Filialen, original Levis-Jeans-Shops und ein Geschäft, das Porsche-Wagen anbietet. Die Preise in diesen Läden sind aber so hoch wie in der Schweiz, die begehrten ausländischen Markenprodukte nur für die absoluten Eliten erschwinglich.

Da dringt die Heuchelei an die Oberfläche, die vieles im öffentlichen Leben von Pakistan prägt und lähmt: Religiöse Führer beschwören die strenge Einhaltung muslimischer Religiosität, schicken aber die eigenen Kinder auf amerikanische Eliteschulen, die Kinder der Armen hingegen in den Heiligen Krieg. Die religiösen und säkularen Eliten wollen nicht auslöffeln, was sie in ihrem Land anrichten.

Wahlen als Farce

So gesehen betrachte ich auch die Wahlen, die in den nächsten Wochen im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen, weit gehend als Farce. Benazir Bhutto, Nawaz Sharif und Pervez Musharraf sind die drei wichtigsten Figuren, die zur Auswahl stehen, und alle stehen unter Korruptionsverdacht. Abgesehen davon ist klar, dass nur pakistanischer Präsident werden kann, wer den Segen von Washington hat.

Nach dem Sturz von Zulfikar Ali Bhutto 1977 baute Zia ul Haq Pakistan zum islamistischen Staat um – mit dem Plazet der USA. Sie sahen in den Fundamentalisten ein Bollwerk gegen den Kommunismus auf dem indischen Subkontinent. Heute führen die USA gegen die Kräfte, die sie damals entfesselt haben, den Krieg gegen den Terror. In dieser Mangel der Weltpolitik wird seit 30 Jahren die Zukunft der Pakistanerinnen Pakistaner zerrieben.

Realitäten im Atomstaat

Nun, wenn ich genauer hinschaue, sehe ich schon, dass sich Dinge bewegen. Indien und Pakistan sind ja Nachbarn, die grimmig Atomwaffen aufeinander gerichtet haben. Aber im Innern, im Punjab etwa, der durch die Landesgrenze geteilt wird, läuft im Alltag ein reger Grenzverkehr. Das indische Wirtschaftswunder, das weltweit gefeiert wird, entgeht den Pakistani nicht. In kleinen Schritten wächst ein Bewusstsein heran bei den Menschen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Und nicht dem nächstbesten Mullah zu überlassen.

Vielleicht tragen auch unsere Projekte einen Mosaikstein dazu bei. Natürlich stiess ich in meinem Dorf Paran auf grosse Skepsis, als wir ein Internat für Mädchen einrichteten, wo sie einen höheren Schulabschluss machen können und von Freiwilligen aus der Schweiz unterrichtet werden. Ein mehrfaches Sakrileg für gläubige Muslime! Aber wir hielten durch, zeigten, dass auch die Männer davon profitieren, wenn die Frauen gebildeter und glücklicher sind – und Gott im Himmel nichts dagegen einzuwenden hat. Inzwischen wird unsere Arbeit weitherum in Pakistan anerkannt, und wir bauen beispielsweise in mehreren Landesteilen Kindergärten und Gesundheitsprojekte auf.

Waffenlieferant Schweiz

Ich bin stolz darauf, dass auf dem christlichen Gebetsraum in meinem Dorf Paran weit herum sichtbare Kreuze stehen. Die religiöse Toleranz ist so sichtbar und selbstverständlich. In der Debatte um die Minarette könnte sich die Schweiz ein pakistanisches Vorbild nehmen. Zweifellos hilft mir der solide Ruf der Schweiz in meinen Projekten. In Pakistan ist die Schweiz das Land des Friedens und der Neutralität, dem man vertrauen kann. Dass die Schweiz der pakistanischen Regierung Panzer liefert, ist dort wenig bekannt.

Ich sage Ihnen, wenn man in Pakistan lebt, klappt vieles nicht so, wie man das geplant hat. Und schon gar nicht so schnell, wie man will, und oft glaubt man, es gehe überhaupt nicht. Und dann gelingt doch Unmögliches. Das ist vielleicht die Magie des pakistanischen Alltags, und sie zeigt mir: Es gibt Sachen, die muss man einfach versuchen in seinem Leben.

Ich bin glücklich, das tun zu dürfen.»

Aufgezeichnet: Jürg Steiner Der Autor: Jürg Steiner (juerg.steiner at bernerzeitung.ch) ist «Zeitpunkt»-Redaktor.

Hier noch das pdf-File (gleiches Fenster) mit den Fotos – heute von der BernerZeitung erhlaten. Besten Dank

«LivingEducation»; Bahnhofstrasse 7, 5400 Baden. www.livingeducation.org. – PC 60-223344-6

«Ich weiss nicht, was Gott vorhat»

Der frühere Nydeggkirchen-Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti blickt zurück auf 86 Jahre Leben und voraus auf das, was ihm noch bleibt. Ein Gespräch über Weihnachten, die rasende Zeit, Blocher und AKWs, Junge und Alte, das Sterben und was danach folgt.

1. Weihnachten

Herr Marti, was fällt Ihnen zu Weihnachten ein?

Kurt Marti: Jemand hat mir erzählt, er habe im Internet Sprüche zu Weihnachten gesucht. Da sei ein Satz von mir erschienen: «Die wahre Weihnacht ist nicht die Ware Weihnacht». Ich weiss gar nicht mehr, wo und wann ich das geschrieben habe. Jetzt steht es einfach im Internet.

Freuen Sie sich auf Weihnachten?

Nicht besonders. Für mich als Christ ist Ostern viel wichtiger. Weihnachten ist ein relativ junges Fest in der Geschichte der Christenheit. Aber Ostern war von Anfang an das grosse Fest, an dem man die Auferstehung von Christus feiert.

Was sollten wir an Weihnachten feiern?

Gott wird Mensch an Weihnachten. Gott ist also nicht irgendwie abgehoben, sondern kümmert sich um sein Geschöpf Mensch. Ich habe den Inhalt von Weihnachten immer so verstanden: Der Mensch ist das gefährdetste und experimentellste Geschöpf Gottes. Dieses Experiment droht immer leicht schief herauszukommen. Deshalb ist Gott Mensch geworden. Das ist nicht einfach eine Auszeichnung, sondern eine Art Hilfsaktion von Gott, den Menschen und dadurch die Welt zu retten.

Hat der Mensch solche Hilfe derzeit besonders nötig?

Er hatte es offenbar schon vor 2000 Jahren nötig. Heute kommt verschärfend hinzu, dass der Mensch die erschreckende Fähigkeit hat, die Welt kaputt zu machen. Vielleicht hat der Mensch deshalb Beistand nötiger denn je, damit seine Erkenntnis wachse.

Sie sind skeptisch, ob diese Erkenntnis wächst?

Ich weiss es nicht. Ich bin nicht im Vorzimmer des lieben Gottes. Ich weiss nicht, was er vorhat.

Hat Gott nach christlicher Auffassung überhaupt etwas Bestimmtes vor?

Wenn man von der Bibel ausgeht, ja. Jesus hat das kommende Reich verkündet, und das heisst: eine neue Welt, die nicht zerstörerisch ist, sondern lebt von Gerechtigkeit, Solidarität und Liebe. Das ist, glaube ich, das Projekt Gottes.

2. Bilanz

Hat Gott auch mit jedem Einzelnen etwas vor? Mit Ihnen?

Das kann man nicht wissen. Ich bin alt. Was Gott mit mir vorgehabt hat, ist jetzt passiert. Ich habe als Mensch, als Pfarrer und als Theologe ein erfülltes Leben gehabt. Und ich habe probiert, etwas zu realisieren von dieser Liebe und Solidarität.

Ist es gelungen?

In meiner Ehe ist es glücklicherweise gelungen. Meine verstorbene Frau und ich haben ein erfülltes Zusammenleben gehabt, es war auch sexuell erfüllt. Und darüber hinaus, als Christ und Pfarrer? Es gelingt nie ganz. Ich habe das Gefühl, nicht ganz umsonst gelebt zu haben. Im Grossen und Ganzen ist es besser gelungen, als ich das im Voraus gedacht und gewünscht habe.

Spüren Sie eine Zufriedenheit?

Vor allem eine Dankbarkeit.

Wofür?

Dass es mir möglich war, unter guten Bedingungen zu leben. Stellen Sie sich vor, was in der Welt ringsum die Schweiz alles passiert ist. Was da ganz anders hätte laufen können. Aber wir sind verschont geblieben. Ich wurde 1921 geboren. Ich habe eine richtige Kindheit gehabt. Ich musste erst mit sieben zur Schule, kein Kindergarten, keine Früheinschulung. Trotz Krieg und Hitler hatte ich noch eine Jugend. Für diese glücklichen Umstände kann ich nichts. Aber ich bin dafür dankbar.

Kennen Sie dennoch das Gefühl, etwas verpasst zu haben?

Als ich jung war, hatte man viel weniger Möglichkeiten. Die vielen Möglichkeiten, die man heute hat, irritieren vor allem auch. Ich bin froh, dass ich heute nicht mehr jung bin. Meine Enkelkinder haben es schwieriger, bis sie ihren Weg gefunden haben. Ganz einfach hatten wir es auch nicht. Aber die Welt war übersichtlicher. Was es heute alles für Berufe gibt, das ist ja wahnsinnig. Die Auswahl war kleiner, insofern leichter.

Grosse Auswahl ist doch auch ein Vorteil?

Junge sind heute vielem ausgesetzt: den Medien, dem Fernsehen, dem Internet. Deshalb können sie über vieles mitreden. Es ist aber häufig ein Reden ohne wirklichen Erfahrungshintergrund. Was man nicht weiss, kann man schnell im Internet nachschauen. Ich denke da auch an die Geschichten sexueller Übergriffe im Umfeld des FC Thun etwa, in Zürich-Seebach.

Was denken Sie darüber?

Dass das auch eine Folge oberflächlicher Informiertheit ist. Die Jungen werden zwar heute früher reif, als wir es wurden, aber irgendwie zu früh, so dass sie die Sexualität noch kaum bewältigen können. Dann kann es zu solchen Geschichten kommen. Allerdings: Wir waren früher auch keine Engel. Aber die soziale Kontrolle hat besser funktioniert. Das hat Nach-, aber auch Vorteile. Die soziale Kontrolle war auch eine Hilfe. Man war enger gehalten, hatte aber Leitplanken. Überhaupt war der Respekt vor den Älteren und ihrer Erfahrung früher grösser.

3. Alt und Jung

Interessieren sich Junge heute noch für Ihre Lebenserfahrung?

Es passiert hie und da noch, dass Jüngere auf mich zukommen,

wegen meiner Schriftstellerarbeit. Es ist allerdings schwierig, ihnen zu raten. Ich habe ja nicht den gleichen Erfahrungs- und Erlebnishintergrund wie sie. Es hat mir immer ein wenig widerstanden, Ratschläge zu geben, Berater zu sein. Ich hätte mich nicht geeignet als Eheberater. Es gibt ja Pfarrer und Psychologen, die Eheberatung machen. Ich konnte eigentlich nur sagen: Ich habe Glück gehabt in der Ehe. Das ist aber kein Rezept und keine Hilfe für andere.

Können die Jungen die reiche Erfahrung der Alten am Ende gar nicht brauchen?

Vielleicht. Es geht alles immer schneller. Ich habe das bei den eigenen Kindern gesehen. Als sie 30-jährig waren, hatten sie kaum mehr Kontakt zu den 20-Jährigen.

4. Internet

Das Lebenstempo hat zugenommen?

Und wie. Unter anderem durch die modernen Kommunikationsmittel hat sich vieles verschnellert. Durch Computer, Internet, E-Mail. Ich besitze das alles nicht. Ich bin abgehängt von dieser ganzen Entwicklung.

Sie sagen das mit einem Lächeln.

Ja. Mir ist das gleichgültig. Für andere mag es lästig sein, wenn sie mich nicht erreichen. Meine Kinder haben diese Kommunikationsmittel natürlich.

Sie reden dennoch irgendwie fasziniert vom Internet.

Ich höre, was da Seltsames oder weniger Seltsames über mich im Internet steht. Ich weiss gar nicht, wie das funktioniert und wer das einspeist. Ich komme beim Internet einfach nicht nach. Aber habe nicht das Gefühl, ich müsste das jetzt noch in mein Leben integrieren.

Zum Internet gehört die Vorstellung, dass man zu einer Weltdemokratie vernetzt werde. Spricht Sie das nicht an?

Ich habe immer versucht, unabhängig zu bleiben. Zum Beispiel unabhängig vom Strom. Ich habe bis vor kurzem mit Klinge und Schaum rasiert. Ich war das gewöhnt vom Aktivdienst her, wo man nicht damit rechnen konnte, dass es überall einen elektrischen Anschluss gibt. Ich kann auf meiner mechanischen Schreibmaschine weiterschreiben, wenn die grosse Stromlücke kommen würde. Es ist vielleicht ein illusorisches Gefühl, unabhängig zu sein. Aber es stört mich nicht, dass ich von keinem Netz abhänge und so ein Stück weit autonom bin.

5. Fussball und Kirche

Verstehen Sie als Abgehängter die Welt von heute noch?

Wer versteht denn die Welt noch? Vieles verstehe ich tatsächlich nicht mehr. Es fällt mir gerade ein Beispiel ein. Jetzt haben doch der Kirchenbund und die Bischofskonferenz die geniale Idee gehabt, sich an die Fussball-Europameisterschaft anzuhängen. Das Motto «Die Kirche seit 2008 Jahren am Ball» ist schlicht ein Blödsinn. Es beginnt schon damit, dass dieses Motto gar nicht stimmt. Die Kirche gibt es nicht seit 2008 Jahren. Sie ist erst nach dem Tod von Jesus entstanden.

Die Gemeinde der Fussballfans ist schon selber eine Kirche, da braucht es nicht noch die Landeskirche?

So ungefähr. Gab es vor 2008 Jahren überhaupt schon Bälle? Sicher nicht Fussbälle. «Am Ball sein», das ist für mich eine Anbiederung. Die Kirche soll die Euro geschehen lassen, wie sie ist. Ohne die irrige Hoffnung, mit Grossleinwänden Gläubige zu gewinnen. Die Kirche ist nicht dafür da, den aktuellen Zeitgeist zu befriedigen. Sie hat einen Auftrag und eine Botschaft, unabhängig vom Zeitgeist. Es ist eine Botschaft, die in eine jeweilige Zeit hineingerichtet ist. Aber es geht nicht um Anpassung an eine Zeit.

«2008 Jahre am Ball» ist ein Werbespruch, den man nicht ganz für voll nehmen muss.

Ich halte es dennoch für eine Anbiederung. Heute werden viele Geschichten durch die grössere Verbreitung und die Multiplizierbarkeit so penetrant, dass es für mich aufdringlich wirkt.

6. Politik

Gilt das auch für die Politik? Verfolgen Sie sie noch?

Ja, Politik beschäftigt und ärgert mich weiterhin. Solange man sich ärgert, lebt man noch. Ich stimme immer ab. Aber ich verliere meistens.

Was denken Sie über den Ausgang der jüngsten Wahlen?

Ich bin besorgt über den Populismus der nationalkonservativen SVP. Ich muss aber auch lachen, wenn ich im Fernsehen sehe, wie Christoph Blocher mit den Armen in der Luft herumrudert. Er ist eine Art Clown, Ueli Maurer sein Clownpartner. Sie spielen eine Komödie. Ich bin im Grunde genommen ein konservativer Mensch, aber auf eine etwas andere Art als die SVP. Ich möchte andere Werte erhalten als sie. Die Nationalkonservativen finden, nationales Recht breche Völker- und Menschenrecht. Das ist eine fatale Haltung inmitten einer Welt, in der Völker- und Menschenrechte immer wieder verletzt werden.

Sehen Sie beim nun abgewählten Christoph Blocher auch Fähigkeiten? Er trifft offenbar den Nerv vieler.

Er trifft den Nerv nationaler Nostalgiker und derer, die Angst haben vor der Globalisierung. Natürlich kann er etwas. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer. Nur kann man einen Staat nicht auf die gleiche Art managen, wie das ein Firmenchef tut. Eine Firma ist ja keine Demokratie. Blocher ist eine merkwürdige Figur: einerseits weltweit tätiger Unternehmer, andererseits nationalistischer Polterer. Jetzt kann ich ihm nur empfehlen, in Ruhe seine Memoiren zu schreiben. Es verwundert mich übrigens, dass niemand Blochers Verhältnis zur Apartheid in Südafrika untersucht hat. Er war ja ein Verteidiger dieses Unrechtsregimes, das die schwarze Mehrheit unterdrückte.

Interessiert man sich nicht mehr für die jüngere Vergangenheit?

Das Gedächtnis wird vielleicht als Folge der Verschnellerung und Vielfalt der Informationen kurzfristiger. Immer nähere Vergangenheit wird immer schneller vergessen.

7. Atomkraft

Lässt Ihr Interesse an der Zukunft nach?

Das Interesse an meiner individuellen Zukunft lässt nach. Ich lebe von Woche zu Woche. Um die Zukunft der Welt mache ich mir aber schon Sorgen. Was wir mit der Welt anstellen, wie wir die Natur zerstören, ist verrückt. Ich sehe die Zukunft eher apokalyptisch. Immerhin scheint man nun die Klimaproblematik ernstnehmen zu wollen. Aber das in Taten umzusetzen, ist ungeheuer schwer. Man traut sich ja kaum, den Autoverkehr einzuschränken. Jetzt stehen wir vor dem Dilemma, dass man zur CO2-Reduktion wieder Atomkraftwerke bauen will. Nun war ich schon immer gegen AKWs und bin noch heute der Meinung, dass wir auf einer Zeitbombe sitzen. Wir wissen, was ein Unfall, etwa im nahen Mühleberg, bedeuten würde.

Was für eine Alternative zu neuen Atomkraftwerken schlagen Sie vor?

Ich will nicht von der Zuschauertribüne herunter alles besser wissen. Und es stimmt, dass es auch mit unserer Energiesparbereitschaft nicht sehr weit her ist. Deshalb kommen wir vielleicht wieder auf meine mechanische Schreibmaschine zurück.

Hatten Sie ein Auto?

Ich brauchte keins. Ich konnte alles mit dem Velo erreichen.

Wann sind Sie zum letzten Mal Velo gefahren?

Das weiss ich gar nicht. Vor 20 Jahren vielleicht?

8. Sterben

Realisierten Sie das bewusst als Abschied von einer gewissen Bewegungsfreiheit?

Von gewissen Dingen nimmt man schon bewusst Abschied, weil man Angst bekommt, keine Kraft mehr hat. Dieses ständige Abschiednehmen gehört zum Älterwerden. Und es ist gar nicht mit viel Wehmut verbunden.

Nicht?

Ach, das ist ja alles nichts gegen den Abschied von meiner Frau, die vor zwei Monaten gestorben ist. Das ist schlimm, das ist hart. Wenn man 58 Jahre zusammen gelebt hat und einer plötzlich nicht mehr da ist. Sie ist hier in diesem Zimmer, in dem ich jetzt wohne, krank gewesen und am 17. Oktober gestorben. Ich war in ihrer Nähe, bis zuletzt.

Wie nimmt man von der allernächsten Person Abschied?

Der Abschied begann schon damit, dass wir beide eine Patientenverfügung hatten, die festhält, dass wir beide keine lebensverlängernden Massnahmen wollen. Ich sage dem: sterbensverlängernde Massnahmen. Ich habe meine Frau beim Sterben begleitet. Mit dem Rollstuhl, der dort an der Wand steht, konnten wir zuerst noch in der Elfenau spazieren. Dann ging auch das nicht mehr, und sie wurde bettlägerig. Weil ich immer bei ihr war, konnte ich mit ihr reden, solange sie reden konnte. Ich habe dann auch mit ihr geredet, als sie nicht mehr reden konnte. Am Schluss ging es ziemlich rasch. Zuerst konnte sie nicht mehr reden, dann nicht mehr essen, dann nicht mehr trinken und schlucken. Ich sah: Diese Flamme erlöscht nun. Ihr Todestag war eigentlich schön.

Warum?

Der Sohn aus Zürich kam am späten Nachmittag und sagte Lebewohl. Bei einem anderen Sohn spielte die Weltgeschichte in die persönliche Geschichte rein. Er war in Frankreich in den Ferien, und er hörte, dass ein Bahnstreik angekündigt wurde. Er traf verfrüht in Bern ein und kam direkt hierher. Es war, als ob meine Frau mit dem Sterben noch gewartet hätte. Eine Viertelstunde später ist sie gestorben. Wir alle waren bei ihr. Und während sie starb, war draussen vor diesem Fenster ein prachtvoller Sonnenuntergang.

Der Schriftsteller Elias Canetti hatte einen Zorn auf den Tod und nannte ihn den grössten Feind der Menschen. Haben Sie diesen Zorn auch?

Das steht sogar in der Bibel: Der Tod ist der letzte Feind, der besiegt werden muss. Ich spürte keinen Zorn auf den Tod meiner Frau. Für sie war es eine Erlösung. Sie war so krank und hilflos. Es ist ja eine wahnsinnige Demütigung, was man da über sich ergehen lassen muss. Der französische Präsident Charles de Gaulles hat gesagt: «Das Alter ist ein Schiffbruch.» So erlebt man es.

Fühlen Sie sich von Ihrer Frau verlassen?

Ja schon. Wir stritten uns vorher ab und zu und sagten uns gegenseitig: Du stirbst dann bitte nicht vor mir. Ich sagte: Eine Frau kommt bekanntlich allein besser zurecht als ein Mann. Das hat sie bestritten. Sie sagte: Du kannst ja wieder heiraten. Da war sie sehr grosszügig.

Und wie kommt der Mann Kurt Marti nun allein zurecht?

Indem ich vorderhand hier versorgt bin, wo ich gesund zu essen bekomme. Ich lebe jetzt in einem Provisorium. Ich bin nirgendwo richtig zuhause, weder hier noch in meinem Haus, wo meine Frau nicht mehr da ist. Ich weiss noch nicht, wie es weitergeht und was ich bezahlen kann.

9. Hoffnung

Sie sagten, Sie würden von Woche zu Woche leben. Denken Sie noch so: «In fünf Jahren werde ich….?»

Es ist manchmal eine Beruhigung, wenn man sich sagen kann: In fünf Jahren bis du vielleicht gar nicht mehr da.

Haben Sie noch Hoffnung?

Ja. Dass ich noch Kraft habe, solange ich noch da bin. Und dass ich dann sanft und friedlich sterben kann.

Wovor haben Sie noch Angst?

Der Tod ist kein Problem. Man ist dann einfach tot. Aber das Sterben vorher, das macht einem schon Sorgen.

Verdrängt die Angst vor dem Sterben alle anderen Ängste?

Nein, nein. Man kann nicht immer an den Tod denken. Ich habe immer noch Freude an diesem Bisschen Leben, das ich noch habe.

Was bringt Sie heutzutage noch zum Lachen?

Letzthin musste ich lachen über dieses Foto des Jahres mit den Nackten auf dem Aletschgletscher. Die Art dieser Demonstration amüsierte mich.

10. Leben nach dem Tod

Sie sagten, wenn man tot ist, ist man tot. Glauben Sie als Christ und Pfarrer nicht an ein Weiterleben nach dem Tod?

Ich weiss doch nicht, was nachher kommt. Das überlasse ich Gott. Ich gehöre nicht zu denen, die offenbar wissen, was nachher passiert. Ich hatte ein so erfülltes Leben, dass ich es nicht nötig habe, mir da noch etwas auszumalen. Ich warte, ob da was ist oder ob da nichts ist. So oder so, ich vertraue darauf, dass es von Gott gewollt und deshalb gut sein wird. Ich weiss ja auch gar nicht, wie das ist, wenn alles aufhört.

Möchten Sie es denn wissen?

Diese Frage beschäftigt mich nicht heftig. Auch nicht als Christ. Der biblische Glaube orientiert sich nicht an einem Leben nach dem Tod. Das tun andere Religionen wie der Hinduismus. Im neuen Testament gibt es ein paar Auferweckungen vom Tod. Aber auffällig ist, dass die Auferweckten und auch der auferstandene Jesus kein Wort erzählen über das so genannte Jenseits. Es gibt nur ein grosses Schweigen über den Tod.

Was halten Sie von der Sterbeforschung?

Da geht es doch bloss um Vortodeserfahrungen. Meine Frau war nach einer Herzoperation nah am Tod. Sie erzählte, sie habe ein Licht gesehen, habe aber nicht gewusst, dass sie nah am Tod sei. Soll man dieses Licht jetzt schon als das Licht des Jenseits bezeichnen? Das ist einfach vorschnell. Jesus schickte nach seiner Auferstehung die Jünger mit irdischen Aufträgen nach Jerusalem. Das ist die Perspektive der Bibel. Nicht der Blick ins Jenseits. Ich nehme an, dass Gott nach dem Tod etwas macht. Vielleicht etwas ganz anderes, als wir uns das vorstellen können.

11.Schreiben und Lesen

Wir reden vom Verstummen. Schreiben Sie noch?

Es ist noch ein Buch von mir in der Pipeline des Nagel&Kimche-Verlags, das im nächsten Sommer erscheinen soll. Es ist ein Stück Memoiren über meine Jahre 1928 bis 1948, die ich in dritter Person schreibe. 1928 kam ich in die erste Klasse, 1948 wurde ich zum Pfarrer ordiniert, und dazwischen lag eine verrückte Zeit. Das Buch heisst «Ein Topf voll Zeit».

Sie schreiben noch und bestätigen also den Satz, dass man als Schriftsteller nie pensioniert wird?

Ich mache das jetzt einfach noch fertig. Aber am Vorwort laboriere ich enorm herum. Man wird, glaube ich, im Alter selbstkritischer. Unbeschwertheit und Frechheit fehlen einem.

Lesen Sie noch?

Ja. Zur Ablenkung habe ich eine Biografie gelesen über den Schriftsteller Ernst Jünger.

Lesen Sie auch noch Romane?

Nein, das interessiert mich nicht.

Warum nicht?

Ich habe selber genug Leben, was soll ich da mit erzähltem Leben? Meine Frau und ich haben ein anderes Verhältnis entwickelt zur Literatur: Wir haben, auch zum Gedächtnistraining, Gedichte auswendig gelernt. Zum Beispiel das «Abendlied» von Matthias Claudius. Sie kennen es vielleicht: «Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen, am Himmel hell und klar…

… der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget, der weisse Nebel wunderbar.» Aber die anderen Strophen kann ich nicht.

Meiner Frau und mir war das Lied sehr lieb. Damit wir nicht immer nachschlagen mussten, haben wir es auswendig gelernt. Man hat einen Text dann bei sich, er bleibt bei einem, bis zuletzt. Als meine Frau kaum mehr reden konnte, habe ich manchmal das «Abendlied» begonnen, und sie fuhrt fort, so gut sie noch konnte. Sie wusste den Text noch, auch in ihrem Elend. Wir stellten so Kontakt her. Ich schaue öfter, ob ich das «Abendlied» noch auswendig kann.

In meinem Kopf ist ein Durcheinander gelesener Bücher.

Lernen Sie Gedichte auswendig! Gedichte sind kürzer und begleiten einem intensiver als komplizierte Handlungen. Und ich halte mich an kurze Gedichte, weil ich nicht weiss, wie lange ich noch lesen kann. Meine Augen sind krank. Hoffentlich sterbe ich, bevor ich erblinde.

Das ist ein Satz über das Sterben, der sich hart anhört.

Sie sind zu jung, um sich jetzt schon Sorgen über das Sterben zu machen.

Interview:Stefan von Bergen Der Autor: Stefan von Bergen (stefan. vonbergen at bernerzeitung.ch) ist «Zeitpunkt»-Leiter.

Hier noch das pdf-File 1pdf-File 2pdf-File 3 (jeweils gleiches Fenster) mit den Fotos – die mir heute von der BernerZeitung zur Verfügung gestellt wurden – Besten Dank.

Nydeggkirche bern

… Nydeggkirche Bern …

Einen Schluss Satz aus der Berner Zeitung von heute:

«Sinnvoller wäre es, etwa aus der Kappeler Milchsuppe des 16.Jahrhunderts einen Brauch zu machen. Denn wer gemeinsam isst, vergisst seine Feindseligkeiten schnell. So was hätte die Schweiz nötig.»

Vielleicht gar wie libref. mit der 2. Kappeler Milchsuppe. Über Pasqual Couchepin, der diesen Satz sagte, handelt der erste Blogbeitrag von libref.

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Zusammenstellung, Fotos und Koordination: Stephan MartiFinanzblog