Ökologische Bericht-Erstattung …


In der Art der ökologischen Berichterstattung hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert – aber ihr wird mehr Beachtung geschenkt.

Ein waschechter «Grüner» war ich nie, sondern was viele erstaunen mag, freisinnig, aber nicht am rechten Ende, sondern politisch gesehen ziemlich genau in der Mitte. Und weil ich auf diesen Planquadraten ganz oben zu finden bin – liberal im Gegensatz zu konservativ – darf es wohl nicht erstaunen, dass ökologische Themen mich seit Jahrzehnten interessieren. Und eben jetzt ziehen in Bern die Grünen und die FDP am gleichen Strick und erst noch in die gleiche Richtung.

Wieso dies? Meiner Meinung ganz einfach – es dreht sich um das liebe Geld. Ökologie wird von den meisten Menschen nur beachtet, wenn es Geld bringt, Gesetzlich verordnet ist (und sonst Geld kostet). Und dann gibt es noch die immer grösser werdende Minderheit, die einsieht, dass die Ökologie auch einer der wichtigsten «Rohstoffe» ist, die wir besitzen. Aus diesem Grunde betrachte ich bei Anlageentscheiden auch die Ökologie. Das Martische-6-Eck berücksichtigt, dass jeder ein anderes Verständnis von Ökologie hat.

Um das Geld und das verschiedenartige Verständnis dreht sich zum Beispiel auch der Ökoinvest von Max Deml. Seit 15 Jahren hat dieser Börsenbrief schätzungsweise um die 3000 verschiedene Titel vorgestellt. Vielleicht die Hälfte davon mit einer Geschäftsführung, welche die Ökologie beachtet. Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber es gibt immer mehr Firmen, die danach leben und handeln. Bis die Ökologie einmal überall ein Standardthema sein wird, wie die Buchhaltung z.B., dürften noch einige Jahrzehnte vergehen. Also braucht es auch in Zukunft noch viel ökologische Berichterstattung.

Geändert hat sich eigentlich nicht viel. Heute weiss man zwar, dass ökologische Titel in mit ihrer Performance meist über dem Index liegen. Das ist im Grunde genommen nichts anderes, als die Risikoentschädigung. Die Risiken in solche Titel ein zu steigen sind meiner Ansicht auch heute noch grösser, als wenn bekannte Börsentitel oder Blue-Chips gekauft werden. Max Deml hat hier Pionierarbeit geleistet, auf dem Gebiet der «grünen Spekulation», wie es ein Leserbriefschreiber bezeichnet. Ganz Unrecht hat er nicht. Es braucht auch heute ein spezifisches Wissen, um auf diesem Gebiet tätig zu sein.

Und Spass daran braucht es auch und vor allem die Überzeugung. Umweltschutz kam eigentlich nur auf, weil es echte Idealisten gegeben hat. Von anderer Seite werden die oft als Fanatiker oder Spinner bezeichnet. Die Welt braucht aber solche Leute. Nehmen wir wieder ein aktuelles Beispiel. Paraquat ist stark umstritten. Eingeatmet sei es hochgiftig, aber es sei unbedenklich, weil es nicht in der entsprechenden Dosierung eingeatmet wird. Es ist erschreckend wie lange es dauert, bis ein schädlicher Stoff vom Markt genommen wird. Greenpeace, World Wildlife fund WWF oder im Fall dieses Herbizides die Erklärung von Bern wurden in der Vergangenheit oft als unwissend, frech, wirtschaftsfeindlich und mediengeil hingestellt. Entschuldigen sie bitte, mir kommt im langfristigen Rückblick kein grosses Thema in den Sinn, wo wir nicht solchen Organisationen den Sieg überlassen müssten. Blei, FCKW, Dioxin … oder vielleicht auch einmal Paraquat von Syngenta, zumindest dem grössten Hersteller. Übrigens, im Land des Konzernsitzes dieses Unternehmens, bei uns in der Schweiz, ist der Einsatz von Paraquat nicht erlaubt. Warum wohl?

Vorwiegend ist es auch heute noch die so genannt «linke Presse», die über solche Themen schreibt. Nur Paraquat ist seit Jahren ein Thema. Bei den 6000 Paar Schuhen war in den Presseunterlagen davon die Sprache. Heute schreiben auch Tageszeitungen darüber. Das war schon 1995 so, nur haben es viele nicht zur Kenntnis genommen. Die Berichterstattung hat nicht geändert. Vielleicht die Anzahl an Artikeln und ganz bestimmt das Bewusstsein der Leser.

Eine dritte Art der Berichterstattung ist die, welche unterdrückt wird. Man will vermeiden, dass über irgend etwas geschrieben wird, wie zum Beispiel mehrtägige Internetunterbrüche wo sich die Swisscom mit andern Anbietern streiten, wer jetzt der Schuldige sei und kompliziert wird es, wenn noch Dritte im spiel sind. Das sind eigentlich Kleinigkeiten, die auch nicht gross interessieren müssen. Und ich hab eh Kabelinternet. Es gibt andere Beispiele.

Wissen sie, wo beinahe die grösste Umweltkatastrophe in der Schweiz hätte stattfinden können? Gemäss eines Kadermitarbeiters hätte die Gewässerverschmutzung schlimmer sein können als bei Schweizerhalle. In Gamsen. Dort werden Explosivstoffe produziert. Der letzte Unfall ereignete sich vor einigen Tagen. Der kam in der Presse. Bei den Unwettern 2000 im Oberwallis hat man dies unterlassen. Es war ja nichts geschehen. Gefährliche Teile der Fabrik wurden vom Wasser knapp nicht weggerissen. Der Sprengstoff scheint in einem solchen Fall weniger ein Problem zu sein, als die gelagerten Rohstoffe, die in die Rhone fliessen könnten. Über die Lonza in Visp hat man geschrieben – die kennt jeder und die sieht man gut. Gamsen kann man vom Velo aus sehen, aber nicht ganz jeder hat das entsprechende Fachwissen, um gezielte Fragen zu stellen – und das eher «so nebenbei», denn sonst fällt es auf und sie erhalten nie eine Antwort.

5 Gedanken zu „Ökologische Bericht-Erstattung …“

  1. … ihr Urteil zu Paraquat können sie direkt hier eingeben. Aber wie gesagt, es braucht etwas Mut. Überwinden sie sich einfach. Auch Aktionäre dürfen, sollten abstimmen …

    Zwischenstand – 15650 …

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