Kultur und Unabhängigkeit


Unabhängig zu sein und zu bleiben bringt Feinde – aber auch ganz gute Freunde und Kunden. Und schön, dass es Tageszeitung gibt – DRS3 ist zur Zeit zuviel des Guten.

Die grössten Abhängigkeiten sind finanzieller und sexueller Art. Bei der Musik kommt manchmal beides vor. The Beatles waren umschwärmt, Michael Jackson lief nach dem gleichen Muster und nun fallen die Fans, vor allem die weiblichen, bei Robbie Williams in Ekstase, göttern diese an und vielleicht erklären sie diese noch für heilig. Radio DRS3 übertreibt und die Zeitungen halten sich in Grenzen. Der unmündige Leser ist bei Weitem kein Einzelfall – der ganz mündige Schreiber der dahinter zu vermuten ist, sieht dies aber richtig. Ein stinknormaler Flegel – bitte Personen und Gegenstände nicht verwechseln.

Geld spielt heute bei Kultur fast immer eine wichtige Rolle und die Sponsoren erwarten Zuschauer – nicht aber die SBB. Vermutlich hatte es dort nicht einmal genügend Gratiszeitungen an Lager, denn im Wankdorf hat es Industriebetriebe und da werden vielleicht auch Mitarbeiter beauftragt, solche gleich stapelweise für die Kantine mit zu nehmen. Zumindest in Langenthal ist dies der Fall – ab acht Uhr finden sie kein einziges Exemplar mehr. Dafür haben wir ja Tageszeitungen und darin blättern wir heute nach Unabhängigkeit zur Kultur. Nicht vergessen, es geht (nicht den Artikelschreibern) immer ums Geld – ob kotiert oder nicht.

Bravo – Liebe, Sex und Peinlichkeit und die hier gleich die Resultate über die Robbi-Mania – ja die Verenglischung, das Denglish ist auch eine Manie. Es gibt Konzerte, da geht man wegen der Sänger hin und es gibt auf der andern Seite Konzerte, da geht man wegen der Musik hin. Diejenigen, die die zweite Art vorziehen sind im Grossen und Ganzen wesentlich unabhängiger auf Einflüsse von Aussen. Im Gegensatz zum Buch, das kaufen die Unabhängigen wegen des Schriftstellers. Und da braucht es vielleicht Mut zu sagen, dass einer gar nicht so Grass daneben ist. In der Wirtschaft waren einige, die ähnliche Vergangenheiten hatten oder noch grassere.

Unabhängig blieb wohl auch immer Polo Hofer – er hat sich wieder gemeldet und bleibt nextdoor. Und wem dies noch zu unabhängig ist, der geht ans Expertengespräch (Eintrag 13.7.) über den Oppenheim-Brunnen. Immer noch nicht überzeugt, dass Kultur manchmal abhängig und manchmal unabhängig ist? Dann schauen sie sich doch «Thank you for smoking» an. Oder gehen sie heute nach Schwarzenburg – übrigens meine Heimatgemeinde – und hören sich Peter Bichsel an.

«Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen

Peter Bichsels erstes Buch enthält 21 kurze, nur wenige Seiten lange Geschichten. Zentrales Thema ist die menschliche Vereinsamung und die Unfähigkeit, sich dem anderen mitzuteilen. Mit der Form der Kurzprosa misstraut Bichsel der Möglichkeit, Zusammenhänge durch Sprache adäquat erfassen zu können.»

Wenn Bichsel einer noch jüngeren Generation angehören würde, hätte er sicher auch seinen eigenen Blog. Zu seiner Würdigung ist anzufügen, dass er oder zumindest das Spielberg-Institut einige Jahre Nachbarn waren – und aus diesem sind doch einige zur bloggenden Zunft übergegangen. Zugegeben, Bichsel wäre der literatischere Genuss …

Kultur und Un/-Abhängigkeit gibt es aber auch in der Industrie. Die Analysten sehen sich umgarnt, wenn sie von der Swatch Group nach Genf in die Cité du Temps eingeladen werden, um die Halbjahreszahlen zu erfahren. Sie sehen, mancher ist irgendwie abhängig und sei es auch nur in der Firmenkultur. Wenn einer 30 Prozent Aktien hat und bestimmt, dann sind 70 Prozent und die Mitarbeiter abhängig.

Und wir Blogger sind wiederum von den Zeitungen und Zeitschriften abhängig, lesen vielleicht auch zu viele von denen, aber glauben auch nicht ganz alles, was dort steht. Das obige Interview ist lieb und nett, aber einige analysieren das anders. Ich habe eben so meine Art und bin manchmal der Erste der Unabhängiges berichtet – die Zeitungen folgen dann auch. Ich war nicht in Genf aber auch schon mal an einer Firmenbesichtigung, wo wir 8 (acht) Analysten waren. So hat fast jeder seine Art abhängig zu bleiben und einige ganz wenige bleiben fast unabhängig. Und danke, dass es noch Zeitungen gibt …

Zeitungen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *