1888 – 125 Jahre Industriegeschichte aus der Nachbarschaft


1888 – 2013: 125 Jahre Villiger Cigarren und Stumpen und vor allem Eindrücke eines feierlichen Abends.

„Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.“ Ob wohl jemand im Jahr als die Villiger Söhne AG gegründet wurde, ahnte, was heute jedes Tabakprodukt „ziert“? „Wir Raucher werden wie im Zoo ausgestellt.“ So der Titel eines Interviews mit Heinrich Villiger, der heuer das 125-jährige Jubiläum seiner Firma feiert. Unser Leben ist risikoreich, gefährlich und steckt um so mehr voller Genuss und von diesen will ich berichten. Wünschen wir unserem Gastgeber, dass sein Unternehmen auch das 250. Jahr erleben möge. Einem der zehn attraktivsten Manager der Schweiz würde man sein Alter nicht geben. Wäre er dreimal so alt, es ergäben exakt 250 Jahre.

Heinrich Villiger und P.J. Dell

Heinrich Villiger mit P.J. Dell – wir freuen uns auf das Country-Alpen-Openair auf der Klewenalp.

Heinrich Villiger und Stephan Marti

Heinrich Villigers Stumpenland in Pfeffikon liegt 6 km Luftlinie von meinem Wohnort Schmiedrued entfernt. Wieso soll ich alles neu ausbrüten, was fachlich Versiertere über das Haus Villiger geschrieben haben. Im Cigar-Wiki und in Aficionados Blog meines Bloggötti und dem von Manuel geführten Cigar Blog. Hintergründiges ist im Finanzblog zu finden und eines der „drei Musketiere“ hat auch schon vom Fiesta de 1888 und der geheimnisvollen Festcigarre berichtet.

Ganz so geheimnisvoll scheint sie mir nicht mehr zu sein. Eher die drei Kopien der wertvollen Zeit-Dokumente, die ich dank Roland Frei, Kurator unseres Webereimuseums, dem heutigen Gastgeber überreichen darf. „Ein Geschenk habe ich auf der ganzen Jubiläumstour nicht erhalten.“ Umso mehr freut es mich, dass ich auf den Onkel von Roland hinweisen kann, der die Gebr. Dätwyler, Schiltwald-Walde in unserer Gemeinde, die Cigarrenfabrikation „Däti Tabake“, geführt hat. 1941 hat dieser in Deutschland für eine halbe Million Schweizer Franken Tabake eingekauft. Wie sich in den folgenden Kriegsjahren erweisen sollte, ein guter Schachzug. Das nur so ein kleines „Müsterchen“ – die beiden historisch sehr interessierten Villiger und Frei müssten mal ein längeres Telefonat führen und zusammen im gegenseitigen Fundus wühlen.

Dätwyler Cigarren Schiltwald-Walde

Cigarren Fabrik L. Villiger />
Louise Villiger, die Grossmutter von Heinrich Villiger, hat die Cigarrenfabrik L. Villiger geführt. 1912 …

Zigarren-Fabrik Villiger 1918

… mit „C“ geschrieben und 1918 mit „Z“. Diese drei Dokumente sind in Originalgrösse hinterlegt, um all die schönen Feinheiten zu sehen (Bilder mit rechter Maustaste in separatem Tab öffnen).

Die Organisatorin des heutigen Abends wollte im Vorfeld wissen, ob es fürs Fest „Platzierungswünsche“ gäbe. Ich hatte keine, steigern könne sie nicht. „Aber mithalten kann ich.“ Herzlichen Dank Frau Dolpp – es war ein herrlicher Abend am Tisch 1.

Diskussion

Die Tischnachbarn zu meiner Linken scheinen sich köstlich zu unterhalten. Cigarren aus Kuba werden heute Abend keine geraucht, aber viel über diesese Insel diskutiert. Auch über den historischen Handschlag dieser Woche zwischen Barack Obama und Raúl Castro. Das erinnert mich an den Beitrag, wie Fidel Castros Cigarren in meinen Besitz kamen.

Kubanische Vortänzerinnen

Zwei Vortänzerinnen kommen uns bekannt vor – die dritte lernen wir noch kennen. Mancher dürfte sich an die tolle Musik der Live Latino Band aus Kuba, an Roby y su mécanica, erinnern. Quantanamera, nach dem Text von José Martí, habe ich nie so mitreissend erlebt.

Torcedora Maria Caridad Sanches Illas

Zwei Torcedores haben uns durch den Abend verwöhnt …

… und bei ihr durfte ich eine Cigarre selbst rollen.

Cigarrenroller an der Arbeit

Handgerollte frische Zigarren

Vermutlich erraten sie, welche ich und welche meine „Lehrmeisterin“ für meine Partnerin gedreht hat.

Asche meiner Handgedrehten

Beim ersten Zug scharf, dann herrlich mild, leicht salzig. Zum Schluss nach einer Stunde und 40 Minuten wurde sie deutlich kräftiger. Ein wundervoller Genuss, den ich nie vergessen werde. Eine zusätzliche Idee für die Zukunft des Hammersaals in meiner Hammerschmitte ist geboren.

Heinrich Villiger

Danke, Herr Villiger, für diesen wunderschönen Abend …

Schreibutensilien und Tabakpresse

… an den ich beim Schreiben an meinem Schreibtisch noch oft erinnert werde. Übrigens, da eine Presse am Jubiläumsanlass fehlte, mussten/durften wir uns auf die Tabakformen setzen und selbst pressen. Und vielleicht findet man einmal Zeit, übers Jahr 1888 nachzudenken, als Kaiser Willhelm I. stirbt, sein Sohn Friedrich III. für ganze 99 Tage regiert und vom eigenen Sohn Kaiser Wilhelm II. abgelöst wird. Zum Vergleich, der Fabrikant Heinrich Villiger ist seit 63 Jahren in seinem „Tabakreich“ tätig und hat nicht nur Lust zur täglichen Cigarre. Er wird vielleicht im Frühjahr wieder sein 1200-er BMW-Motorrad besteigen. „Der tägliche Ärger und ja, sie haben Recht, auch Cigarren erhalten jung.“ Und eine dritte Stimme. „Wir Raucher sind tolerant, wie akzeptieren jeden Nichtraucher. Und ich kenne auch keinen Nichtraucher, der um den Anteil der Tabaksteuer gespeissten AHV, diese entsprechend reduzieren möchte.“

125 Jahre, da hat sich global einiges geändert. 1888 wurde die Drehtüre erfunden und der Luftreifen für Fahrräder. Grund genug, dem Zweiradspass leih zu halten und nach fünf Jahren gesundheitsbedingter Abstinenz wieder mal auf meine Koga Miyata, dem Drahtesel, einem ehemaligen Handelsprodukt aus dem Hause Villiger zu steigen. Die Villiger Fahrräder gehören seit zehn Jahren zur Trek Bicycle Corporation, die nicht mit Genussmitteln wie der Cigarre Schlagzeilen gemacht hat, sondern mit Dopping. Krumme Touren nur im Original, enthalten sie sich der Sucht und geniessen sie massvoll mit „starkem Arm“ eine wundervolle La Capitana – die Fat Lady.


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