Pastis und andere Kräutergetränke


Pastis ist so etwas wie ein Nationalgetränk in Frankreich – aber nicht der einzige Kräuterschnaps.

Durch den Louche-Effekt wird der Pastis beim Verdünnen mit Wasser physikalisch getrübt. 10 Teile Wasser und 1 Teil Alkohol – so schmeckt jeder Schnaps eher wie Sirup. Pur getrunken ist für echte Kenner fast wie Musik im Gaumen, er schmeckt wesentlich besser. Um alle Feinheiten zu beurteilen, kann man Schnaps mit entkalktem Wasser auf rund 20 Vol. Prozent verdünnen. Aber bitte dann ein INAO– oder DIN-Weinprüf-Glas zum Beispiel von Schot – 100%ige Tochter der Carl-Zeiss Stiftung) oder gar einen Cognac-Schwenker nehmen. Die zwar meist schön an zu sehenden französischen Zahngläser sind für den Genuss eher ungeeignet – aber man macht es halt so, kennt nichts Besseres oder ist zu faul um andere Gläser zu holen.

Wenn den Pastis schon stark verdünnen, dann als Hustensirup-Ersatz. Sollte er beim Aufguss von heissem Wasser nicht milchig werden, haben sie eine Qualität mit wenig ätherischen Ölen erwischt, die sich dann bis zu einem gewissen Grad wieder auflösen. Da mich die experimentelle oder wissenschaftliche Seite von Kräuterschnaps fasziniert, sollten wir unweigerlich zum Absinth wechseln, denn hier ist der Hustensirup zum neusten Spleen geworden. Würfelzucker mit Absith übergiessen und anzünden, ins Glas tropfen lassen. Das nimmt die Bitterstoffe, die üblicherweise mit Wasser verdünnt werden.

Aenisgetränke wie den Pastis gibt es rund um die Welt und im Gegensatz zu den Franzosen, trinken Norddeutsche diese Getränke nicht am liebsten bei Sonnenschein, sondern bei Regen und Küstennebel von Behn – die Bahn ist dann angebracht oder ins Wirtshaus zurück. Beim früher verbotenen Absinth, wie man heute weiss, war nicht das Thujon das eigentliche Problem, sondern die Menge die getrunken wurde. Für mich ist total erstaunlich, dass gerade mit Kräuterschnaps so viele Zechfeste gefeiert werden. Vermutlich weil die meisten Kräuterliköre fürchterlicher Fussel sind. Einige Pastis und Absinth mit einbezogen. Bitte nur geniessen.

Nur weil das Wermut-Getränk Absinth verboten war, ist es heute zum „In-Getränk“ aufgestiegen. Die meisten sind viel zu teuer, wenn man die Qualität berücksichtigt. Der Kult darum ist aber faszinierend, es gibt selten so viele interessante oder schöne Internetseiten und erste Lokale entstehen.

Wer Lust hat ganz spezielle Kräuterschnäpse zu finden, hat die Qual der Wahl – es gibt Tausende – vom Brechmittel bis zum faszinierenden Getränk. Wenn Rezepte frei einsichtbar sind, stimmt etwas nicht. Es ist das best gehütete Geheimnis, was in einem Gewürzlikör steckt, wie die Kräuter angesetzt werden, das Mischverhältnis und die entsprechende Kunst die mit bis zu 100 verschiedenen Kräutern durchsetzten Grundalkohole allenfalls noch einmal zu brennen.

Im Gegensatz zu manchem Getränkekonzern der Aromastoffe zugibt, wird hier die Kraft der Kräuter durch Mazeration gewonnen. Die Herstellung eines Kräuterlikörs kann von einige Minuten bis zu Jahren gehen. Hier wird aber dann nicht mehr industriell filtriert sondern über Jahre geklärt, bis sich der Trub auf dem Fassboden ansammelt. Zum Beispiel beim 10 Jahre gereifte Verveine von Veley von bisher knapp etwas über 1000 Flaschen verkauft wurden. Etwas Zeit brauchen sie auch zum durchlesen der Seiten von Oxygenée.

Ach Annabell, ach Annabell, du bist so herrlich intellektuell – was würde besser zum Blog von Annabell passen, als die Absinthbar die vom Künstler geschaffen wurde, der …

Laibstatt

… hier echt im Duo Laibstatt einen blauen Pastis und den Tradition Cévénole aus einem der Nachbardörfer geniess …

Grüne Fee Solothurn

… und zur Zeit trinkt Christian Stattmann eher einen Pastis Citron 51 (vermutlich meinem Alter zuliebe), als einen Drink im ersten Absinthlokal der Schweiz, die von ihm gestaltete GrüneFee Solothurn …

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