Chart Lehrgang (5) – warum funktionieren Charts?


Warum funktionieren Charts eigentlich? Ganz einfach, weil das Verhaltensmuster der Menschen immer gleich ist und in der Masse meist aus Fehlern nichts gelernt hat.

Das Allerwichtigste immer vorab: Charts funktionieren nicht immer und im Normalfall sind Charts nur eine Ergänzung zur herkömmlichen Analyse. Wer sich ganz auf Charts verlassen will, muss eine Menge wissen und sollte etliche Jahre Erfahrung haben und sich lieber mit einem kurzfristigen als langfristigen Anlagehorizont beschäftigen. Ein mittelfristiger Chart lässt eine kurz- allenfalls mittelfristige Prognose zu, aber ein kurzfristiger Chart nie eine mittel- oder langfristige.

«Ich bin Anhänger der Charttechnik. Bei jedem Anlagehorizont haben mir Charts bereits geholfen. Limits lege ich meist nach Analyse des Intraday-Charts fest. Bei volatilen Werten rechnet sich das sehr häufig. Warum Charts Prognosen ermöglichen, habe ich mich schon desöfteren gefragt. Dennoch habe ich mich auch schon häufig durch Charttechnik überzeugen lassen. It works but i dunno why :).» Das war die Frage von Nico Popp. In seinem Aktien-Blog schreibt er auch, dass er an der Invest in Stuttgart (ab Freitag) einige Vorträge besuchen will. Die charttechnischen besucht er sowieso und empfehlen würde ich ihm den ehemaligen Pfarrer Uwe Lang. Für Deutsche müsste auch die Fussball-WM noch etwas Platz haben.

Hier die Antwort auf Nicos Frage: Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: «Weil Menschen sich immer wieder gleich oder ähnlich verhalten. Und der Chart ist nur ein Abbild wie sich der Mensch (bei einem gewissen Titel …) verhalten hat.»

Der Ausdruck «technische Chart-Analyse» ist vielleicht verwirrend – treffender müsste es etwa heissen: psychologisch-grafische Chart-Analyse.

In den Lehrgängen die ich kenne, wird dem Punkt und dem Strich vielfach keine oder eine zu kleine Beachtung geschenkt. Der Mensch, die Masse beeinflusst die Börse, einen Aktientitel und pro Tag ergibt dies einen einfachen Schlusspunkt (Schlusskurs). Wenn wir dann in Charts herumkritzeln, technische Schlüsse ziehen, denken wir meist an Technik und überlegen nicht, wieso bei einem Kurswechsel zum Beispiel, die Menschen anders reagiert haben.

Es gibt auch Chartisten, die ganz spezielle, untippische Ereignisse an der Gesamtbörse oder beim Einzeltitel herausfiltern um das «normale Grundverhalten» besser feststellen zu können. Hier liegt vermutlich die Zukunft in der Prognosetechnik. Aber ohne umfangreiche intelligente Software und den Zugang zu allen verfügbaren Daten werden solche Tools noch lange auf sich warten müssen – erst recht für den Privatgebrauch.

Einige sagen, dass sich die Börse nach den Chartmustern bewegen, weil viele nach ihnen leben und Charttechnik anwenden. Das Glaube ich aber nicht, denn ich vermute, dass zumindest in der Schweiz nur einige wenige Prozent der Anleger nach Chart-Überlegungen kaufen und noch weniger verkaufen.

Wer in Sachen Chart etwas üben will, soll dies einmal anhand der US-Zinse machen. Viel Spass und im Auge behalten.

Ein Gedanke zu „Chart Lehrgang (5) – warum funktionieren Charts?“

  1. Danke für die Beantwortung meiner Frage. So war ich mir des Ganzen auch schon bewusst, allerdings ist es schwer zu glauben, dass ehemalige Verhaltensweisen so zuverlässig widerkehren. Das ist wohl der Herdentrieb, der nur schwer zu erklären ist, den man aber wohl einfach voraussetzen muss.

    Wer Interesse am ein oder anderen Vortrag der Invest 2006 hat, aber nicht hinkommen kann, darf mir gerne bescheid geben. Ich versuche dann zu dem jeweiligen Vortrag einen Artikel zu verfassen.

    Grüße in die Schweiz!
    Nico Popp

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