Vorgestern, gestern, heute, was ist überübermorgen

Ein ganz kleiner Rückblick auf die Medienlandschaft Schweiz.

Vorgestern habe ich wieder mal die NZZ erwähnt. Die Alte Dame wird in 13 Jahren ein Viertel Millenium feiern können, wenn sie bis dann nicht allen Leuten gekündet hat oder die andern selbst gegangen sind. Gestern hat sich der Infosperber gemeldet und ich habe es erst heute gesehen. Ich muss ja nicht jeden Tag alles sehen und zum Rechten schauen. Sorry, es sollte zur Rechten schauen. Nur liberaler wird sie garantiert nicht. Recht und vor allem der Schreibung, da stehen einige auf dem Kriegsfuss und viele werden sogar abgehalten, zu schreiben.

Es schreiben garantiert nicht die am besten, die alles auswendig wissen und jeden Fehler sehen – zumindest Recht- und Linkschreibefehler, aber nicht so recht und link zwischen echt rechts und echt links unterscheiden können. Gestern sagte einer zu mir, ich hätte doch Journalist werden sollen. Ich? Damit ich einen Chef habe, der mir auf die Kappe sch…, wenn ich nicht sicher bin, ob der heutige Header nun gross, klein oder gemischt geschrieben werden muss. Ist mir Heute, morgen und Über morgen Wurst oder wurst. Muss eh lachen, wenn wieder mal ein Grossbuchstabe kommt. Wie schreibt man „heute morgen“? Beides Gross! Heute Morgen, genauer jetzt, habe ich mir das so im Stegreif ausgedacht. Liberal? Sicher nicht, dann würde es Steigbügel und nicht Stegreif, Stehgriff oder sonst wie heissen. Oder sonstwie?

Zussammenhänge sehen ist wichtig, nicht jeden Schreibfehler vermeiden. Allermindestens 95 Prozent aller Schreibfehler werden durch das Gehirn in Millisekunden-Schnelle egalisiert. Für Zusammenhänge braucht es etwas mehr Zeit. Geschreibenes sollte mulitifunktional sein, sonst schreibt die Hälfte der Leser, dass dieser Artikel nicht lesenswert war. Lesenswert garantiert nur für diejenigen, die jeden zum Insider bringen und nicht nur Insider ein wenig mehr bieten. Da kommt mir Beat Kappeler in den Sinn. 25 ND-Studenten ist klar, dass der NZZ-Artikel der bessere ist. Aber nur solange, bis er erwähnt, dass jeder Artikel so aufgebaut sein sollte, dass auch Unwissende einen gewissen Überblick erhalten oder hingewiesen werden, wo sie nachlesen können. Ich habe mir zuvor erlaubt zu fragen, wer mir den Fall der Barings Bank erklären könne. Nicht einmal Kappeler konnte das. Ich hab dann allen gesagt, um was es hier geht. Der Artikel in der Thurgauer Zeitung wurde anschliessend eindeutig besser bewertet – genau 26 : 0. Stilistisch nicht so perfekt geschrieben. Die Journalisten, die seit Beginn des 3. Jahrtausend dabei sind – falls es solche gibt – könnten auch Spannendes erzählen. Heute wären sie Teil der NZZ.

Schreibfehler sind nebensächlich, der Inhalt ist wichtig, das werden wohl auch die Teilnehmer der Berufs-WM ähnlich sehen. Ob es heute zum Fondue auch ein Weltmeisterbrot aus Gondiswil – nein Gontenschwil heisst ja die Nachbargemeinde – gibt? Ob es Schreibfehler, gar Webfehler bei einem Zopf hat, ist nicht wirklich wichtig, schmecken muss es. Fehler beim Brot kann es noch andere geben. Blasen, grosse Poren und früher sagte mein Vater „da hat der Bäcker darin geschlafen“. Er wollte in seiner Jugend zu einem Staatsbetrieb. Da war eine Lehre irgendwelcher Art vorausgesetzt. Also ab nach Lausanne, Franz lernen und Bäcker. Ich zeige ihm mal diese Broschüre, 72 Seiten Fehler, die es zu vermeiden gibt. Gestatten sie mir die Frage: Haben sie Lust auf eines der abgebildeten Brote? Ramona Bolliger, Gold Medaillengewinnerin wird sicher schmunzeln.

Es braucht in Zukunft viel mehr Berufsleute die quer-, vernetzt denken und nicht auswendig lernen. Studieren könnnt ihr dann immer noch. Aber es gibt heute viel zu viele, die direkt studieren und das „Handwerk“ nicht von der Pike auf gelernt haben, dafür sattelfester in Kommaregeln sind, wissen was gross und was Klein ist, aber den Unterschied zwischen Gross und Klein nicht sehen.

Vor allem, die Schweiz hat eine Chance mit den Chinesen zusammen. Du finden uns super und lernen von uns. Übrigens, die Antwort aus dem BR-Sekretariat steht immer noch aus. Sorry, hier kommen nur ganz wenige nach. Schon gar nicht Menschen, die nach amerikanischem Leitbild arbeiten. Da muss heute sogar die Putzfrau einen Bachelor oder doch lieber gar einen Master haben. IAX reicht nicht … i Amerika xsi. Das dürfte auch ein Grund sein, weshalb heute noch in unseren Kreisen über einen BR, die weibliche Schreibweise ist inbegriffen, gelacht oder gesäufzt wir. Aber der Scheitelpunkt stand mit stabilen Vektoren am Boden.

Und überübermorgen … da schreiben wir vielleicht nicht mehr ab, was der Bundesrat sich von einem Chefverkehrer sagen lässst. Vielleicht haben wir wieder eine eigene Meinung hinzuschreiben. Verflixt noch einmal, die Flixbusse haben nicht einmal auf allen Haltestellen eine Toilette. Da schreibe ich nur: „Ach du giftgrüne Sch… fahrt doch wieder mal Bahn, geschweige denn Bus und sucht mal eine Toilette. Übrigens, zumindest im Kanton Bern ist dieses Problem bekannt. Ein Regierungsstatthalter und ich haben uns auf der kleinen Schanze einen Baum ausgesucht. Übrigens, er gedeiht heute noch super und der Fall ist vermutlich verjährt.

Handwerk- und Bauernschläue könnten in Zukunft wieder gefragt sein. Vielleicht sollten wir uns wieder mal an diesen Spruch erinnern: «Die voluminöse Expansion bestimmter subterrarer Agrarprodukte stehen klar in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität ihrer Produzenten.» So kann man etwas hochgebildet schreiben. Er stimmt sicher nicht, aber mein Kollege und Bauer lacht jetzt und ich sollte heute Nachmittag oder spätestens Morgen die letzten aus dem Garten holen … wenn die Mäuse nicht schon alle gefressen haben.

Jetzt haben wir schon morgen Morgen und die BZ scheint sich zu steigern – 70%, die den Artikel nicht lesenswert finden. Der Journalist hat aber sicher Freude gehabt … hab ich ja auch, nur, der andere sollte damit Geld verdienen. Und so gesehen, dürfte das mit den Medien immer schwieriger werden. Stand gestern auch in der Printausgabe – Professoren gegen NZZ.

 

2 Gedanken zu „Vorgestern, gestern, heute, was ist überübermorgen“

  1. Ja, wenn es „heute Häute regnet, bin ich Millionär“. Alles was recht (richtig) ist! Alles Recht ist (bedeutet) ist, kritisch zu hinterfragen… Und sowohl wie heute als auch morgen ist nicht gleich heute Morgen. Recht und recht (richtig, korrekt) haben sind auch zwei Paar Schuhe. Bei innovativer Tätigkeit haben Tüpflischiisser und Fehlersucher nichts verloren. Die kann man in ein Lektorat oder in die Qualitätskontrolle versetzen. Die „böse“ NZZ hat das Vademecum „Der sprachlich-technische Leitfaden der „Neuen Zürcher Zeitung“ herausgegeben. SMS hat von mir einst ein Exemplar erhalten. Aus dem damaligen Kommentar entnahm ich, dass ich dies besser nicht getan hätte. Entweder hat er es längst durch den Kamin der alten Schmitte abziehen lassen oder es verstaubt und vergilbt in einem Gestell.
    „Sprache ist nie Selbstzweck… Sprache entwickelt sich, Sprache lehnt sich mehr und mehr an das Gesprochene… der Einfluss der neuen Medien und Nachrichtendienste verwischen die Grenzen zwischen sprachlich-grammatikalisch Erlaubtem und dessen freier Interpretation. . Das schafft Unsicherheiten und – wie die anhaltende Kontroverse um die Reform der deutschen Rechtschreibung belegt – auch ein Bedarf an Orientierung… Das Vademecum ist ein Leitfaden (ERstausgabe um 1970) um bei Unsicherheiten und Zweifelsfällen Klarheit zu schaffen. Es gibt immer sprachliche Zweifelsfälle die im Duden nicht enthalten sind oder aber als Sonderfälle helvetischer Prägung von der NZZ und ihren Redaktionen bewusst anders behandelt werden…
    Ob der Tagi, der Blick oder andere Blätter für sich auch eine derart klare Haltung einnehmen, weiss ich nicht.

    1. „Schreibfehler sind nebensächlich, der Inhalt ist wichtig, das werden wohl auch die Teilnehmer der Berufs-WM ähnlich sehen …“ Herbie, ich staune immer wieder, wie du auf einen einzigen Satz einen guten 25-Zeiler machen kannst. Wenn ich das laut lese, muss ich ab und zu mal an die Interpunktion denken – nicht an die neue Regelung. An die, welche in dem NZZ-Vademekum steckt. Ganze zwei Meter dick ist die Staubschicht darauf noch nicht. Sie bringt mich auch nicht ausser Atem, was andere aber mit Sätzen schaffen.
      Atemlos … etwas anders, aber dieses Wochenende wieder in Walde:
      http://finanzblog.ch/2014/11/atemlos-kreuz-und-quer-teil-ii/

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