MoMo-l … Vollgeld dürfte zu Lehrgeld werden

Volkswirtschaft ist vermutlich die unexakteste Wissenschaft, die es überhaupt gibt. Eigentlich sind es nur Meinungen. Oft sogar fundierte und so soll es niemanden erstaunen, dass schon Wirtschaftsnobelpreise für gegenteilige Meinungen vergeben wurden.

Heute, 1. Dezember, einen Tag, den man sich merken sollte. Die allerschwierigste, je in der Schweiz über die Bühne gehende, Abstimmung, die Vollgeldinitiative, wird eingereicht und nimmt damit für uns Stimmbürger den Anfang. Es wird unmöglich sein, bis zur Abstimmung alle positiven und negativen Fakten auf den Tisch zu legen, damit sich jedermann eine eigene persönliche Meinung machen kann. Die Materie ist eindeutig viel zu kompliziert, nicht nur für Laien. Und es gibt keine Vorlagen auf der Welt, wo wir vergleichen könnten. Island ist im Denkprozess etwa gleich weit wie die Schweiz. Ein schönes Land, aber alles andere, als mit der Schweiz vergleichbar. Dank der freien Wechselkurse habe ich Island bei einem mehrtätigen Stopp Over kennen gelernt – der USD war damals um 50 Prozent eingebrochen.

Ein ähnlicher Vorläufer – der Chicago Plan – wurde als Vollreservesystem meines Wissens nie ausgetestet. Das goldgedeckte Teilreserve-System Bretton Woods wurde 1973 aufgehoben. Meine Berufsprüfung befasste sich daher mit den freien Wechselkursen – Lehrbücher gab es noch keine. Heute dürfte es ähnlich aussehen, nur dass es nicht um eine Prüfung geht, sondern um einen extrem wichtigen Entscheid, wie die Schweiz einmal dastehen könnte. Könnte, denn wir werden vermutlich kein Lehrgeld bezahlen wollen und verbleiben beim Leergeld. Eigentlich schade, dass diese Chance vermutlich nicht genutzt wird.

Wir Schweizer oder Eidgenossen konnten uns immer schon behaupten, deshalb habe ich vor über drei Jahren schon gegen die Kursstützung der SNB geschrieben. Und die Geschichte hat mir Recht gegeben. Dasselbe mit der Goldinitiative. Zum Reichtum der Schweiz, kann ich ihnen auch das Heft 2 aus der NZZ-Geschichte empfehlen: „Wir Protestanten,“ In über zehn Kiosken habe ich dieses Büchlein nicht gefunden. Wir Protestanten, von einem Katholiken geschrieben, der nie erwähnt, dass wir in der Schweiz eigentlich Reformierte sind und dabei ist auf dem Titelbild goldfarbenes Bargeld mit „Magister Hvldricvs Zvingli“ abgebildet. Er nimmt ja auch auf die ganz reichen Hugenotten Bezug und erwähnt, dass die Katholiken seit der Reformation faul blieben, bis sie sich dann im letzten Jahrhundert netzwerkartig zur Finanzhochmacht puschten.

Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, dass sich die wirklich noch Liberalen, die Progressiven, Zukunftsgerichteten zu Wort melden würden. Die Meisten der sogenannten Liberalen gehören heute zur absahnenden Volksschicht dank Leergeld. Der Vollgeldinitiative würde liberale Unterstützung gut tun. Der Schweiz langfristig vermutlich auch. Der Schweizer Franken dürfte noch stärker werden und dagegen sind ja eigentlich nur die gegen Schweizer Franken verkaufenden Unternehmen. Wie gesagt, wir schaffen auch einen Euro zu 80 Rappen. Sollte die Vollgeldgeschichte wider Erwarten doch angenommen werden, so müsste vermutlich eine zweite Initiative gestartet werden, damit der Ausverkauf der Schweiz noch stärker reglementiert würde. So gesehen, dürfte mein Haus, das einen Wert in CHF darstellt, ein interessantes Finanzanlageobjekt werden.

Schade, dass sich viele für die Vollgeldinitiative einsetzen, die von Volkswirtschaft keine grosse Ahnung haben. Hier braucht es Kräcks. Zum Beispiel wird immer wieder geschreiben, dass Bankkredite so was wie Luft sind. Nur, auf der Gegenseite wird mit einem Bankkredit etwas gekauft, das auch einen Gegenwert darstellt. Kredite für 100 Prozent Luft werden kaum vergeben. So gesehen, kann die Initiative leider etwas zum Kabarett-Stück verkommen … „hesch d’Fingerli iklemmt?“

 

  • 1. Dezember – der Welt-AIDS-Tag und der Durchstich des Eurotunnels. Das erste mal seit der Eiszeit vor rund 7000 Jahren, dass man wieder trockenen Fusses vom Festland nach England kann. Hoffen wir nicht, dass irgenwann mal da steht, dass die eingereichte Vollgeldinitiative abgelehnt wurde und damit die Eiszeit des Finanzplatzes Schweiz seinen Fortlauf nahm und eine einmalige Chance verpasste.

Nachtrag zum 2. Dezember – vielleicht geht der Blick der Schweiz doch in die richtigte Richtung – das Bankgeheimnis wird teilweise beerdigt.

 

 

3 Gedanken zu „MoMo-l … Vollgeld dürfte zu Lehrgeld werden“

  1. Eben geht ein Weihnachtsmail ein. Nebst guten Wünschen die Frage nach „Fiat Money“. Die Frage wurde in Japan gestellt. Japan, Ende der 80-iger Jahre ein verrücktes Börsenpflaster. Der Nikkei war mal auf fast 40′ Punkten – heute knapp die Hälfte. Ich stelle die Behauptung jetzt mal in den Raum, dass Japan mit Vollgeld heute besser dastehen würde.
    Fiat Lux, es werde Licht, sprach Moses, aber fand den Schalter nicht. „Es werde Geld“ – fiat money – ist eigentlich nichts anderes als Giralgeld und ich habe das im obigen Beitrag mit „Leergeld“ bezeichnet.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fiatgeld – Fiat heisst auch Fabbrica Italiana Automobili Torino … und da kommt mir ein Wort in den Sinn, das beim Fiat angeblich bereits im Prospekt zu wirken begann … ferruginis – ferrugo – robiginis – robigo oder rubigo … ferruginus scheint auch Fiat Geld zu sein … nachgeschlagen bei http://www.frag-caesar.de

  2. http://www.informationsgeld.info/index.html

    Ein Link, der eben per Mail gekommen ist. Spannende, umfangreiche Sachen.
    Einiges ist ziemlich pilosophisch – das Rechnungswesen zum Beispiel. Ein sauber geführtes Rechnungswesen würde einige der Wünsche erfüllen … und mit dem russischen System der Fondsbuchhaltung wäre noch einiges andere zu lösen. Aber für die Praxis müssen da zuerst handfeste Möglichkeiten aufgezählt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *