Schwarze Schwäne oder Vorhersagen sind Unsinn


Schwarze Schwäne sind wirtschaftliche oder echte Vögel die beim Fliegen abstürzen …

… auf einen einfacheren Nenner kann ich es nicht bringen. Vier Kreise befassen sich mit „Schwarzen Schwänen“ genau genommen dem Trauerschwan:

1. Federfreunde und Federfeinde. Letztere können sie aus der Chronologie selbst heraussuchen. Wie sich das für Freunde gehört, findet man Diskussionspunkte. Mit Carlo, Grossrat und mit weissem Gips arbeitend, sprach ich das letzte mal über Schwarze Schafe und das nächste mal über mögliche Landerechte für den schwarzen Schwan – mit gekappten Flügeln kann er gar nicht starten – auf einem Fliessgewässer oder dem Thunersee ist er zum Tod verurteilt, er wird von der Wasserströmung abgetrieben.

2. Sir Karl Popper hat den Ausdruck Schwarzer Schwan in der Philosophie eingeführt. Das Lesen und Begreifen von Büchern dieser Disziplin ist nicht ganz einfach. In der Schule nannten mich die Lehrer „Philosoph“. Das hat mich eigentlich immer gefreut, bis ich dann einmal feststellte, dass Popper das Buch „Alle Menschen sind Philosophen“ verfasst hat. Die Ernüchterung folgt oft wie bei Schwarzen Schwänen im Nachhinein und ob Popper ein Popper war, darüber können sie selber philosophieren … oder über das Huhn filosofieren.

3. die Eisenbahnfreunde haben die Baureihe 10 – eine von Krupp gefertigte Dampflokomotive mit 28 Tonnen Achslast. Ich muss mich korrigieren. Es war nicht eine, es wurden zwei Stück gebaut. Nicht alltagstauglich und auf die schiefe Bahn gekommen. Das sind so die Eigenschaften, die schwarzen Schwänen eigen zu sein scheinen.

4. Nassim Nicholas Taleb verwirrt nicht nur mit dem Seitenlayout seiner Homepage die heutige Mehrheit der Standarddenker. Er ist faszinierend. Die Durcharbeitung seines Buches von 450 Seiten dürfte aber manchen Leser abhalten. Zumindest Wirtschaftsnobelpreisträger sollten es durchlesen. Diesen Preis will er abschaffen. Recht hat er … auf seine Art. Nur, diese Preisträger tragen wesentlich zum Verständnis der Wirtschaft bei … und das Schlimme daran, die Wirtschaftshorde, vor allem die Finanzhorde setzt dann alles gleich in die Tat um. So wären derivative Produkte im Grunde genommen gut, aber nicht, wenn sie den vierfachen Umfang aller handelbaren Aktien übersteigen. Taleb war Trader und weiss wovon er spricht

… und über die Physiognomie zwischen ihm und mir schmunzeln sie vermutlich, wenn sie seine Ansicht über Schwarze Schwäne lesen, die so selten wie Zufall sind und drei Eigenheiten haben:

– sie sind nicht vorhersehbar
– sie haben gravierende Auswirkungen
– die Erklärung erfolgt im Nachhinein

Kurz, schwarze Schwäne scheinen immer ab zu stürzen und man darf sich nicht auf Voraussagen verlassen, denn diese sind meistens falsch, was Finanzblogleser nicht sonderlich erstaunen sollte. Verlassen wir uns doch lieber auf den Zufall … oder eigenes Wissen und Verhalten das nicht dem Hordetrend entspricht.

Schwarze Schwäne

… schwarze Schwäne scheinen sich gerne in trübem Wasser aufzuhalten.

Die Beiträge über «Geld und Finanzen – leicht erklärt» – schaltet auch die Bloggerin Tari Eledhwen aus Solothurn und das Personalblog.

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
«Amerikaner lassen ihre Autos stehen»

Vor zwei Jahren erschienen:
Stag – Spekulant oder Triumph

Vor drei Jahren erschienen:
Gold auf 8000 USD 1 UZ

Vor vier Jahren erschienen:
Aufatmen für Deutschland? Tief durchatmen erstmals!

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig, gewinnorientiert. Vielleicht überlegen sie sich gerade heute einen Einstieg, dann melden sie sich unverbindlich bei mir.

5 Gedanken zu „Schwarze Schwäne oder Vorhersagen sind Unsinn“

  1. Ein Gespräch mit Nassim Nicholas Taleb und der FAZ im November 2008 hat auch einen provokanten Titel:
    Banker weg, wir brauchen eine Revolution!

  2. Viele Artikel der FAZ sind kostenpflichtig. Der Artikel aus dem Kommentar von Marco kostet EUR 2, wenn man den Link nicht öffnen kann und den Artikel mit dem „Taleb“ und dem Namen sucht.

    Oft findet man Artikel gratis, wenn man den Titel in Anführungszeichen bei Google sucht … wenn es klappt, führt obiger Link zum Resultat der Google Suche oder dann kopieren sie folgenden Link zum vorgeschlagenen Artikel

    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EF6D5DDD6D5B1407AA8EB0A6CF37A3919~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell

  3. @Pingback

    Danke für die Mühe die ich dir gemacht habe!

    Die Kernaussagen schon mal vorab, von dem Autor Taleb:

    Faz:
    Glauben Sie, dass nach dem Crash…

    Taleb:…
    der Crash, ganz nebenbei, hat noch nicht richtig begonnen.

    Faz:
    Erklären Sie’s uns?

    Taleb:
    Ich hoffe, die Katastrophe ist vorbei, aber ich glaube es nicht. Wenn ich eine Wolke kommen sehe, kann ich daraus schließen, dass es regnen wird. Heute sehe ich, dass ganze Schiffsladungen von Aktien verkauft werden. Die Leute begreifen eben, dass sie jetzt in sichere Anlagen statt in riskante Aktien investieren sollten. Damit verfügen sie über mehr Bargeld, schaffen also mehr und mehr Redundanz. Dieser Prozess, der gerade erst begonnen hat, zieht die Märkte nach unten. Wenn er an sein Ende gelangt ist, werden die Märkte viel kleiner sein. Überdies weiß immer noch niemand, was die Banken eigentlich in ihren Portfolios haben. Sie haben so viel komplexe Wertpapiere, die sie einfach nicht verstehen. Schauen Sie sich nur die Deutsche Bank an, die, da bin ich sicher, Wertpapiere besitzt, die nicht einmal die Leute von der Deutschen Bank verstehen.

    Faz:
    Sind die privatwirtschaftlichen und staatlichen Reaktionen auf die Finanzkrise nun wenigstens angemessen?

    Taleb:
    Nein, denn die Methoden, die in der Finanzwelt angewandt werden, um Risiken einzuschätzen, funktionieren nicht. Jeder weiß das seit fünfzehn Jahren. Wir brauchen eine Revolution, und ich weiß nicht, wie; aber die Leute, die an der ganzen Sache beteiligt sind, müssen gefeuert werden. Bernanke ebenso wie alle wichtigen Banker.
    Faz:
    Kann das System zumindest gerettet werden?

    Taleb:
    Das ganze System muss ausgewechselt werden. Banken dürfen keine Investmenthäuser sein, sie sind für die Gesellschaft viel zu wertvoll, als dass ihnen erlaubt sein sollte, mit unserem Geld Wetten abzuschließen. Risiken sollten nur von professionellen Risikoträgern eingegangen werden.“

  4. … Vorhersagen sind Unsinn?
    Auf jeden Fall kosten dieselben reichlich und deftig satt!
    Da floss fett und creme-double-mässig Festgage inclusive Boni-Seeligkeit.
    Gerd Gigerenzer, Psychologe und Autor schätzt ca. 2oo Milliarden. Das sagt er in einem Interview mit dem Handelsblatt.
    Handelsblatt:
    Wofür steht die Krise heute?

    Gerd Gigerenzer:
    Für das Versagen privatwirtschaftlicher und staatlicher Kontrollorgane in einer globalen Welt mit kurzfristigen Anreizen – und auch für die Illusion der Gewissheit in einer Welt der Unsicherheit.
    Diese Illusion hat eine P r o g n o s e-Industrie entstehen lassen, für deren meist unzutreffende Vorhersagen pro Jahr 200 Mrd. Dollar ausgegeben wurden. Dieses Geld könnte man in der Zukunft für nützlichere Dinge verwenden.
    Das ganze Interview ist eingpflegt, gelle!

    Doch noch ein Schmankerl für zwische die Ohrn
    :
    Handelsblatt:
    „Sie wollen also unserer Wissensgesellschaft ernsthaft sagen, man solle auf seinen Bauch hören?

    Gerd Gigerenzer:
    Sie sollten es sich nicht ganz so einfach machen. Wir sind mit unseren Untersuchungen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung seit Jahren dem Phänomen auf der Spur, dass man mit heuristischen Methoden, also mit einfachen Faustregeln, in vielen Fällen schneller, ökonomischer und auch besser entscheiden kann als mit komplexen analytischen Methoden.

    Handelsblatt:
    Und wie begründen Sie das?

    Gerd Gigerenzer:
    Weil wir in einer Welt der Unsicherheiten leben. Große Teile der ökonomischen Forschung haben sich mit der Frage der Optimierung beschäftigt, aber diese setzt eine stabile Welt voraus, in der es keine Überraschungen gibt und alle Unsicherheiten quantifiziert werden können. Ich beziehe mich in diesem Zusammenhang gern auf Harry Markowitz, der für seine komplexe Methode zur Portfolio-Optimierung 1990 den Nobelpreis erhielt. Doch für seine eigene Altersvorsorge hat er selbst eine einfache Heuristik benutzt, die 1/N-Regel. „

    KISS – keep ist short and stupid, gelle:-)

    Beste Grüße ins Heidiland aus Ricciland

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *