"10 goldene Regeln" von Walter Wittmann


Wer das Finanzblog regelmässig liest, weiss, dass ich zwei „Finanz-Professoren“ echt geniesse.

Der eine Vorlesungs-mässig etwas mehr, der andere etwas weniger, dafür vielleicht mit den für die Meisten, auch Otto-Normalverbraucher (ONV) genannt, etwas utopischeren Ideen.

Bis zur nächsten Börsenkrise werden einige die 10 Regeln von Wittmann sicher lesen, sich zu Gemüte führen, vielleicht bleibt sogar was hängen, aber die Meisten werden dann wieder zum ONV. Nicht nur Laien, vorab Finanzleute, Finanzfachleute … sagen wir doch einfach „Finanzmenschen“.

10 Thesen, die gut sind, stimmen und doch erwähnte ich einige ketzerische Kleinigkeiten:

1. Informiere dich objektiv – seriöse Börsen- und Wirtschaftsbriefe werden genannt. Jeder ist subjektiv – auch unabhängige, neutrale Blogger und diese sind zumindest im K-Geld nicht aufgeführt – Kostenpunkt CHF 3.–. Aber diese Ausgabe wird viele reuen … sie werden es mit einem Mehrfachen an der Börse verlieren. Trotzdem, Herr Wittmann, eine objektive Information ist für Leute, die nicht sattelfest sind, praktisch nicht möglich. Und auch wir haben in der heutigen Zeit Mühe, neutrale Informationen zu beschaffen und es gibt auch Vermögensverwalter, die keine Tipps abgeben. Zudem habe ich in den vergangenen Tagen jede Menge von elektronischen Börsenbriefen abbestellt. Wer jetzt schon wieder Derivative empfiehlt, fliegt bei mir raus.

2. Spekuliere nicht – etwas Spieltrieb muss sein, aber vielleicht nur in jungen Jahren, bis man wirklich geheilt ist

3. Lass nicht zu, dass Zeit gegen dich arbeitet – Finger weg von Derivativen, aber ganz alle Lebenslagen bringt man nicht in den Griff

4. Kaufe nur das, was du verstehst – verstehen ist gar nicht so einfach, manchmal wird man auch klüger … mit Schaden

5. Diversifiziere deine Anlagen – wie in den meisten Tipps. Hier wird Grundsätzliches diskutiert … kann auch Ausnahmen geben

6. Investiere nur in liquide Märkte – im Buch „Wie man erfolgreich investiert“ stehen Details, die man in der heutigen Zeit vielleicht vermehrt beachten sollte

7. Achte auf das Timing – „Um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, ist man auf unabhängige Börsenbriefe angewiesen …“ Sorry gestatten sie mir die ketzerische Frage. Hat jetzt Wittmann selbst zu wenig Wissen, dass er Unabhängige zu Rate ziehen muss oder schreibt K-Geld mit dem Hinweis zwischen den Zeilen, dass sie keine Ahnung haben, wie man ein Buch interpretieren muss. Und manchmal bestimmt das Leben das Timing.

8. Veranstalte keine Aufholjagdnicht auf den fahrenden Zug aufspringen. Zumindest hat jetzt auch das Punktmagazin von Wittmann zu gelernt (Seite 27-29 – 17/09)

9. Arbeite mit Stop Loss – „Enge Limits von zum Beispiel 10 Prozent machen nur bei grosskapitalisierten Aktien Sinn.“ Dieses Kapital wurde vermutlich schon im Jahre 2007 geschrieben. Wie viel mal mehr war das mehrmals bei Schweizer Bluechips an einem einzigen Tag im 2008? „Diese Absicherung ist die einzige Medizin gegen Fehleinschätzungen.“ Ja so ändern die Zeiten in einigen wenigen Monaten.

10. Bleibe stets handlungsfähig – „Beruflich Hyperaktive und Senioren sollten ihr Geld deshalb in festverzinslichen Anlagen investieren.“ Nun wissen sie wegen zwei Gründen, wie Wittmann sein Geld investiert hat. Im Mai 2007 wurde er gemäss Punktmagazin spätestens zum Senior und ich hoffe für ihn, dass die Inflation nicht seinen sinkenden Zins im Geldmarkt wegfrisst.

Die Kunst des Anlegens ist nicht so einfach. Versuchen sie die 10 Punkte gewissenhaft zu befolgen und denken sie gleichzeitig an meine „Abers“.

„Wie man erfolgreich investiert“ kostet CHF 39.– und ein Teil dieser Investition geht erfolgreich an Walter Wittmann. „Im Prinzip“ hat Wittmann recht, aber wenn es wirklich so geschrieben ist, wie die Rezensionen verfasst sind, dann hätte Wittmann eine Wende eingeleitet. Er würde nun finanztechnische Trivialliteratur schreiben, statt seine „utopischen“ Ideologien zu verfechten. Schade, der „alte Wittmann“, nicht der Senior, hätte mir viel besser gefallen, aber jetzt spräche er die Masse an, mit 10 Punkten, die eigentlich seit Jahrzehnten gelebt werden sollten. Kostolani, Lynch etc. lassen grüssen.

Und dann gäbe es noch die Ökologie und die Ethik zu betrachten, aber heute wird das in den Printmedien veröffentlicht, was man, der ONV, lesen will und wenn im nächsten Abschnitt schon unsere Solothurnerin erwähnt wird, dann wollen wir doch auch Ramona (13) und Sohn Nico aus ihrer Nachbarschaft erwähnen. Der „Blick“ sprach von der Familie „O“. Oh, wäre eigentlich richtig, zwei Buchstaben fehlten – die des ehemaligen Bundesrats waren es nicht. Tagesgespräch! Clevere Journalisten haben ihren Namen herausgefunden – und in der Zeitung erwähnt. Damit kann die junge Mutter leben. Und der Ethik wegen, die heute zu wenig beachtet wird, schreiben wir nicht mehr weiter, auch wenn wir noch … Aber noch ein Tipp – so zwischen den Zeilen von Wittmann gelesen. Junge müssten in Aktien investieren, Risiken eingehen – aber bewusst und überlegt. Diejenigen, die es machen, denen wünsche ich viel Erfolg … vorsichtig sein kann man immer noch als Senior – Tipp Nr. 10

Die Beiträge über «Geld und Finanzen – leicht erklärt» – schaltet auch die Bloggerin Tari Eledhwen aus Solothurn und das Personalblog.

Vor einem Jahr im Finanzblog erschienen:
Antwort aus Pakistan an «The Economist»

Vor zwei Jahren erschienen:
Kernenergie contra Öl

Vor drei Jahren erschienen:
UBS: Vorzeichen sprechen für ein turbulentes Jahr – am Mittwoch sind wir wieder in Solothurn und mit Änderungen wird nun wirklich jeder zu leben gelernt haben

Vermögensverwaltung von MARTI+PARTNER – unabhängig, langfristig, gewinnorientiert. Vielleicht überlegen sie sich gerade heute einen Einstieg, dann melden sie sich unverbindlich bei mir.

8 Gedanken zu „"10 goldene Regeln" von Walter Wittmann“

  1. Bezüglich des „ONV“ bin ich nicht gleicher Meinung. Ich mag abschätzige Katalogisierung nicht (auch wenn ich weiss, was gemeint ist). Ich respektiere jene mit bester Ausbildung und Gesinnung, die ihren Teil zum Volkswohl beitragen ebenso, wie jene, die mit kleinerem Schulsack den Blick fürs Wesentliche bewahrt haben. Wir erleben es ja schon fast täglich, dass in „höheren Sphären der Pyramiden“ Erlesene und sorgfältigst ausgewählte Korriphäen den Rest der Welt über den Tisch ziehen. Aber vielleicht ist dies mehr eine Frage der egoistischen Gene.
    Wenn dem aber so wäre, müsste sich langsam die Frage der Nachhaltigkeit in die Egoistik der Gene eingeschlichen haben. Die besten Anlagestrategien nützen nichts, wenn die Welt übervölkert und übernutzt wird. „Rette sich wer kann, aber ich bin zuerst an der Reihe!“ Mir liegt es nicht am Spekulieren. Ich hätte schon das nötige Kleingeld nicht dazu. Aber die Tilgung der Hypothek steht an vorderster Stelle (Siehe: *) „Festgeld oder was?“). Im übrigen wäre ich froh, wenn mich meine Vorsorge über die Runden bringen wird, womit wir wieder bei den „strategisch“ richtigen Anlagen angelangt wären.

    *) http://personalblog.kaywa.com/geld-finanzen/festgeld-oder-was.html

  2. … so, du hast den Artikel rausgeholt, der aufzeigt, dass Wittmann in Ansichten über Aktien contra Geldmarkt/Bond fast so schnell seine Meinung ändern wie der Wind drehen kann.

    Wie in obigem Beitrag geschrieben, geht es oft um Mathematik und Statistik. Meine Sadistik soll dir nur zeigen, dass ONV (Ottonormalverbraucher) normal und nicht speziell ist. Es gibt je Gebiet vielleicht unter einem Prozent Spezialisten und der Rest sind Normalverbraucher oder nicht daran Interessierte. Du hast diesbezüglich unter dem Link im Kommentar sogar Wittmann zitiert.

    Normal ist eben nicht Durchschnitt! Aber sorry, den ONV sollte man näher erklären, denn diese Abkürzung wird sich durchsetzen – heute rund 500 Einträge bei Google

  3. Ein Verschreiber („Meine Sadistik“) kann rein zufällig gut zum Thema passen. Wann ist etwas zufällig? Normalität und Durchschnitt: Ich bin damit einverstanden, dass „normal“ nicht gleich Durchschnitt bedeutet. Wir sind uns gewohnt, dass es normal ist, dass nicht geklaut wird. Aus Erfahrung weiss man, dass es die wenigsten tun, sieht man von kleinen Schummeleien ab.
    Der Wirtschaftsprofessor muss sich dem „Wind“ weitgehend anpassen, aber es gibt natürlich auch Geradlinigkeit, die zu den speziellen Eigenschaften gehören.
    Man kann sagen, dass die Normalität danach bemessen wird, wie echt, wie wahr und wie wirklichkeitstreu die Einsicht und das Verhalten eines Menschen sind. Die Normalität richtet sich dabei aber an gewissen Normen oder Richtwerten. Solche können innere Ideale sein.

  4. @Kostolany: Aus dem André ist ein René geworden. „Tüpflischiisser“ sind wir desewegn nicht, die Botschaft ist angekommen!
    „(…) Alle vier grossen Invesrtoren (Warren Buffet, Benjamin Graham, Philip Fisher, Peter Lynch) setzen auf den inneren Wert von Aktien. Mit unterschiedlicher Gewichtung berücksichtigen sie auch das Wachstumspotenzial. Höchstens René Kostolany tanzt aus der Reihe; er nennt sich Spekulant. Er ist ein hervorragender Vertreter des antizyklischen Investierens; er macht immer das Gegenteil dessen, was im Allgemeinen üblich ist….
    … Spekulieren wie René Kostolany sollte niemand, denn das ist eine hochriskante Strategie, die voll daneben gehen kann. )“; gesehen in: „Wie man erfolgreich investiert“ von Walter Wittmann; orell füssli 2008

    Auch von Kostlany: „Zinsen und Psychologie bewegen die Börse“ oder „Kaufe bei Kanonendonner (Kriegstrommel), verkaufe bei Harfenklängen“

    Im praktischen Leben hat es sich schon oft gelohnt, wenn man Empfehlungen nicht beachtet hat. Wenn der Finanzberater seine Tipps gibt, muss berücksichtigt werden, dass er Eigeninteressen vertritt.
    Tipps vom Fluglehrer oder entsprechende Erkenntnisse aus Flugunfallberichten habe ich immer respektiert, denn dies diente dem Überleben. Das habe ich geschafft – wie „Figura“ zeigt – auch Dank den wertvollen Tipps!

  5. @odh
    Dannke sehr, denn, Wiederholung bringt Verstärkung:
    „Im praktischen Leben hat es sich schon oft gelohnt, wenn man Empfehlungen nicht beachtet hat. Wenn der Finanzberater seine Tipps gibt, muss berücksichtigt werden, dass er Eigeninteressen vertritt.“

    Wenn es nicht Eigeninteressen sind, dann ev. der Verkaufsdruck der hinter dem
    verkaufenden Berater drückt!
    Der Vergleich mit dem Fluglehrer ist „himmlich“ und bewahrt vor Absturz!

    Ansonsten:
    Cigarre am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen!

    Frühe grüße aus Ricciland!

  6. @ El Kioskiero
    Die „Gehirnpicker“ funktionieren am besten durch Gebetsmühle artige Wiederholung: Du sollst…, du sollst nicht…, du darfst…, du darfst nicht…! Das erspart das eigene Denken und der Moralist kann sich seiner Gefolgschaft freuen.
    „Alkohol und Nikotin, rafft die halbe Menschheit hin. Doch: Ohne Alkohol und Rauch, stirbt die andere Hälfte auch“.
    Gehirnpicker? => http://personalblog.kaywa.com/psychologie/gehirnpicker.html

    Weil ich den Rauch nicht (mehr) vertrage, geniesse ich flüssige Sonnenenergie.

  7. … zum Glück muss ich euch keine Tipps geben und im Beruf keine Produkt abhängigen. Aber das scheint es wirklich selten zu geben und immer ganz unvoreingenommen eine eigene Meinung zu haben ist (fast) nicht möglich. Ich bin ja auch nicht Finanzberater, sondern unabhängier Vermögensverwalter …

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