Finanzwelt flippt und die Kuh sieht keinen roten Heller mehr


«Hurra, der Welt geht es ab heute wieder gut.» Mit voller Pulle in die Börse rein. Heute ist es am besten, wenn sie ein Studium in Massenpsychologie absolviert haben – Volkswirtschaft oder Betriebswirtschaft scheinen ganz am falschen Platz zu sein. Und da scheinen noch andere Rindviehcher zu sein, die uns Sorge bereiten.

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… «doch der Dollar ist so schwach wie nie zuvor» ist auch zu lesen. Nur hier gibt es schon etwas zu bemerken. Es fragt sich, woher man schaut. Wir Schweizer konnten den Dollar während mindestens zweier Phasen um deutlich über 5 Prozent billiger kaufen. Gönnen wir es der EU, dass sie eine starke Währung hat. Achtung, was jetzt geschieht ist extrem kurzfristiges Denken und vielleicht merkt einer, dass es der heutigen Welt ja gar nicht so schlecht geht – wirtschaftlich zumindest einigen Industrienationen.

Den Amerikanern geht es im Schnitt nun mit den tieferen Zinssätzen auch besser – aber nur im Schnitt. Der überraschte Busfahrer wird heute nicht viel besser dastehen, als vor einem Monat. Sie können selbst mit den Mortgage Rates in den USA herumspielen. Sein Lohn war gleich hoch, wie die Hypotheklast, die er monatlich tragen musste – USD 4000. Sie können es drehen und wenden wie sie wollen, er steckt immer noch voll im Dreck. Das halbe Prozent weniger löst den meisten ihr Hypotheken-Problem nicht. Aber, hurra, im Schnitt haben wir es heute viel besser, oder zumindest ein halbes Prozent besser und genau betrachtet eigentlich ein halbes Prozent anders.

Die Rindviehcher sind an allem schuld. Diejenigen, die fast kopflos Geld aufnehmen und vor allem, diejenigen, die das Geld zur Verfügung gestellt haben. Es ist wie früher. «Kreditler» und «Finänzler» sind zweierlei Leute. Die Kreditspezialisten versuchen, die gleichen Risiken wie die Finanzspezialisten ein zu gehen und ihren Höhenräuschen nach zu eifern. Sie übersehen, dass die entsprechenden Chancen fehlen, finanztechnisch nicht möglich sind. Bei einer Hypothek gibt es nur den Zins und allenfalls Rückzahlungen der Schuld. Und umgekehrt hat die Welt jetzt das Gefühl, dass alle Probleme gelöst seien, denn zur Zeit spielen die Finänzler verrückt.

Es schadet nie, wenn man beide Seiten kennt und da haben es einige Vermögensverwalter oder Anlageberater in der Schweiz viel einfacher. Im Gegensatz zur USA zum Beispiel dürfen unsere Banken beide Geschäfte anbieten – mit Kundengeldern Hypotheken finanzieren. Ein weiterer Vorteil ist, wenn sie mit Finanzleuten zusammen arbeiten können, die zumindest auch mal in einer kleineren Einheit, vielleicht in einer Filiale einer grösseren Region gearbeitet haben. Beide Seiten zu kennen und deren Probleme zu verstehen, ist enorm hilfreich. Ich bin froh, beide Seiten zu kennen und bin überzeugt, dass man als Generalist entgegen dem heutigen Trend weiterkommt und die bessere Performance erzielen kann.

Wäre aber der Busfahrer in der Schweiz, bekäme er mit Kühen ein Problem – seine Lebenshaltungskosten würden wieder teurer. Diese Rindviehcher wollen den Milchpreis um 6 Rappen je Kilo anheben. Die Kuh gibt aber ihre Milch in Liter ab. Nur ist eben ein Liter rund 28 Gramm schwerer, als ein Kilo und so betrachtet, hat die verarbeitende Industrie schon mal rund 2,5 Prozent gewonnen. Der Preis eines Kilo Käses soll um bis zu CHF 1.50 ansteigen. Grob gerechnet ergibt 1.50 durch 0.06 in etwa 25. 25 Liter genau genommen, denn unser Mathlehrer hat immer gesagt, nie Äpfel mit Birnen vergleichen. Diesen Link nur, damit der amerikanische Busfahrer auch versteht, was wir meinen. Nur, meines Wissens gibt es keinen Käse, zumindest nicht essbaren, der 25 Liter (oder Kilo) Milch je Kilo (oder Liter?) verkaufsfertigen Käse benötigt. Der Parmesan liegt bei rund 16 Liter, der Emmentaler bei etwa 12 und im Schnitt geht man von rund 10 Litern aus. Das würde 60 Rappen entsprechen und nicht dem 2,5-fachen.

Die lieben Rindviehcher erklären heute jede Zahl auf drei Kommastelllen genau und doch liegt man oft um Faktoren daneben, nur eben, der Busfahrer wird wohl weiterhin sein Haus verkaufen müssen, wenn er nicht schon Konkurs gegangen ist und die liebe Kuh sieht keinen roten Heller mehr. Wird aber in den nächsten Monaten etwas weniger Fettgehalt produzieren. Das ist aber nur die Natur, keine Absicht. Absichtlich will man aber auch am Fettgehalt mit verdienen. Statt bis zu 5% Fett will das BAG – Gesundes Amt für Bundheit oder o.ä. – sich mit 3.5 Prozent begnügen. Dass dies ein Genussproblem ist, wissen wir, aber genau genommen müsste jetzt der Rahm wie der amerikanische Zins sinken. Statt CHF 6.80 je Liter Vollrahm dürfte dieser höchsten CHF 6.– kosten …

… wetten, dass der Rahmpreis in der nächsten Zeit in der Schweiz ansteigt, weil die Milch teurer wurde und es angeblich zu wenig Rindviehcher gibt? So legt jeder die Zahlen zu seinen Gunsten aus und dies geht nur, bis bis ein neuer «Monte Angge-Balle» zu Fasnachts-Zeiten bestiegen werden kann.

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