Tscharnergut – ein Quartier und ein Wein

Tscharnergut – vor Jahrzehnten eine der modernsten Retortenstädte Europas und heute einer der besten Pinot Noirs der Schweiz.

Wenn in Grossstädten vermehrt Quartiere nach dem Vorbild des Tscharnerguts gebaut würden, wäre die Problematik, wie sie zum Beispiel in den Banlieus von Paris herrschen, sozial wesentlich verträglicher. Ein neues Quartier, das «aus dem Boden gestampft» wird, braucht zwingend einen sozialen Mix. Ein Schmelztigel von verschiedenen Personen, der zu vielen Diskussionen Anlass gab. Positive und auch negative. Erwähnenswert ist hier eine Sendung des Schweizer Fernsehens. Nicht im positiven Sinn, aber vermutlich wurde mit dem Moderator der Ausdruck «Vetterli-Wirtschaft» erfunden. Fast wie ein Komik von Werner – nur dass dieser ironisch, satirisch ist und der andere war auf Effekthascherei aus. Ein Gespräch mit einer Familie aus dem Quartier. Nur, man hat zwei Wohnungen zusammengelegt, zwei Familien in eine Wohnung gepfercht und vom Hebekran aus gefilmt. Aus zwei Wohnungen vom dritten und vierten Stock wurde eine. So kann man sich echt hocharbeiten. Diese Sendung hat wie selten ein Vorurteil geschaffen, gegen das die Einwohner und die Stadt Bern sehr lange zu kämpfen hatten.

Heute sind solche Sendungen nicht mehr möglich, nicht mehr denkbar, denn der Journalismus und die Blogger lassen so etwas nicht mehr unbeantwortet im Raum stehen.

Tscharnergut

Aber das Tscharnergut können sie auch ganz anders geniessen. Im Glas – als Jeninser Blauburgunder. Prdouziert und ausgebaut von Gian-Battista von Tscharner. Was viele Berner jetzt erstaunen mag, dass das Geschlecht Tscharner aus Graubünden kommt und im 16. Jahrhundert nach Bern ausgewandert ist. Zum Glück aber nicht alle …

Gian-Babttista von Tscharner

… auf Schloss Reichenau könnte man noch einen Bündner besuchen. Um einen «Überblick» zu haben, ist nicht unbedingt ein Flugzeug nötig – der Aufstieg zur Kirche Tamins genügt alle Weil. Und wenn sie anständig fragen, können sie auch den Turm besteigen. Eine unvergessliche Aussicht auf Domat-Ems und die Gegend wo der Vorder- und Hinterrhein zusammen fliessen. Und wenn sie Zeit haben, vergessen sie nicht im Adler zu essen. Das vorletzte mal, als ich dort war, haben sie am Nachbartisch immer von Christoph erzählt – es war am Tag nach der Wahl von Christoph Blocher zum Bundesrat.

Beste Weingüter der Welt

Und was liegt hier näher, als eine Schachtel «Tscharnergut» und …

Wein

… zumindest noch einen Completer ein zu kaufen. Etwas nicht ganz alltägliches. Und wieso ich mit einem Pfarrer in Reichenau resp. Tamins einen Zwischenhalt eingeschalten habe, lesen sie bei libref. Und wer weiss, vielleicht lerne ich in Bivio auch den bekanntesten ehemaligen Pfarrer von Tamins kennen. Ein Ort mit anscheinend vielen Charakterköpfen. Im letzten Link finden sie auch den Wein, den es an der Bergpredigt zu trinken geben wird. Von von Tscharner ausgebaut, aber nicht auf seiner umfangreichen Preisliste zu finden – etwas ganz Einmaliges. Vielleicht wird es auch Baumnüsse und Äpfel geben, aber sicher nicht so unreife wie im obigen Blumengesteck.

 

2 Gedanken zu „Tscharnergut – ein Quartier und ein Wein“

  1. Vetterliwirtschaft – hat wahrscheinlich weniger mit dem Moderator als Erfinder des Ausdrucks, als mit Vetternwirtschaft zu tun. Wikipedia meint dazu:

    „Mit Nepotismus (von lat. nepos für Enkel, Nachkomme, Neffe) ist die Besetzung von Posten mit Familienmitgliedern oder eine übermäßige Vorteilsbeschaffung für diese gemeint. Im Deutschen ist es als Vetternwirtschaft bekannt. Sind keine Familienangehörigen, sondern sonstige Personen die Nutznießer des verschafften Vorteils, spricht man stattdessen von Günstlingswirtschaft. Im österreichisch-bairischen Sprachraum spricht man ungeachtet einer familiären Verbandelung von Spezlwirtschaft (Spezi oder Spezl = bair., österr. Freund) oder Freunderlwirtschaft; im Rheinland spricht man vom Kölner Klüngel.

    In der modernen Evolutionstheorie besitzt der Begriff des Nepotismus weniger eine negative, sondern eine neutrale Bedeutung. Allgemein wird unter Nepotismus die Präferenz von genetisch verwandten Individuen gegenüber genetisch nicht verwandten Individuen bzw. näheren Verwandten gegenüber entfernteren Verwandten verstanden. Aus evolutionstheoretischer Sicht ist nepotistisches Verhalten adaptiv.“

    Der Nebelspalter vom 12. Juni meint dazu: Gedankensplitter: Ein massvoller lokaler Filz schützt am besten vor massloser globaler Korruption.

    Etwas bildlich: Witz: «So einen ehrlichen Menschen wie meinen Teilhaber sollten Sie sich suchen! Vorige Woche hat ihm ein Kunde aus Versehen 400 Franken zu viel bezahlt. Meinen Sie vielleicht, er hat sie eingesteckt? Von wegen! Gleich hat er mir auf mein Konto 200 Franken gutgeschrieben!»

  2. lieber Herbie – wir haben zusammen den Freitag verbracht, über den Samstag und Sonntag – Stadtfest Bern – kannst du im heutigen Beitrag lesen – 22.8.16 – Werner Vetterli und das Schweizer Fernsehen werden total abgekanzelt.

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