Sauber und Albert …


… haben wir besucht. BMW-Sauber produziert jährlich 6 – 8 Formel-1 Rennwagen in Hinwil und wir durften eine Fabrikbesichtigung erleben.

Formel 1 bedeutet kreischender Lärm, Gestank nach Benzin und verbranntem Gummi, Hitze oder Regen – und all das haben wir nicht erlebt. Nicht einmal einen Ölflecken haben wir entdeckt. Sauber ist diese Fabrik, sie wird ihrem Namen gerecht. Eine Automobilfabrik sieht etwas anders aus. Das hier im Zürcher-Oberland ist eher eine Mischung aus Garage ohne Autolift, Konstruktionsbüro einer Maschinenfabrik und Zuschneiderei einer Bürostuhlfabrik – und Baustelle. Seit BMW Sauber übernommen hat, dürfte sich das Budget für den Rennstallbetrieb nahe zu gegen einen dreistelligen Millionenbetrag bewegen.

Gegenüber dem neuen BMW-Sauber Gebäude steht die Kehrichtverbrennungsanlage KEZO . Von aussen sehen sich die Gebäude überhaupt nicht ähnlich. Aber innen schon – ein Windkanal sieht wie ein Beton-Ofen aus. Nur etwas dicker, stabiler und total sauber – nicht ganz «Total», eher doch Petronas. Aber wer noch nie einen Windkanal gesehen hat und da haben auch nicht alle jederzeit Gelegenheit dazu, muss damit leben. Fotografieren ist verboten. Irgend einer unser Gruppe kennt halt jemanden eines Sponsors und fragt und hat eine Idee. Danke demjenigen, er hat mich vor Jahren, Jahrzehnten in meiner ersten Arbeitswoche bei der Credit Swisse eingeführt. Besichtigungen sind möglich. Aber nicht ganz so einfach wie die des Autosalons und nicht ganz gratis. Aber alles andere als umsonst.

Eine Hight-Tech Fabrik die begeistert, nicht nur von der Technik auch von der Theorie. Hier ins Detail zu gehen bringt nichts, da fehlt viel zu viel Wissen – deshalb sind die Diskussionen und Fragen ja auch so interessant. Wir erleben Material und Teile in Qualitätsstufen, von denen die meisten von uns noch nie etwas gehört, geschweige denn gesehen oder gar gefühlt haben. Ein Kolben beschleunigt zum Beispiel in 0,0003 Sekunden von Null auf 100 km/h und die Motorenwand ist im unteren Millimeter-Bereich. Extreme, Technik vom Feinsten und das, um beim Albert Park Circuit am Sonntag um 04.00 Uhr (MEZ) auf 307 574 Metern um Sekundenbruchteile zu kämpfen.

Wir hören aber von Albert im Quadrat. Den 1-Stein, der uns im Dezember 2005 begleitet hat kennen wir. Aber bei seinem Namensvetter würde auch er staunen. Der schnellste Industrierechner in Europa – 21 Tonnen schwer – und auf der Welt gibt es nur 59 die noch schneller sind. Und damit die andern nicht schneller sind, die die gleichen Regeln der FiA Fédération international de l’Automobile ein zu halten haben, hat man diesen Windkanal gebaut und deswegen ist BMW hier eingestiegen. Ziel ist es 2009 um die WM zu fahren. «Siege aus eigener Kraft sind 2007 noch nicht realistisch.» Sekundenbruchteile raus holen, den Abtrieb und Luftwiderstand zu optimieren. Verraten wollen wir keine Geheimnisse – wir schauen mal bei der «Konkurrenz» hinein.

Wer über das Wochenende Lust hat kann sich mit numerischer StrömungsmechanikComputational fluid dynamics – auseinander setzten und weiss dann wieso Albert2 12,3 Tera Flops leisten muss. Andere ziehen Nick Heidfeld, Robert Kubica, Timo Glock oder Sebastian Vettel vor. 19 jährig ist letzterer und in diesem Alter können viele nicht mal Auto fahren, geschweige den einen Grands Prix bestreiten.

F1.07 P86/7

.. der Vorgänger vom F1.07 mit dem P86/7 Motor …


BMW-Sauber

BMW-Sauber-Gebäude

… Windkanalgebäude und windiges Gebäude …

KVA Hinwil

… in der Nachbarschaft hat es auch riesengrosse Rohre. Kohlenstoff können die hier verbrennen, aber nicht mehr brauchbare Teile aus Kohlenstoff des BMW-Saubers müssen zuerst geschreddert werden, weil sie sonst nur glühen und nicht verbrennen …

Ferrari

… ist das die Konkurrenz, die etwas zittrig spioniert …

Ferrari Formel V

… wer erkennt nun all die Unterschiede?

4 Gedanken zu „Sauber und Albert …“

  1. Ganz neidisch guck… Ich verfolge Sauber seit Jahrzehnten (ist lieb gemeint, nicht drohend). Peter Sauber ist ein wunderbares Bild von einem Schweizer Unternehmer, der ein paar Clichés von Schweizern bedient, aber auch deren Stärken verkörpert. Die Schaffung des Windkanals war ein sehr weiser Schritt, auch um die Arbeitsplätze in Hinwil zu binden.

  2. … ich habe schon viele «Fabriken» gesehen und schon in welchen (auch sehr spannenden) gearbeitet.. BMW-Sauber, sie war eine der Eindrücklichsten, echt sauber. Danke den Organisatoren und dem Leiter, der uns herumführte und herrliche Diskussionen führte.

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