ETF – das Wundermittel?


Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für ETF’s sind unbekannte Märkte und Bereiche. Geben sie sich aber im allgemeinem mit dem Durchschnitt zufrieden?

Hand auf das Herz – würden ETF verkauft, wenn man damit nicht schöne Verdienste generieren könnte? Und sie wissen nicht, was ETF, das zur Zeit von allen angepriesene Wundermittel im Anlagesektor, heisst? ETF Exchange Traded Funds im Wesen vorzustellen bringt nicht viel, darüber gibt es im Internet genügend zu Lesen. Nobelpreisträger Prof. F. William Sharpe von der Standford University erklärt wie einfach in ETF zu investieren ist. Überfliegen sie vielleicht nur die ersten Zeilen des Schluss-Summarys.

Wieso werden dann mit riesigem Wachstumstempo ETF angeboten? Aus mindestens zwei Gründen. Einer der wichtigsten ist vermutlich, dass man bei der Performance ein Ergebnis vorweisen kann, das nahe beim Index ist. Der grösste Teil aller Aktienfonds liegt Performance mässig unter den entsprechenden Indexen. Und zum andern hat man ein sehr einfaches und günstiges Anlagevehikel, das dem Kunden leicht verkaufen werden kann: «Sie haben die gleiche Performance, wie der entsprechende Index.» Ich versuche immer diesen Durchschnitt zu schlagen. Bis auf wenige Ausnahmen ist mir dies bis heute gelungen. Oder anders gesagt: «Auch in meinem privaten Wertschriftendepot hat es glücklicherweise keine ETF.»

Für Märkte die man zuwenig kennt – Länder, Regionen, Branchen – können ETF angebracht sein. Auch für den Kunden recht kostengünstig. Man könnte allen Kunden ja nur ETF kaufen und dann ausspannen und die Fonds liegen lassen …

Im letzten ÖKO-Invest sind vier interessante Seiten über ETF’s zu finden. Übrigens, nächste Woche hat Max Deml sein 15-jähriges Jubiläum – herzliche Gratulation.

Zu ETF gibt es noch einige Bemerkungen und Überlegungen, die ich einmal als Fragen zu schildern suche.

– Wird der Handel wirklich abnehmen, da ETF im Grunde genommen eine Langfristanlage sind?

– Wird langfristig wirklich kein Personal abgebaut?

– Wird der Handel wirklich ruhiger, weil jeder ja schon mit diesen Titeln eingedeckt ist?

– Wieso steigt die Zahl der aktiv gemanagten ETF? Versuchen diese den Durchschnitt zu schlagen? Wird es ihnen gelingen? Werden solche Fonds in Zukunft wieder mit schlechteren Performance-Resultaten aufwarten?

– Wollen sie wirklich mit jeder Aktie zum gleichen Zeitpunkt in die Börse einsteigen?

– Wie und vor allem über welche Zeit werden ETF aufgebaut, bis die Fondsanteile verkauft werden?

– Wer liefert (verkauft) bei offenen ETF und entsprechender Nachfrage Titel an die Börse – der Fonds selbst oder werden Nostro-Bestände mit tieferen Einstandskursen geliefert? Wird dieses System vielleicht sogar angewandt, wenn nicht über die Börse gehandelt wird?

– Verkaufen die obigen «Lieferanten» bei schlechten Börsenerwartungen «short»?

– Wer betreibt zu welchen Spreads und Kosten das Trading?

– Könnte es bei einem grösseren Vermögen sogar interessant sein, Aktien direkt zu kaufen?

– Wem gehört die Dividende? Gibt es Ausnahmen?

Jede aufgeworfene Frage ist nicht nur einen Blogbeitrag wert, darüber können sie Dissertationen schreiben. Und dann gibt es noch viele andere Fragen und Überlegungen zu ETF. Richtig interessant wird es aber erst, wenn man Index orientierte Derivativ-Produkte anschaut. Da müsste man aber mehr Zeit haben …

… sie sehen, das Anlegen in ETF macht wenig Spass (und für einige auch wenig Sinn), aber die technische Abwicklung und die Details bei ETF sind faszinierend. Vielleicht ist es für mich ein Vorteil, dass ich nicht nur analysiere oder mich nicht nur mit technischen Details herumschlagen muss. Im Durchschnitt ein bisschen mehr zu wissen, kann gar nicht so schädlich sein.

Bei Indexfunds finden sie eine grosse Übersicht – und einige schöne Details und einen Kurs in 12 Steps, der schon länger dauert, als die versprochenen 15 Minuten, die es dauert um zum investieren.

Haben sie wirklich die Zusammenfassung von Sharpe gelesen? «Should everyone index everything? The answer is resoundingly no.»

6 Gedanken zu „ETF – das Wundermittel?“

  1. Spannender Kommentar, den ich aber so nicht teile – soll’s ja geben :-). Ich bin ein absoluter ETF Fan. Obwohl diese Produkte als passive Anlageformen gelten, kann man die durchaus aktiv einsetzen. Zentral in der Geldanlage ist ja die Strategie. Und aufgrund der Strategie können dann die jeweiligen Instrumente eingesetzt werden. Und zwar auch aktiv: Man kann beispielsweise jederzeit einen Sektoren-Tilt einbauen oder wenn man der Meinung ist, dass ein Markt kurzfristig korrigieren wird, mittels Short-ETFs etwas umsetzen…und und und… Wir geben in unserem ETF Newsletter http://www.10×10.ch regelmässig Ideen, wie man geschickt mit ETFs investieren kann. Für Fragen stehe ich auch jederzeit zur Verfügung.

  2. Hallo Herr Borini

    die positiven Seiten von ETF’s kenne ich auch. Aber ich habe schon einige Male warnen müssen. Eben werden die VIE (Variable Interest Entity) in der Presse herumgereicht, weil man vermutet, dass hier auch Risiken total unterschätzt wurden.

    Obigen Beitrag habe ich ganz speziell auf einen Kundenwunsch hin verfasst – langfristig denkend.

    Und vielleicht einmal persönlich und nicht nur via Blog oder Xing.

    Gruss

    Stephan Marti

  3. Gute Beiträge über ETF sind im Internet irgendwie schwer zufinden. Von daher wollte ich mal ein kurzes „Danke“ darlassen!

    @ Jakob Bauer:
    Danke für den Link. sieht nach einem Interessanten Projekt aus.
    Ich bin gerade dabei mich in die Materie einzuarbeiten.

  4. Wir haben unsere URL von fundexplorer.ch auf ETFexplorer.com gewechselt, weil wir bis Ende Jahr eine europaweite ETF-Plattform lancieren möchten. Unser Newsportal wird zukünftig unter http://www.etfexplorer.com/ch/blog erreichbar sein. Darf ich Sie bitten, die Verlinkungen auf unsere Seiten wie folgt zu aktualiseren:

    ETF Suchmaschine:
    ETF Suche

    ETF Newsportal:
    ETF News

    Vielen herzlichen Dank und freundliche Grüsse
    Jakob Baur

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