Computergesteuerte Fonds erobern den Markt


«Quantitativer Investmentansatz soll „Risiko Mensch“ ausschalten. Der Erfolg hängt allerdings vom Analysemodell und der Marktlage ab.»

In die «Welt.de» gefunden:

«Computergesteuerte Fonds sind die neuen Hoffnungsträger der Investmentbranche. Während bei institutionellen Kunden die so genannten quantitativen Analysemodelle schon lange en vogue sind, erobert die Fondsklasse nun auch die private Anlegerschaft.

von Beatrix Fricke und Holger Zschäpitz … weiter zum Artikel …»

Für Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren unabhängigen Vermögensverwalter – der Bankberater wird (darf?) keine finden.

Gab es nicht einmal einen Crash und nach diesem wurden automatisch vom Computer generierte Stopp loss Aufträge verboten? Wir vergessen schnell und wenn alle das gleiche tun wollen, kommt es meistens nicht gut heraus. Handel lebt vom Kauf und Verkauf. Das ist bei der Börse gleich und wenn eine Seite mehr handeln möchte, dann boomt die Börse – oder dann gibt es einen Crash.

Dann können wir zumal hoffen, dass nicht alle auf die gleiche Software zurück greifen, nach den gleichen Kennzahlen arbeiten und den gleichen Anlagestrategien vorgehen. Sonst dürfte es um einige Aktientitel ein Gedränge geben. Zuerst nach oben – und dann nach unten. Im obigen Link sind 50 Prozent Eigenkapitalquote verlangt. Hier geht man auf Sicherheit. In unserer Branche sind 30 Prozent üblich und in der Praxis geht man oft darunter.

Gerade hier könnte ein Computer Vorteile haben – der denkt, wenn überhaupt, immer gleich. Aber zuvor hat der Mensch gedacht und manchmal auch an Fehler. Über Softwarefehler werden sie täglich neue Meldungen finden, wenn sie googeln. Irgendwie würde man jetzt mit einem Kunstgriff „alt gedrückt und drei Zahlen eingeben“ das TM Trade Mark Zeichen finden.

Lassen sie aber mal seine Softwareidee schützen! Das geht nicht. Ein Programm können sie schützen, nicht aber vereinfacht gesagt wenn einer selbst ein Programm schreibt. Das dürfte heissen, dass in Zukunft noch viel mehr Banken und Fondsanbieter solche Programme schreiben werden, denn mit diesen kann man zum Vorteil selbiger Häuser auch gleich viele Analysten einsparen, Kosten senken, Gewinne erhöhen – die Welt sieht dann alles ähnlich …

… aber man könnte Nebenwerte kaufen, denn davon gibt es zu wenige als dass sie grosse Asset-Pool anfassen …

… aber dann muss man ein spezielles Wissen haben, denn hier reichen meist Analysezahlen nicht mehr aus …

… der selbständige Vermögensverwalter wird durch computergesteuerte Fonds nicht abgeschafft – vermutlich tritt das Gegenteil ein …

Nachtrag: Computer gesteuerte Fonds heissen auch «Quant-Fonds»

7 Gedanken zu „Computergesteuerte Fonds erobern den Markt“

  1. Ich glaube es gibt zwei grundverschiedene Ansätze bei automatischen Trading-Systemen. Beim einen wird per Algorithmus versucht, den optimalen Zeitpunkt für Kauf und Verkauf zu ermitteln, beim anderen geht es darum, Kreuz-Korrelationen zu untersuchen und eine Kombination von Anlagen zu ermitteln, die eine möglichst geringe Volatilität ergibt.

    Bei letzterem denke ich, können automatische Systeme für eine limitierte Allokation durchaus sinnvoll sein. Doch auch hier ist Fachwissen gefragt, um das richtige „low-volatility“ Vehikel zu selektionieren…

  2. Du hast mit dem letzten Punkt absolut Recht politès. Aber wenn man die Geschichte ansieht, da gab es am Anfang meist einige hoch spezialisierte Programme die recht gut funktionieren und die Nachahmerprodukte waren meist einfach gestrickt. Bei den ersten wurden nur Limiten berechnet, ab wann verkauft wurde und sobald diese erreicht wurden, ist der stopp loss ausgelöst worden. Der Crash 89 lässt grüssen.

    Der Trend, den die Welt beschreibt geht aber weiter – die suchen Titel aus, die gekauft werden sollen. Und das ist – Mathe in Ehren – nicht ganz so einfach. Da bin ich sicherlich nicht der Einzige, der sich darüber schon oft den Kopf wund studiert hat …

  3. Du meinst wohl den Crash von ’87 ! Hab ich am eigenen Leib noch erlebt (ja so alt bin ich auch schon). Ansonsten geh ich völlig mit Dir einig.
    So richtig gefährlich wird es mit diesen automatischen Dingern v.a. wenn sie hohe Leverages eingehen. Das war 1987 so, mit den Lombardkrediten, das war mit LTCM wieder der Fall und jetzt scheinen die Hebel auch wieder zu steigen.

  4. … 89? 87? Ich meinte im 87 waren die automatischen Computerverkäufe noch nicht ein so grosses Problem. Beim Crash im Herbst 89 waren diese ausgeprägter. 87 habe ich praktisch unbeteiligt in einem Industriebetrieb erlebt und 89 bei der Credit Suisse, genau genommen an einem Urlaubstag – http://finanzblog.kaywa.com/p102.html . Hier noch ein Chart des DAX der sich ähnlich wie der DJ verhalten hat: http://www.buero-dr-schulz.de/DAX/DAX-Archiv/17_08_2001/indexdax.html

  5. 89 habe ich anscheinend vergessen, aber so weit ich mich erinnern kann, wurden auch 1987 automatische stop-loss en masse ausgegeben. Einige, die dank hohen Lombardkrediten auf Pump investiert hatten gingen damals auch schon Pleite, auch in der Schweiz. Aber als sorgloser Mittelschüler war ich ja nicht persönlich betroffen und nahm das nur so durch den Nebel wahr.

  6. … an 87 mag ich mich viel weniger erinnern, als an 89. Beim ersten Crash hatte ich im August entschieden, längere Zeit keine Aktien mehr an zu rühren. Im 89 war es anders, da waren wir investiert und vor allem auch für Bankkunden – und den Kunden muss man ja dann in die Augen schauen können. Begründen bringt nichts – es ist Tatsache. Aber überzeugen, dass man investiert bleiben soll. Einige Wenige sind damals endgültig ausgestiegen. Und spätens seither weiss ich, dass die Börse jede Stunde voll drehen kann. Damit muss man leben – und wenn man Geduld hat, lebt man eigentlich recht gut.

    Nun zu der Computertechnik. Die stand im 87 noch auf recht wackligen Beinen. Der IMP PC war gerade mal rund 6 Jahre alt und bei den Grosssystem wurde so langsam Cobol abgelöst. Im CAD-Sektor hatte es Prime eben geschafft, einen virtuellen Kletterer rund um eine Brücke laufen zu lassen (Geländer hoch, Geländer runter, unten kopfüber die Brück gequert und bis zum Anfangspunkt) – Dauer der Berechnungen 1 Arbeitstag. Und meiner Erinnerung nach hatten die Banken vor allem im administrativen Bereich zu kämpfen – überhaupt mal feststellen zu können, wer jetzt verkauft hatte. Dieses Problem gab es zum Teil zwei jahre später auch noch – tagfertig war damals noch nicht immer möglich.

    Bei Wikipedia habe ich etwas Ähnliches gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Montag .

    Macht Spass, in alten Erinnerungen zu kramen – aber ich muss jetz noch was arbeiten. Bis zur nächsten Diskussion

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