Solarenergie – zwei Welten herrschen


In der Solarenergie-Szene tummeln sich zu viele Anbieter. Neben High-Tech ist oft auch tiefes handwerkliches Niveau an zu treffen.

Von der Intersolar will ich heute eigentlich nur meinen persönlichen Gesamteindruck aufzeigen. Hier in Freiburg herrschen zwei total unterschiedliche Welten. Die einen topp und andern findet man vielleicht an der nächsten Intersolar nicht mehr im Ausstellerverzeichnis. Einer der ersten und wichtigsten Eindrücke: Wo sind die Aussteller platziert? Es gibt selten eine Ausstellung, die über den Standort so viel aussagt, wie in der Solarszene. Ein einziges Beispiel dazu. Q.Cells ist vom Budenstand im Hallengang an beste Lage umgezogen. Das ist ein echter Anhaltspunkt wie die Firma selbst ihre Zukunft einschätzt. Ebenso aussagekräftig wie mancher Geschäftsbericht. Bei Q.Cells überzeugt mindestens die Titelseite. Echt schön gemacht.

Auf der andern Seite ist das für nicht in der Solarenergie tätige Messebesucher ein riesengrosser Nachteil. In Freiburg finden sie jetzt wirklich wie auf dem Jahrmarkt das grösste Durcheinander. Totaler Branchenwirrwarr. «Alles Sonne oder was?» Dieses ist für die doch noch relativ neue boomende Branche verständlich. Jeder riecht förmlich das grosse Geschäft, das er dank der Sonne und vor allem der staatlichen Zuschüsse machen kann. Entschuldigen sie bitte, aber es darf ruhig einmal geschrieben werden, dass es dieser Branche nur gut geht, weil man damit Steuern sparen kann oder Subventionen erhält. Bei Steuern und Subventionen schadet es nicht, wenn man Grenzsteuersätze und vor allem die Kosten/Investtiionen analysieren kann. Steuersparmöglichkeiten schalten aber oft das Gehirn gänzlich aus.

Heute schreibe ich nicht von den «guten, grossen, renommierten» Firmen. Diese betrifft es trotzdem im Zulieferbereich. Mancher dieser Hersteller fertigt Zubehör an, dass es lieber preiswert und in guter Qualität im offenen Markt kaufen würde. Diesen gibt es aber nur beschränkt.

Von den schlechten Beispielen gibt es genügend und da möchte ich keine Namen nennen – sie sind auch nicht börsenkotiert. Aber sie schaden der Branche mehr, als dass sie nützen. Am schönsten sieht man das bei der Montagebranche. Ob Fotovoltaik oder Kollektor, alles muss auf dem Dach, der Wand oder Gelände befestigt werden. Bei Metallbauern habe ich mich nach ihren Preisen erkundigt. Und diese werden bezahlt. Vielfach total überteuert, zum Teil ganz lausige Fertigung und oft sieht man einen Materialverschleiss sondergleichen. Da fertigen einige Metall-Ständer, die werden die nächsten 10 000 Jahre nicht durchrosten. Sogar meinem Kollegen fällt dies auf. Ein im ehemaligen Osten ausgebildeter Maschinenbau-Ingenieur und diese sind ja noch heute nicht auf Materialoptimierung getrimmt. Automobil-Ingenieuren dürfte an einigen Messesäanden der kalte Schweiss ausbrechen.

Dann gibt es so genannte Systemhersteller, die ihre Einfachheit anpreisen. Das kann jeder Hobbyhandwerker. Aluflacheisen und Aluprofile kaufen, ankörnen und ein Loch für die Schrauben anbringen. Aber bitte vielleicht etwas mehr auf die Materialien und Legierungen achten. Deutschland oder die Schweiz hätte einen perfekten Metallbau, aber was hier zum Teil gezeigt wird, könnte in Zukunft Sorgen bereiten. Da ist Korrosion vorgeplant, vor allem noch, wenn im Energiegewinnungsbereicht nicht 100 prozentig abgeschirmt wird.

Ähnliche Probleme kennt man aus dem Zusammenspiel von Dünnschicht-Modulen und der Wechselrichter her. Hier habe ich einen guten Artikel im SolarMax Globe, dem Kundenmagazin der Sputnik Engineering AG gefunden. Bei den grossen und bekannten Anbietern sind viele dieser Probleme bekannt oder treten gar nicht auf, weil Professionals daran arbeiten. Wie soll sich aber ein Kunde orientieren können, der von Technik keine Ahnung hat. Diese sind auch nicht unbedingt gut beraten, gleich einen grossen, bekannten Anbieter auf zu suchen, denn viele Kleine Anbieter haben tolle Produkte – nur den Spreu vom Weizen zu trennen ist nicht einfach. Es ist ähnlich wie in meiner Branche. Im Finanzsektor gibt es tausende von Anbietern die ohne grosses Wissen jegliches Produkt (z.B. Fonds) hemmungslos verkaufen können. Wer das nicht macht, hat es schwieriger Kunden zu finden – aber der Kunde hat schlussendlich mehr für sein Geld.

Die Solarenergiebranche ist noch lange nicht fertig strukturiert. Die Zubehöre sind im Grossen und Ganzen noch viel zu teuer. Das ist auch der Grund, wieso fast nur Anlagen gebaut werden, wo es staatliche Zuschüsse gibt. Aber mit der steigenden Zahl an Grossanbietern werden auch diese Preise sinken (müssen). Ein gutes Beispiel dazu sind die Nachführsysteme. Die meisten drehen sich nach dem Sonnenstand und einige nach dem hellsten Punkt. Die Frage ist nur, wann einer kommt und auf die hellste Gesamtfläche dreht. Diese Frage spielt in Deutschland keine so grosse Rolle, aber sobald die südlichen Länder einen Aufschwung mit der Sonnenenergie erleben, wird dies extrem wichtig. Es geht hier nicht um Mehrerträge von wenigen Prozenten. Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, dürfte dies gegen 50 Prozent betragen. Ein umfangreicher Artikel dazu ist im Solarboulvevard 3/06 zu finden. Von ihrer Marktübersicht über Nachführungen für Solaranlagen, bin ich fast überfordert. Da gibt es Systeme von 5 Kilo bis zu 4 Tonnen (ohne Fundament), dafür ist die maximale Kollektorfläche 50 mal grösser. Ebenso würde ich ein Fragezeichen hinter den Stromverbrauch (zum Drehen) einiger Anlagen machen. Das ist aber ein normales Kapitel in dieser Branche – Zahlen lassen sich nur sehr mühsam miteinander vergleichen.

Und noch etwas Wichtiges. Preise sind fast nirgends angeschrieben und man lässt sich nicht gerne festlegen. Das heisst nichts anderes, als dass die Hersteller zu viel verdienen und nichts offen legen wollen. Die Preise für die Endkunden werden in den nächsten Jahren meiner Meinung nach stark sinken, etliche Anbieter werden vom Markt verschwinden und die Qualitäten der Anlagen werden noch einmal steigen, kleiner, leichter und effizienter werden. So schnell geht dies aber nicht von statten. Nächstes Jahr werden vermutlich noch mehr Anbieter sich etwas vom Kuchen abschneiden wollen und es dürfte mehre Firmenaufkäufe geben. Zudem sind heute viel mehr Verkäufer in Anzug und Krawatte an der Ausstellung. An einigen Orten sieht es nicht wie an einer Maschinenmesse sondern einer Finanzmesse aus – also, die Solarbranche ist am boomen. In vielen Bereichen ist es eine wahre Freude zu sehen, was angeboten wird. Hier trifft man auf zwei Welten.

Vielleicht nicht so stark wie in der Vergangenheit und vermutlich kommt es in Zukunft noch mehr auf die Titelauswahl an.

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2 Gedanken zu „Solarenergie – zwei Welten herrschen“

  1. … zumindest mal in Deutschland. Da gibt es einige Länder auf der Welt – und die sind in deutlicher Überzahl – bei denen wird nichts subventioniert und desshalb ist das Ganze noch recht teuer. Die Anlagen werden in den nächsten Jahren garantiert billiger. Wenn sie einige Jahre in der High-Tech-Industrie gearbeitet haben und die ganze IT aufgebaut haben, inkl. Betriebsbuchhaltung, laufende Kalkulation, AVOR-Integrierung etc. können sie die Produktionskosten abschätzen.

    Es gibt zwei Fälle bei der Solarbranche – solche die heute schon günstig produzieren können und diesen geldwerten Teil für sich behalten können und die andern, die es noch lernen müssen.

    sml

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