Abschied von der BernerZeitung BZ


Die meisten Leute wechseln ihre Tageszeitung noch weniger häufig, als den Vermögensverwalter oder die Bank.

«Die eigene Meinung sollten Sie im privaten Bereich sehr behutsam vertreten. Ein liebes Wort zur Rechten Zeit wirkt manchmal Wunder.» Das ist mein heutiges Horoskop in der BernerZeitung. Eigentlich lese ich diese Spalte selten bis nie und stelle sogar fest, dass ich das Tierkreiszeichen meines Sohnes nicht kannte. Es ist aber einfach zu behalten, denn er ist tatsächlich ein guter (Kleinkaliber)-Schütze. Man lernt nie aus. In jeder Zeitung steht etwas Lehrreiches.

Sieben Seiten Sport – auch hier könnte ich noch viel dazulernen – wenn ich es möchte. Aber diese Seiten interessieren mich nicht gross. Nur mal einen Blick auf den Radsport, dem ich früher auch mal huldigte – die Berner Rundfahrt . Hier liegt zumindest die NZZ-Online auf Platz eins – mit Hintergrundinformationen. Aber eben, das will ja die BernerZeitung nicht. Die bringt Sportinformationen und nichts über die Wirtschaft.

Halt, im Teil «15 Minuten» finden wir doch ganze drei kurze Meldungen über die Wirtschaft: «Nelly Wenger verteidigt Cailler-Verpackung», «Steiner will an die Börse gehen» und «Grösster Schuldenerlass ist genehmigt». Beim letzten Artikel wird auf Seite 7 verwiesen. Aber da sind keine zusätzlichen Ergänzungen zu finden, nur was der Währungsfonds und die Weltbank sonst noch an der Frühjahrstagung besprochen und beschlossen haben. Damit ist unter Wirtschaft alles gesagt. Zugegeben, einige Artikel haben auch was mit Wirtschaft zu tun – im weitesten Sinn so zu sagen.

Vielleicht «Vatikan gestattet Kondome», obschon Condomi AG nicht mehr im Natur-Aktien-Index NAI gelistet ist. Diese Meldung, ohne Bezug zur Wirtschaft ist in der Rubrik «Heute» zu finden. Eigentlich wäre diese Meldung schon vor Jahrzehnten angebracht gewesen und nicht nur im Zusammenhang mit HIV-Infiszierten. Dafür kann aber die BZ nichts, das ist eine echte Glaubensfrage. Unter der gleichen Rubrik, die einige Seiten stark ist, finden wir auch «Verbesserten Umweltschutz». Nicht «heute» wäre diese Meldung aktuell gewesen – ohne Scherz, am 1. April. Dank der Neuorientierung der Schweiz sollte dann wenigstens die Wirtschaftswoche auf die Schweizer Zahlen im Umweltbereicht zurück greifen können. Der hier verlinkte Blogbeitrag soll auch nicht auf die Abschaffung der Zeitungen tendieren – nur auf die Änderung in der Presselandschaft.

Meinem Horoskop folgend stelle ich fest, dass die seit knapp einem Monat neu aufgemachte Berner Zeitung viele interessante, allgemein bildende und lesenswerte Artikel enthält, lesenswert ist. Da ich aber auch in Zukunft weniger an Horoskope glauben werde und einen brauchbaren Wirtschaftsteil in meiner Tageszeitung lesen möchte, erlaube ich mir doch eine Bemerkung. Der Wirtschaftsteil in der modifizierten BernerZeitung wird extrem stark vernachlässigt. Dies dürfte manchen bisherigen Leser dazu verleiten, andere Medien an zu schauen – vielleicht gar einen Blog. Und Blogschreiber sind auch Zeitungsleser – und werden es vermutlich auch lange noch sein. Es gibt garantiert einige, die mit der Absicht leben, ein neues «Leibblatt» zu abonnieren. Die Lösung wäre vielleicht täglichen Joggen , wie das die BZ empfielt. Nur würde ich dann am Bahnhof die «20 Minuten» holen, die einen wesentlich grösseren Wirtschaftsteil aufweisen.

Ich hatte die letzten Tage in Frankreich das Vergnügen, den Midi Libre zu lesen. Der bringt, wie nicht anders zu erwarten, wesentlich mehr Wirtschaftsnachrichten als die heutige BernerZeitung. Dies ist vielleicht ein Grund, dass mehrere heutige, ehemalige, vielleicht auch zukünftige Redaktor oder Chefredaktor mit dieser Gegend im Süden bestens vertraut ist.

… vielleicht müsste man wieder wie vor Jahren zum «Bund» zurückkehren – oder gleich in der Bloggers-Phäre bleiben. Hier finden sie mich, den Bund und vermutlich in den nächsten Wochen öfters angeklickt «zum runden Leder». Übrigens, diese drei Blog finden sie alle auf der Hauptseite bei Kywa.com

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