Bern a Leiden


Vielleicht gehen 107 Jahre Berner Geschichte zu Ende – und vielleicht hat ein langes Leiden nach einem schlechten Sommer sein Ende.

Entschuldigen sie, aber heute habe ich Lust auf etwas Zynismus. Ich weiss, dass man dies tunlichst meiden sollte. Aber vielleicht wurde mit dem gestrigen Beschluss, dass Crucell die Berna Biotech übernehmen kann, wieder einmal eingeläutet, dass ein Stadt-Berner Unternehmen auf den Weg zum Friedhof getragen wird. Spass beiseite. Gar nicht so schlimm, denn ganz in der Nähe des Industriegeländes befindet sich einer der weltschönsten Friedhöfe, die ich kenne. Das ist kein makrabes Hobby von mir, aber ein Friedhof zeigt die Kultur der Menschen in Minutenschnelle. Sagen sie mir, wie ich in einem fremden Ort schneller die noch lebenden Menschen beurteilen kann. Ich lerne gerne dazu.

Auf dem Friedhof Bümpliz kann man verweilen und Kunst von Schang Hutter geniessen. Lebendig vermutlich besser, als nachher. Wobei ich mir dies vorstellen könnte – Sicht auf zwei Häuser, in denen ich einmal gelebt habe.

Aber was soll’s, die Berna Biotech ist noch lange nicht zu Grabe getragen. Den Chart im Link habe ich zum Kaufen benutzt – privat, für meine Kunden hatte ich den Mut nicht, das Risiko war zu hoch. Die Kurse waren halt vielleicht tief wegen eines schlechten «Sommers» – oder zumindest dass der CEO Kuno Sommer seinem Namen nicht gerecht wird und nicht saisonal entscheidet, sondern langfristig. Dies ist aber zur Zeit an der Börse überhaupt noch nicht gefragt – das Shareholder-Denken überwiegt immer noch. Und andererseits ist ein langfristiges Denken extrem viel schwieriger zu beurteilen, als das in der heutigen Zeit stark überwiegende kurzfristige Denken.

Über das «Sumpfinstitut» (ehemals Serum- und Impfinstitut) habe ich vermutlich in den letzten dreissig Jahren mehr Entscheidungsprobleme gehabt, ob man kaufen oder verkaufen soll, als bei der Basler Grosspharma. Manchmal sind die «Kleinen» ganz schön wechselhaft. Warten wir ab, was geschehen wird. Gestern waren nur 18 Prozent der Aktien an der ausserordentlichen Generalversammlung vertreten – und die Crucell möchte auf 67 Prozent Anteil kommen. Vielleicht kommt, wie eben jetzt nach mehreren Tagen wieder einmal, ein Sonnenschein. Nebel war da, aber den hat es auch in Leiden, dem Hauptsitz von Crucell (hat nichts mit Q-Cells zu tun).

Buchstabenklaubereien kann man auch mit dem Titel machen: Bern a Leiden – mir kommen mindestens fünf Varianten in den Sinn. Und beim heutigen Blogthema zwei Bekannte. Der eine arbeitet mit Sicht auf die Berna und wird hoffentlich nicht mehr Arbeit erhalten – er arbeitet beim RAV, der regionalen Arbeitsvermittlung und im Kunstgarten müsste ich schon lange eine Karte von Schang Hutter abholen – leider keines seiner grossen Werke.

Übrigens, wenn ihr «Bern a Leiden» nicht in meiner Mundart interpretieren könnt, so habt ihr doch die Möglichkeit, morgen bei uns etwas zu lernen – die CD-Taufe «blauäugig» der «Mundartisten».

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