Geiz ist immer noch geil – und nicht so schlecht


Performance kann man an der Börse und im täglichen Leben haben. Performance zu messen, ist im Vergleich zur Messung von Qualität, eigentlich schon fast einfach.
Wenn man oder Frau die Zeitungsberichte über Aldi anschaut, nehme ich an, dass gestern die vier neu eröffneten Geschäfte nur mit Journalisten gefüllt waren. Entweder waren sie nicht an der Pressekonferenz, oder es gab gar keine oder sie wollten sich vor Ort ein Bild machen und Preisvergleiche anstellen. Das ist gar nicht so einfach. Wenn man die persönlichen Qualitätsvorstellungen hinzu nimmt, dann muss jedermann-frau für sich selbst den Preisvergleich machen. Oder man hat so was, wie einen persönlichen Einkäufer, der die zu bekaufende Person sehr gut kennt. In der Schweiz heisst diese Person noch heute meist «Hausfrau».

So gesehen ist die Hausfrau oder der Hausmann mit einem persönlichen Vermögensverwalter zu vergleichen. Wir wollen das beste für die Familie resp. den Kunden und achten auf das Preis-Leistungsverhältnis oder die Rendite und das Risiko, die Qualität oder Umwelt und Ethik, sowie die persönlichen Vorlieben, die sowohl bei Lebensmitteln und Konsumgütern als auch bei Wertpapieren vorhanden sind. Manchmal werden diese nicht beachtet und das kann dann eben zu hässlichen Diskussionen führen – beim «Einkaufen» wie beim «Verkaufen».

«Geiz ist geil» ist gar nicht mal so schlecht, vorausgesetzt es werden gleiche Massstäbe angesetzt und die Qualität beachtet. Wenn dies der Fall ist, wird einfach billiger eingekauft – bei Aktien oder Orangensaft. Letzter ist bei Aldi für ganze 66 Rappen zu haben. Vielleicht schmeckt der sogar – man müsste es einmal ausprobieren. Und das Mineralwasser erst – bei «der Bund» für 23 Rappen pro Liter, günstigstes Produkt berücksichtigt und bei der Berner Zeitung aus dem gleichen Verlagshaus kostet Mineralwasser schon 26 Rappen. Drei Rappen Unterschied pro Liter. Das ist mehr als die Marge beim Benzin. Und wo man solches vernimmt, bei der Vorabausstellung der ausgewählten «Produkte» zum Design Preis Schweiz. Wer erhält hier wohl einen Preis? In einer Woche wissen wir es. Es sind einige «börsenkotierte» Produkte dabei. Nächste Woche mehr über einige Preisanwärter, die echte Qualität (und Design) darstellen.

Bei Mineralwasser und Orangensaft werden vielleicht sogar demnächst die Preise angepasst, vielleicht auch bei Toilettenpapier. Dieses verkauft Lidl im 16er-Pack. Statt eine Rolle, wie gestern life im Blog, habe ich mit 10 gerechnet – Coop bleibt damit immer noch teurer, auch wenn die Differenz prozentmässig etwas fällt. In unserer Sprache gesagt, die schlechte Performance von Coop wird damit leicht besser.

Aber wer rechnet denn heute noch mit Rappen, ausser der Benzinindustrie. Das 5-Rappen-Stück wird garantiert ausser Kurs gesetzt. Dann wird eben auf 10 Rappen gerundet – zumindest ein ganzer Einkauf. Orangina dank Mehrfachpackung und Citron dank Kursabstufung und Schlusseinheiten.

Denner trägt dem 5-Rappenstück bereits Rechnung, seine heutigen Bordeaux-Weine sind auf 10 Rappen gerundet und stammen aus dem Haut-Médoc. Der erste ist die Ausnahme, stammt aus dem Sauternes und dürfte trotz dem heissen Jahrgang 2003 keine tiefrote Farbe haben. Damit sie die Marge abschätzen können, schauen sie doch im Bordeaux-Blog.

Hand aufs Herz – das sind zum teil stolze Preise, aber preiswerte. Die Kunst ist es jetzt, einen Wein aus dieser Gegend zu finden, der ein besseres Punkt-Preis-Herhältnis ausweist. Es ist wie an der Börse. Suchen, suchen, suchen und noch einmal suchen und immer analysieren – und hoffen, dass sich die« Dinger» gut entwickeln. Welchen nehmen sie – Montrose (teuerster), Gloria (billigster Preis pro Punkt), Chasse-Spleen (billigster im Inserat) oder Rayne Vigneau (süssester)? Oder kennen sie auch andere, die topp sind, aber dieses Preis-Niveau noch nicht ganz erreicht haben und der Aufpreis pro Punkt, verglichen mit dem billigsten Wein kleiner als CHF 2.– oder gar negativ ist. In diesem Beispiel hat der Duhart-Milon-Rothschild das beste Preis-Qualitätsverhältnis.

Nur eben, es ist vergleichbar wie bei Aktien – Zukunft für ein PE schätzen oder den gleichen Geschmack haben. Ich habe von diesen Weingütern eine einzige Flasche im Keller: Château Beychevelle 1961 – dürfte noch besser, als 2003 gewesen sein. Diese Flasche hat heute einen Wert von rund CHF 300-400 – wow! Überhaupt nicht, spekulieren sie lieber mit Aktien, als mit Wein. Über 40 Jahre dürfte die Rendite von Aktien im Schnitt höher sein als 5 – 6 Prozent. Bei Aktien zahlt es sich aus, früh im Leben damit mit sammeln anzufangen. Aber wie beim Wein, bei einigen Aktien kann die Qualität im Alter auch abnehmen. Fragen sie uns – beruflich über Aktien und bei Wein der Vorlieben und des Preises wegen, lieber über andere, mehrheitlich nicht aus dem Bordeaux – dem Preis und der Qualität wegen.

Übrigens, mein erster Wein war ein Bordeaux – ein Sauternes. Das allerbilligste Getränk damals im Bahnhofbuffet von Bordeaux – billiger als Mineralwasser! Dann folgten zusätzlich die Roten, vorzugsweise aus dem Haut-Médoc. Meine erste Aktie war Young Boys, die zweite Swissair – die einen brachten Verlust, aber es gibt sie noch und die andern über alles gesehen stolze Gewinne, trotz schlussendlichem Konkurs. Ja die Zeiten und Vorlieben ändern – beim Wein und bei börsenkotierten Unternehmen – und die Erfahrungen bleiben.

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