Waldameisen

Am Waldumgang in Schmiedrued berichten wir über Waldameisen und schauen uns einige Kolonien an.

13 000 Ameisen sind weltweit bekannt, in Europa 200 – nicht einzelne, Ameisenarten. Im grossen Ameisenhügel bei uns leben alleine genau 765 432 Ameisen – wir haben sie gezählt. Spass beiseite, aber es sind pro Hügel etwa 800 000 Ameisen.  Je nach Art kann diese Zahl stark variieren. Bei der Untergruppe der Waldameisen sind 297 Arten bekannt, wovon gut die Hälfte in der Paläarktis (Altarktis) zu finden sind – d.h. auf der europäischen Platte, also Eurasien inkl. der Sahara und des Himalajagebirges. In Deutschland gibt es 23 Arten von Waldameisen. Die ältesten fossilen Ameisen-Funde stammen aus der Kreidezeit und werden auf ein Alter von relativ jungen 100 Millionen Jahren datiert.

Der am einfachsten zu findende Ameisenhaufen auf dem Weg zur Hochrüti.

Wer sich intensiv mit Ameisen auseinandersetzen will und die obigen sehr ausführlichen Links nicht ausreichem dem sei das Ameisen-Wiki mit weit über 500 Beiträgen empfohlen. Nachfolgend nur einige Details.

Bei den Waldameisen gibt es vier Gruppen. Die Sklavenameisen gründen als einzige selbständig Kolonien – der eindeutigere Name dafür ist «Volk» oder auch Staat. Die drei andern Arten nisten sich bei den Sklavenameisen ein und ihre Ausbreitung erfolgt über die Zweignestbildung. In einem Ameisenhausen können also verschiedene Arten anzutreffen sein.

Ameisen sind sehr nützlich fürs Ökosystem, obwohl sie in Gärten oder Häusern meist nicht sehr beliebt sind. Sie sammeln Samen und das ist auch ein Grund, wieso plötzlich nach dem neu angesäten Rasen auch in den Lavendelstauden solcher zu spriessen beginnt. Meist verteilen sie aber, wie jeder Hobbygärtner weiss, vor allem die gehassten Unkräuter, obschon die auch ihre Daseinsberechtigung haben. Sie sorgen auch dafür, das Brachland oft sehr schnell überwachst und beugen so der Erosion vor. Für Tulpenzwiebeln die plötzlich im Garten an einem ganz andern Ort wachsen, sind meist aber Schermäuse oder Maulwürfe verantwortlich. Und diese fressen gelegentlich auch Ameisen. Bei vielen Vögeln stehen die auch auf dem Speiseplan. Beim Mähen freigelegte und aufgerissene Ameisennester locken, wenn sie Glück haben,  den Vogel des Jahres – den Buntspecht – oder vor allem den Grünspechten zum Fressen an. Fleischfressende Pflanzen lieben Ameisen.

In einigen Ländern werden Ameisen auch von Menschen gegessen, aber die meisten Rezepte mit Ameisen sind durch Schockostreusel gefälscht. Solche fressen auch Ameisen, meist Allesfresser.

Eine Kolonie der «Hügelbauenden Waldameisen» kann an einem Tag mehrere Millionen Insekten erbeuten, darunter auch viele Schadinsekten, und trägt so zur Gesundheit des Waldes bei.

Frisches Aas wird von Ameisen auch gesammelt und sie ziehen mit dem Protein hauptsächlich die Larven auf, selbst fressen sie mehrheitlich Kohlehydrate (Zucker). Sie können auch Läuse halten oder transportieren diese zu geeigneten Pflanzen – bei uns oft zu allen möglichen Platterbsen. Und wenn die Läuse sich von der Pflanze ernährt haben, so melken die Ameisen den Nektarsaft.

Wenn ihr selbst Ameisen züchten wollt, dann ist das zu Hause möglich. Nur aufgepasst, rund 90% der Ameisen in der Schweiz sind geschützt. Sie können die Ameisen und Zubehör in einem Shop kaufen oder an einer Ameisen-Auktion ersteigern – fast eine Ameisenbörse. Die Ameisengilde trifft sich auf Ameise.net.

Auf dem Gebiet der Ameisenfortpflanzung gibt es noch viel zu forschen. Es gibt Teilgebiete, die noch praktisch unerforscht sind. Geschlechtstiere haben Flügel und zumindest die Königin stösst diese nach dem Hochzeitsflug ab. Wie kann eine Königin erkannt werden? Hauptmerkmal ist nicht die Grösse, sondern der grosse Thorax, der den Kopf mit dem Unterleib verbindet. Vermutlich ist die Altersbestimmung bei Ameisen, die zwischen 3 Monaten und 30 Jahren alt werden können, nicht ganz so einfach.

Ameisenköniginnen können auch polygam resp. polygyn sein, das bei vielen Völkern ein Überleben des der Kolonie sichert, nachdem die Königin gestorben ist. Ansonsten geht der Staat zu Grunde. In einem Waldameisen-Haufen können bis zu 5000 Königinnen leben.  Superkolonien und dass eine Ameise bis zum vierzigfachen ihres Körpergewichtes schleppen kann, regen manchen zu Horrorgedanken oder Ameisenfilmen an. Die grösste bekannte Kolonie steht (stand?) in Japan, dort sind 45 000 Nester auf 2,7 km3 angesiedelt und untereinander verbunden und es leben dort rund eine Million Königinnen.

Die roten Waldameisen scheinen zur Zeit in der Schweiz nicht mehr gefährdet zu sein, aber beachten sie, dass das aktuelle Material des BAFU aus dem Jahre 1994 stammt – 45 von 132 Ameisen Arten in der Schweiz sind auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten in der Schweiz. Die Waldameisennester lässt man unverändert. Und wenn sie im Haus Ameisen ohne Gift bekämpfen wollen, müssen sie allenfalls zuerst die Art erkennen.

Ameisen scheinen ganz zufällig rum zu laufen. Sie versuchen aber, Wege zur Nahrung und zurück ins Nest zu optimieren. Das ist eine nicht wirklich effektive Methode, denn wenn eine Ameise kommunizieren könnte, dass das Futter z.B. 40 cm gerade aus sei, müssten sie nicht fast kreuz und quer durch die Landschaft laufen. Sie können aber nur mit Duftspuren markieren. Diese Arbeitsweise wird aber in der heutigen Computerforschung auch bei der Turingmaschine, der Ameise, eingesetzt. Mit dem Ameisenalgorithmus werden so zum Beispiel Buseinsatzpläne oder Vertreterbesuche optimiert.

Rein theoretisch könnte man einen Ameisenhügel auch zum Entkalken von Kaffeemaschinen oder zum verleimen von Kunststoffen missbrauchen.  Dank der Ameisensäure. Diese wurde vor allem früher als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet. Sie brennt und nicht der eigentliche Biss der Ameise. Wenn sie etwas näher ran gehen, so sehen sie bei den fressenden und beissenden Ameisen ganz deutlich, dass sie acht oder mehr Zähne haben und der dritte wesentlich kleiner ist und der vierte viel grösser als die andern.

Ameisen sind Störzonensucher und befinden sich fast immer auf Kreuzungen von Wasseradern und teilweise auch auf geologischen Verwerfungen. Nicht einmal der Geruch von Lavendel lässt sie abhalten, mitten in einem grossen Lavendelbusch in Schmiedrued einen Ameisenhügel zu errichten. In Ostbayern gibt es den Brauch, vor dem Hausbau auf dem Baugrund Ameisenhaufen zu vergraben. Nur wenn sie wegziehen, ist der Baugrund schlaf- und wohntauglich.

Lassen sie sich überraschen, was es mit dem Handy und Elektrosmog auf sich hat. Und wer Lust hat, kann selbst einmal mit einem Tensor, einer Wünschelrute, die Störzonen erkunden und schauen, wo sie sich treffen. Jemand, der noch nie eine Rute in der Hand hatte, löste diese Aufgabe mit Bravur. Dieser Ameisenhaufen eignet sich besonders gut, denn er ist fast rundum einfach zugänglich.

Ameisen können auch als Warner vor Vulkanausbrüchen «angestellt» werden. Sie reagieren auf 0,1 Grad Temperaturveränderungen und diese sind in Spalten, Verwerfungen eher zu messen und ziehen die Ameisen an. Sollte minim Gas austreten, stellen sie dies fest und verlassen die Nester.

Sollten sie jetzt noch Lust haben, wesentlich mehr über Ameisen zu erfahren, dann nehmen sie sich einige Stunden Zeit. Viel Spass …

… «Gegen den Rat ihrer Freunde heiraten eine Ameise und ein Elefant. Wie sie zum ersten Mal miteinander schlafen wollen, erleidet der Elefant eine Herzattacke und stirbt. Meint die Ameise: «Son Scheiß. Fünf Minuten Spaß und jetzt darf ich für den Rest meines Lebens ein Grab schaufeln…» … und noch einige Witze.

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