Wahrscheinlichkeitsrechnung


Wie lange dauert es, bis ein Gerät in die Reparatur muss? Grob gesagt, immer weniger lang.

Hier eine löbliche Ausnahme. Bei meinem Zeiss-Fernglas ist die Garantiefrist abgelaufen. Das Gerät musste nie eingesandt werden. Ja vielleicht würde es etwas bringen, wenn man das Gewinde zur Schärferegulierung etwas nachfetten würde. Und die Gummikappen sind auch schon etwas morsch. Vermutlich gibt es bei Zeiss sogar noch Ersatzteile, welche heute in recht vielen Branchen für Konsumgüter nicht mal mehr in der Garantiezeit erhältlich sind. Die Garantiedauer umfasste sagenhafte 30 (dreissig) Jahre. Das ist Qualität.

„Teure Fernseher gehen häufiger kaputt“, schrieb CommputerBild.de und der K-Tipp lieferte gleich noch die Rangreihenfolge dazu. „Ein Drittel der Medion-Geräte stieg innert fünf Jahren aus.“ Bei meinem Medion-Navigationsgerät scheine ich ja noch Glück zu haben. War ja auch nicht so teuer und ein einfacherer Kleinst-Bildschirm.

Rechnen sie doch mal die Wahrscheinlichkeit aus, ein Gerät zu haben das schon in den ersten zwei Monaten aussteigt, wenn 35 Prozent aller Geräte dieser Marke nach 5 Jahren einmal ausgestiegen sind. Dann rechnen sie bitte weiter, wenn das gelieferte Ersatzgerät schon bei der Lieferung nicht richtig läuft. Bei einem Drittel an Ausfällen, dürfte es jeden 9. Kunden treffen, der dann spätestens in fünf Jahren den zweiten Ausfall zu verzeichnen hat – immer vorausgesetzt, er hat sich wieder ein Gerät der gleichen Marke zugelegt.

Schade, dass sich heute einige Firmen ihren aufgebauten Namen kaputt machen. Eigentlich müsste man in der Fernsehbranche „viele Namen“ und nicht nur „einige“ schreiben. Philips z.B. ist heute mit 20 Prozent Ausfällen gelistet. Mein alter Philips läuft zum Glück noch, damit ich doch ein brauchbares Bild habe und mit Ton ohne schwerwiegende Ausfälle versorgt werde. Und dann habe ich noch ein Grundig-Gerät, aus Philips-Zeiten. Beide nicht tot zu kriegen. Zumindest die alten Röhrengeräte. Die Namen und vor allem Besitzer sind eher etwas für die Wirtschaftsgeschichte.

Bei der Wahrscheinlichkeit wann mein vor über drei Jahren eingelieferter Fernseher entschädigt wird, wage ich mich aufs Glatteis. Über drei Jahre unzählige Telefonate, Briefe und Mails via Xing zu einem Verwaltungsrat und CEO lassen stutzig werden. Wahrscheinlich möchte Letzterer nicht unbedingt, dass die Geschichte meines LCD-HD-APS-PIP-PAP-PAT-OSD-SRS-Flachgeräts veröffentlich wird. Zwei Mitarbeiter haben mir erwähnt, dass mein ursprüngliches Gerät sicherlich weiterverkauft wurde. Media und Saturn lassen grüssen – dort wurde er nicht gekauft.

Vielleicht sind für einige Leser die einschlägigen Gesetzesartikel nützlich- hier OR 206 und OR 208. Im weiteren wäre noch erwähnenswert, dass die bezahlten Kosten für das TV-Signal mit meinen Röhrengeräten nicht ausgeschöpft werden können. Von Nutzen gemäss 208 1 scheint da nichts übrig zu sein, eher von Zusatzschaden. So zumindest „mein juristisches Gewissen“.

Nur noch soviel zu unserer Beruhigung. Den Titel habe ich nicht im Kundenportfolio. Er hat in den letzten Jahren rund 2/3 eingebüsst und gehört heute mehrheitlich Lenovo, dem grössten chinesischen PC-Hersteller der Volksrepublik China, der vor sieben Jahren die Personal Computer Sparte von IBM übernahm.


Aktuell bei libref. – liberal reformiert: „Der letzte Flug“

Aktuell beim befreundeten Personalblog: „Die Börsen feiern – Spanien drängt sich unter die Haube“

Vor einem Jahr im Finanzblog:
„Langfristig heisst nicht langweilig“

Vor 2 Jahren erschienen:
Ethik ist wie Regenwetter – unangenehm aber bitter nötig

Vor 3 Jahren erschienen:
Die notwendige schöpferische Pause

Vor 4 Jahren erschienen:
«So schlimm wie Asbest» – Nanopartikel

Vor 5 Jahren erschienen:
Das Finanzblog mal als «Katzenblog»

Vor 6 Jahren erschienen:
Eindrücke von der Intersolar

Vor 7 Jahren erschienen:
Guru, Cash, Borsalino und Spielberg

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5 Gedanken zu „Wahrscheinlichkeitsrechnung“

  1. „(…) Alles was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch.)“

    René Descartes

    Als ein Hersteller für Präzisions-Elektromotoren den Auftrag bekam, für eine Minikamera den Motor zu liefern, wurde schliesslich um den Preis gefeislcht. Der Kunde wollte nicht einen Motor, der mindestens 450 Std seinen Dienst versah, sondern einen, der garantiert 15 Std hielt! Die Entwickler standen vor der Aufgabe, das hochwertige Produkt preiswerter zu produzieren, was fast einer Neuentwicklung gleich kam. Das einzige was interessierte, war der hohe Wirkungsgrad und die ausgeglichene Kommutation. Es konnten also keine minderwertigen Magnete, oder Lager oder Wellen usw. verwendet werden. Am Schluss der Übung garantierte man einfach die 15 Std. Am Motor wurde kein Geld verdient. Aber einem neuen Kunden ein Problem gelöst. Die Überlegung des Kunden war die: Wer über 15 Stunden Super-8-Filme verbraucht hat, der träumt längst von einer neuen Kamera!

    Mit Schmalfilmkameras
    können 18 und 24 Bilder pro Sekunde aufgenommen und mit einem
    Schmalfilmprojektor wiedergegeben werden. In den
    Super-8-Schmalfilmkassetten sind 15,2 m oder 60 m Film untergebracht (60m gabs, damals gerade noch nicht).
    Bei 236 Bilder pro Meter und einer Aufnahmegeschwindigkeit von 24
    Bildern pro Sekunde ergibt sich bei der kleineren Filmkassette eine
    Aufnahmezeit von 2,5 Minuten (3 Minuten bei 18 B/min), bei der größeren eine von 10 Minuten.

    15×60 /3 = 300. 300 Kassetten à Fr. 8.- (Annahme) = 2400 Franken. Die Kamera kostete damals ca. Fr. 500.- . Sie musste dem breiten Publikum zugänglich sein. Wer den mehrfachen Preis der Kamera für Filmmateriel ausgegeben hat, will sich die nächst bessere Kamera beschaffen…

    Produktehersteller betreiben grossen Aufwand, um mittels Wertanalyse die Lebensdauer hrer Erzeugnisse zu begrenzen (Aufwand so viel als nötig)! Darum „leben“ Kühltruhen und -schränke höchstens 8-10 Jahre. Im Haus meines Grossvaters gibts immer noch einen Kühlschrank, der fast 50 jährig und funktionsfähig ist. Wieviel Strom der frisst, weiss ich nicht!
    Ich habe kürzlich einen Toaster entsorgt. Während über 40 Jahren war dieser zuverlässig im Einsatz! So etwas gefällt den Wachstumspredigern und Innovations-Evangelisten nicht! ;-))

  2. ja so ist das. eigentlich müsste man in dem zusammenhang noch einen extra artikel über „planned obsolescence“ schreiben, also darüber, dass die hersteller – wie odh schreibt – extra geräte herstellern die kaputt gehen. so gibt es zum beispiel sollbruchstellen, oder – was bei druckerherstellern schon nachgewiesen wurde – (auch bei Cannon womöglich??), dass der chip im drucker darauf programmiert war, nach etwas über 2 jahren den dienst zu versagen… eine frechheit, die den reichen aktionären geld in die taschen bläst und den mann auf der straße, der sich nicht wehren kann, ausnimmt.

  3. … ja, da wäre noch das Übersetzungsgerät von ALDI – 6 Sprachen, je 20 000 Wörter – läuft gerade mal für einige Wörter, dann gibt es den Geist auf. Wann sieht ALDI ein, dass er im Nonfood-Bereich die gleichen Massstäbe wie beim Food setzen sollte?

  4. Also ich habe mir vor Kurzem einen günstigen Fernseher gekauft und bin absolut zufriedem mit dem Gerät. Es ist ein 47″ LED-TV und der hat mich 299 Euro gekostet. War ein Schnäppchen im ProMarkt und wenn der nach 3 Jahren kaputt geht, hat er mich „nur“ 100 Euro pro Jahr gekostet und das ist doch eigentlich völlig in Ordnung!

  5. Das ist genau der Beweis der Wahrscheinlichkeitsrechnung – man versucht die Eintretenswahrscheinlichkeit vorherzusagen – und in diesem Fall, wo sie nicht eingetreten ist, hat derjenige eben Glück gehabt.
    Wenn 1/3 in den ersten fünf Jahren Pech haen, dann haben 2/3 Glück. Wobei das technisch gesehen eine grundlausige Rate ist. Ich besitze seit über 40 Jahren eigene Fernsehgeräte und habe zuvor noch nie ein defektes gehabt. Alle hat man entsorgt oder weiterverschenkt, weil sie zum alten Eisen gehörten. Den einzigen Fernseher, den ich mal in die Reparatur brachte, war von einer betagten Kundin … und solche Sachen gehören zu meinem Gratisservice als Vermögensverwalter.

    Zufälle soll es ja nicht geben. Ueber diese Dame habe ich gestern mit einem ehemaligen Stadtrat der Durchschnittsstadt gesprochen und vor einigen Minuten obigen Link herausgesucht. Sie wurde im historischen (histerischen) Jahrbuch von Langenthal falsch interpretiert. Ja, die Historik scheint mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung verlinkt zu sein. Ja, nur 8 von 9 heutigen Medion-Geräten gehen innert fünf Jahren nicht mindestens zweimal in die Brüche.

    Uebrigens, der Fernseher der „Alten Dame“, die schon jahrelang verstorben ist, läuft immer noch. Einige wenige Wochen pro Jahr in einem Ferienhaus. Ich wurde von den Erben beauftragt, für Sachen, die sie nicht wollten, die sinnvollste und für sie günstigste „Entsorgungsart“ zu wählen.

    Ja, ich mache auch Hausräumungen … die letzte gestern.

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