Vier Jahre Bullenmarkt – naht das Ende?


«An den Börsen jagt ein Rekordhoch das nächste, und Unternehmen überbieten sich mit Ankündigungen von Übernahmen. Einiges deutet derzeit auf einen bevorstehenden finalen Gipfel hin …

ra. Die Hausse nährt die Hausse, heisst es. Diese sprichwörtliche Erfahrungstatsache, mit der eine Marktphase beschrieben wird, in der steigende Aktienkurse das Publikum zu weiteren Käufen veranlassen, wodurch sich die Hausse weiter verstärkt, kennzeichnet in der Regel die letzte Phase eines Bullenmarktes … weiter in der NZZ Online …»

… auch die NZZ weiss nicht, wann dies eintrifft. Niemand weiss dies. Die Börse kann im Prinzip jeden Tag drehen – in allen vier beschriebenen Phasen. Nur sind die Phasen auch erst im Nachhinein erkennbar. Wer in Phase eins kauft, wird immer verschriehen, da die Börse ja noch lange weiter sinken werde. Dem ist meistens so, weil praktisch keiner bei den tiefsten Preisen kaufen kann. Und die Warnung der NZZ gilt vielleicht auch für die, die nie auf dem Höchst verkaufen können, aber relativ spät eingestiegen sind. Die Überlegungen der NZZ sind ernst zu nehmen.

Einiges schliesst zwar darauf, dass es noch eine Zeitlang weiter gehen dürfte. Der Wirtschaft geht es immer noch gut – amerikanische Immobilien hin oder her. Amerika ist nicht das «Allein-seelig-machende». Wie viel hat der Dow Jones gegenüber alten (mehrjährigen) Höchstständen gewonnen? Jetzt rechnen sie das noch mal mit dem USD-Kurs nach – einfach DJ mal USD. Da dürften für Leute, die im CHF denken noch runde 20 Prozent fehlen. Zudem sind die «Hausfrauen» noch nicht extrem in Gerede, am Chaten, was man jetzt kaufen müsste. Die Jungen und jungebliebenen Risikofreudigen haben immer schon gekauft – nur jetzt können sie sich über das Internet viel mehr austauschen. Deshalb lassen sie diesen Punkt mal links liegen – vergleichen können sie dann in einigen Jahren bei der folgenden Hausse. Und vielleicht wäre es nicht mal schlecht, wenn sie in der Zwischenzeit nichts gemacht haben, einfach dabei geblieben sind.

Die NZZ erwähnt eine wichtige Kennzahl, die heute in einigen zum Teil schreiersichen Medien fehlt, das KGV. Buchhaltungsvorschriften hin oder her, am Umsatz ist noch nie jemand reich geworden, immer nur an dem, was hängen blieb. Und der letzte Grund, der bisher zu anderen Hausseenden fehlt. Die Börsengänge fehlen noch in wesentlich grösserer Zahl. Das war bisher das beste aller Zeichen – aber es kann ja mal anders sein, wir wissen es halt eben doch nicht. Dann gibt es einen Katzenjammer … und morgen, was über Katzen.

3 Gedanken zu „Vier Jahre Bullenmarkt – naht das Ende?“

  1. Äh, wo bitteschön sind die vier Jahre Bullenmarkt? Ich dachte nach dem Totalabsturz von 2001 bis 2004 wären es erst drei Jahre;)
    Ein wichtiger Grund für die lange Hausse ist die Ersetzung der New Economy durch die Old Economy sowie eine Korrektur der permanten wirtschaftspolitischen Fehlentscheide, die in den 90er Jahren gemacht wurden.
    Meines Erachtens sollte viel genauer untersucht werden, wie Konjunkturzyklen tatsächlich entstehen. Ich bin mir sicher, dass das etwas mit dem opportunistischen Verhalten der Anleger zu tun hat und weniger mit irgendwelchen unerklärbaren Kräften, die sich in volkswirtschaftlichen Gleichungen und ominösen Krankheitssymptomen wie bspw. einer Dollarschwäche widerspiegeln.

  2. … Zahlen darf man nie zu genau nachrechnen, schon gar nicht, wenn diese nachgeplappert werden. Aber irgend eine Begründung findet man immer. Wo fängt Phase 1 an? Der Artikel wurde mir von einem Kollegen zugesandt und es gibt in meiner Sammlung einige, die zitiert wurden und ab und zu mal im zweiten Teil öffentlich diskutiert wurden.

    Ich vermute, dass sie deutlich jünger sind als ich. Sie schreiben von Totalabsturz – ich von der Old Economy habe das eher wie eine Korrektur empfunden. Es war eine harte Zeit und die kommen immer wieder. Einer meiner Kunden hat «durchgezogen», praktisch keine Courtage für Banken gemacht und hat seinen damaligen Wert vervielfacht. Dank der Erkenntisse die es zwischen der alten zur neuen Ecconomy ausfindig zu machen gilt. Das ist alles andere als leicht und viele Schlagwörter helfen da auch nichts. Fehler hat man immer gemacht (Schreibende nicht ausgenommen) und trotzdem erstaunlich, dass es immer noch vorwärts geht.

    Und übrigens, meiner Meinung nach war die Korrektur Anfangs 2003 und nicht im 2004 – aber so akademisch wollen wir das nicht nehmen. Bleiben wir bei der Praktiker-Methode – 2003, 2004, 2005, 2006 und 2007 – sind es nun schon fünf Haussejahre?

  3. Von den unterschiedlichen Gründen, warum die Hausse weitergehen soll, finde ich den letzten vielleicht am spannendsten und womöglich am relevantesten: das Papierangebot wird nicht so ausgeweitet wie etwa Ende der 90er. Eine Menge Indikationen deuten sogar in die entgegengesetzte Richtung: Aktien werden en masse zurückgekauft.

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