Wenn einer eine Reise in die Freiheit tut


Mannigfaltige Gründe veranlassen mich, eine Reise zu tun. Geschäft, Familienanlass im Ausland, Besuch von Freunden, Ferien, Reiselust, letzte Reise in die ewigen Jagdgründe usw. Damals lud uns der ältere Sohn zu sich ein. Er stellte uns seinen Schatz vor. Später reisten wir wieder hin, zur Hochzeit. So lernten wir Singapur und auch etwas von Malaysias Ostküste am chinesischen Meer kennen. Der jüngere Sohn stiess mit seiner Frau aus Canada auf der Pazifikroute zu uns. So umkreiste unsere Familie praktisch gleichzeitig im „Teamwork“ den Globus.

Wenn einer eine Reise tut, dann vielleicht nur, um seinen Freiheitsdrang zu befriedigen. Er entflieht in die Freiheit, oder er befreit sich von widerlichen oder belastenden Umständen. Die Motivation sucht ihre Kompensation.
Das ist ein Bedürfnis der inneren Freiheit. Funktionell versucht die Psyche, das „Danfossventil“, im unterbewussten Bereich den Ausgleich zu schaffen.

Eine „versilberte“ Reise bringt Erkenntnisse, Abstand zum Alltagstrott und wirkt wie Dünger in der grauen Masse.

Es kann sein, dass ich eine rein geistige Reise tue. Dann allerdings sollen nicht Illusionen dominieren und die gute alte Zeit nehmen wir als Erfahrungsschatz mit, mehr nicht.

Als Bürger eines „freien“ Landes stelle ich fest, dass ich gar nicht so frei bin, weil alles und das letzte geregelt ist.
Als persönliche Freiheit bleibt vom gesamten Handlungsspielraum, abzüglich der vorhandenen Einschränkungen, zum Beispiel physische, rechtliche materielle/ökonomische oder moralische Beschränkungen, nicht mehr viel übrig.

Im Arbeitsprozess ist jemand weitgehend fremdbestimmt, sowohl als Arbeitnehmer, als Vorgesetzter wie als Unternehmer. Als Arbeitnehmer gilt: „Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing‘ „. Als Vorgesetzter ist er nach unten Chef und nach oben Untergebener, also im Sandwich. Dem Unternehmer bestimmen die Kunden, die Konkurrenz und die Globalisierung den Takt. Was wird globalisiert? Der hohe Lebensstandard oder die Armut? Die Kapitalisierung der Renditen oder die Sozialisierung dessen, was keine Gewinne abzuwerfen vermag? Das Gefälle reich – arm? Die Verslumung? Der Stress? Die Ideologie des Stärksten? Das Ökonomische Prinzip in Reinkultur ohne ökologische und ohne soziale Komponente? Die Unternehmung hat ihre eigene Philosophie, besser Ideologie, denn letztlich dient sie der Gewinnmaximierung.

Wer gläubig ist, sieht sich mit Geboten konfrontiert, den Gehirnpickern „du darfst nicht“ (aber man kann!) , „du sollst“ (warum soll ich?). Wer Auto fährt, dem werden viele „Abzockersteine“ an den Wegrand gelegt. Auch werden ihm vermehrt die Parkplätze streitig gemacht. Wer fliegerisch aktiv ist, dem wird bald der Luftraum rationiert und die Bürokratisierung nimmt kein Ende. Den Rauchern werden die Aschenbecher weggenommen, was mich keineswegs stört. Wegen der Mobilität werden immer mehr Strassen gefordert. Der Prozess ist abgeschlossen, wenn jede freie Fläche zubetoniert oder asphaltiert ist. Dafür werden die zulässigen Geschwindigkeiten dauernd herabgesetzt. Der Prozess wird abgeschlossen sein, wenn die Geschwindigkeit Null erreicht ist. Dann erst wird das sinnlose Treiben durch leere Strassen sichtbar werden. Da die Strassen nichts mehr nützen, wird man sie wohl abreissen – um sie später wieder zu bauen…Die Sicherheitsexperten und die Statistiker werden sich freuen. Bei Geschwindigkeit Null, müssen auch die Verkehrsunfälle Null sein.

Wer Politik macht, wird von aussen bedrängt. So meint Frau Bundesrätin Leuthard, die Milliarde an die Osthilfe müsse bezahlt werden, allein schon wegen den guten Beziehungen zur EU. Wenn die Politiker das Volk nach seiner Meinung gefragt hätten, bevor sie Versprechungen gemacht haben, wären sie nun freier im Entscheid – und, wenn soviel bundesrätliche Abstimmungswerbung nötig ist, mahnen die inneren Gefühle zur Vorsicht. Man droht mit Erpressung von aussen, um seine Politik schmackhaft zu machen. Verbreitung von Angst nach dem Muster: Wenn du nicht glaubst, dann hat es Konsequenzen.

„Letztlich verstehe ich unter Freiheit das Vermögen, gegen die Statistik zu handeln (es gibt nur statistische Ursachen); und das wäre in der Tat ein Kennzeichen aller lebendigen Materie“ (Antoine de Saint Exupéry, Carnets)

Kehren wir von unserem „geistigen Ausflug“ oder „Handstand“ zurück zur Realität. Die Arbeit ruft und nimmt mir ein bisschen Freiheit, während sie mir auch welche gibt.

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