2006 – das Jahr der Zahlenakrobatik


Ein Fingerspitzengefühl für Zahlen ist in unserer Branche sehr hilfreich – aber manchmal sind alle überfordert.

Zahlen müssen nicht gleich willentlich gefälscht sein, wie dies bei Panalpina der Fall zu schein scheint. Keiner hat es bemerkt. Die Geschäftsleitung nicht, die Revisionsgesellschaft nicht und die Emissions-Bank beim kürzlichen Börsengang bestimmt nicht, sonst wäre vermutlich das IPO abgeblasen worden.

Gestatten sie mir die Frage, ob ich als Analyst so etwas feststellen kann? Bei Leibe nicht, denn die Zahlen, die wir vorgelegt bekommen, sind meist nicht überprüfbar. Es muss ein Vertrauensverhältnis bestehen. Die Buchhaltung ist eine ganz andere als exakte Disziplin. Und all die Rechnungslegungsrichtlinien können sie nicht kennen. US-GAAP Generally Accepted Accounting Principles oder IAS International Accounting Standards und sie können problemlos einige Tage im Internet surfen und wissen noch lange nicht alles.

Eines weiss ich aus meiner Revisionszeit. Es gibt zwei Sachen, die beim Beurteilen eines Unternehmens interessant zu wissen wären:

die rund 100 letzten Buchungen am Ende des Geschäftsjahres
die rund 10 Buchungen, auf die verzichtet wurde

Zahlen sind sehr oft extrem schwierig zu interpretieren. Sie finden Tag täglich Beispiele, denen sie nicht ganz trauen oder die sie einfach mal so hinnehmen. Bad Reichenhall ist ein trauriges, aber aktuelles Beispiel. In diesem Link wird von einer Belastung von 300 kg je Quadratmeter gesprochen, was einer Schneehöhe von 50 cm entspreche. Das ergibt 600 kg je Kubikmeter – dies würde aber zumindest ganz nassem Schnee oder altem Firn entsprechen. Auf der andern Seite würde das Gewicht von 300kg/m2 rund 200 cm Schneehöhe entsprechen.

Eis, die kompakteste Schneemasse schwimmt, also wird das Gewicht kleiner als eine Tonne je m3 sein und mit frisch gefallenem Pulverschnee lässt sich wie mit Federn spielen. Hier ist es wie bei einem Geschäftsbericht. Es müssen und können nicht alle Zahlen überprüft werden – aber die wichtigsten sollte man annäherungsweise abschätzen können um nicht zu übersehen, dass sie um Potenzen, Faktoren oder Kommastellen daneben liegen. Bei der Schneelast ist die Bandbreite so gross, dass sie ruhig mal annehmen dürfen, dass 10 Newton grob gerundet einem Kilo entsprechen und dass es für die Tag tägliche schnelle Analyse von Zahlen keine Rolle spielt, dass wir nicht von Gewicht sondern eigentlich von Gewichtsdruck sprechen sollten.

Oder anders gesagt:
Misstrauen sie Zahlen, die auf die Kommastelle genau gerechnet sind und eigentlich auf den Tausender genau gerundet sein könnten. Budget, Business Plan, Marktforschung ….

Viel Spass all denen, die jetzt wieder die transitorischen Buchungen in Angriff nehmen. Wie bucht man jetzt …? Das ist eher nebensächlich, am Schluss muss es nachvollziehbar, belegbar und der Wahrheit entsprechen, ohne dieselbige frei zu interpretieren. Und übrigens, die Kaffeepreise werden immer noch 100-fach zu teuer gemeldet.

Schnee Simplon-Dorf

… so sehen 250 cm Pulverschnee nach rund einer Woche aus. März 1980 – 10 Tage in Simplon-Dorf (1500 m) von der Aussenwelt abgeschnitten – weitere Bilder bei Visipix

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert