"Der Wind, der Wind, das himmlische Kind"


Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen!“. Geplante Windkraftanlagen auf unserem Hügelzug fordern Geisten und Hexen heraus.

Auf Energie verzichten tun die wenigsten und wenn, dann kauft man einen neuen Fernseher auf die Fussball-WM und rühmt sich, dass der weniger Strom verbraucht. Nur, graue Energie wird weggeworfen und neue hingestellt. Ökonomisch garantiert nicht sinnvoll, ökologisch vermutlich auch nicht. Dies mit einer Ökobilanz korrekt auszurechnen ist schwieriger als Betriebsbuchhaltung – eine Finanzbuchhaltung ist dagegen fast reines Nasenwasser.

Und genauso kompilziert ist die sachliche Beurteilung von Vor- und Nachteilen bei Windkraftanlagen. Stellen sie sich vor, die NAGRA würde morgen zu einer Diskussion über ein Endlager bei uns aufrufen. Da wären die Dispute noch grösser, die Notwendigkeit gar nebensächlich. Lieber Sankt Florian, zünd das Haus des andren an. Oder auf Neudeutsch „Nimby“ – „not in my backyard“ und in einer Gegend, die nicht exakt dem Schweizer Durchschnitt entspricht.

Nicht nur Militärflieger machen Lärm, auch Verkehrsflieger. Am schlimmsten der „Postflieger um 23.10 Uhr“, der stark beladen ist und daher tief fliegt. Beruhigend, dass wir nicht in der Nähe des Nachtpoststern wohnen. Und dann die vielen Lastwagen, die durchs Dorf rasen. Saulärm. Uns fällt das auf, weil dazwischen meist minutenlange Ruhe herrscht. Wenn ich es mir so überlege, müsste man die Autobahn am Grauholz verbieten. Die stört mich, wenn ich bei meiner Partnerin bin. Die teilweisen Lärmschutzwände helfen nicht überall – ein Summen bleibt und Martinshörner sind warnehmbar. Eigentlich müsste man Autobahnen ganz verbieten oder nur zu Geschäftszeiten. Lastwagen auch. Postautos auch?

AIR14-Payerne-Postauto

Es ist sicher nicht meiner Ironie zu verdanken, dass dieses Postauto, welches für die Luftshow Air14 in Payerne, in diesen Tagen bei uns anzutreffen ist.

Infraschall ist im Spiel bei Windkraftanlagen. Tiefe Töne, die Menschen nicht mehr hören, bei entsprechender „Un-Lautstärke“ aber fühlen können. Mit Johann Sebastian Bachs „Toccata und Fuge d-moll BWV 565 habe ich in meiner Jugendzeit ein Bierglas zerborsten. Ungefährlich ist Schalldruck sicher nicht. Sie können mit tiefen Tönen ausprobieren – geht vermutlich bis 8,5 Hz hinunter. Nur bei dieser Aufnahme hören sie zumindest gegen Schluss garantiert nur die Obertöne.

Ottensoos – dieses pdf wurde mir zugestellt. „Gewisse Bedenken hat das ausgelöst“. Nur ich weiss, von wem ich dieses Mail erhielt. Das Flugblatt „Keine Windkraftanlage auf dem Kulmerauer Berg“, das vermutlich in alle Briefkästen im Ruedertal verteilt wurden, enthält fünf Warnungen – und keinen Absender! So gefährlich scheinen mir die vier Windräder nicht zu sein, dass man wie die Resistance aus dem Untergrund operieren muss. Das gibt einmal 100 Minuspunkte. Schön ist aber, dass ich den „Kulmerauer Berg“ genau zweimal im Internet gefunden habe – mit einem interessanten Buch – „Der bernische Aargau und die Grafschaft Baden„.

Flugzeuglärm, Schiesslärm – da kann man die Auswirkungen genau messen – und wer unverschuldeterweise „Pech“ hatte, hoffentlich mit einem Hörgerät korrigieren. Über solche Tatsachen hält man sich in unserem unpolitischen Tal nicht auf. Natelantennen, an die hat man sich gewöhnt. Das Feldschiessen müsste beim Krach der Traktoren kaum um die Ecke stattgefunden haben. Hat das einer gehört? Das Sturmgewehr SG 550 erzeugte ursprünglich beim höchsten Staudruck einen Schalldruckpegel von 165 dB. Maximal 120 bei einem Windkraftwerk an den Flügelenden gemessen, an der Nabe bis 107. Und der Pegel ist logarithmisch und nicht linear. Auf 500 m im Vergleich wie ein leiser PW. Das nur bei Spitzenbelastung und in der richtigen Richtung, denn der Schall wird garantiert nicht in alle Richtungen gleich abgestrahlt.

Das alles rein theoretisch bei Windstille und da dreht sich ja das Rad gar nicht. Also Windgeschwindigkeit, -Richtung, Kanzelform etc. einberechnen und vielleicht hilft ihnen die Ströhmungslehre hier weiter. Und immer schön die entsprechenden Kenntnisse in dB angeben. Und dann noch berücksichtigen, dass beim erwähnten Ottensoos, die Landschaft eher flach ist und das Dorf einen „geballteren“ Charakter hat. Hörbarer Schall oder unhörbarer Infra- oder Ultraschall wirken sich auf die angesprochene Gesundheit vermutlich gleich aus. Hörbarer ist allenfalls lästig. Im Kühlturm von Gösgen zu stehen ist wärmer, feuchter, viel lauter und etwas beunruhigender, als unter einem Windkraftwerk zu stehen. Achtung aber auf Eisbomben und andere Gefahren, die hier entstehen können.

Lauter Gefahren? Risiken gibt es überall. Ich glaube, dass Windräder weniger schlimm sind, als Kernkraftwerke oder Kohlekraftwerke. Und vielleicht sind gerade Windräder ein Anziehungspunkt für Touristen. Der Mont Soleil macht es vor. Das ist eine Touristenattraktion geworden. „Mach doch ein Hotel in der Hammerschmitte“ hat kürzlich einer zu mir gesagt.

Beim erwähnten Flugblatt ist zumindest keiner aus dem Vorstand des Natur- und Vogelschutzvereins zuständig. Wir haben es gestern an der Vorstandssitzung diskutiert. Eigentlich ist von uns auch keiner gegen Windkraft. Und wer sich weiter einlesen will, dem empfehle ich die „10H-Regel“ vom bayrischen Ministerpräsidenten Seehofer.

Die Handantennenstrahlung war vor ein paar Jahren verniedlicht worden – siehe unten. Vermutlich geschieht heute das Gegenteil. Schwer zu beurteilen. Die Geschichte wird es vielleicht lösen. Zumindest bei Grimm wurde die Hexe verbrannt, die Kinder fanden Schmuck und Gold, der Vater wurde reich und die böse Mutter …?


Aktuell bei libref. – liberal reformiert: „Liebe Götter, steht mir bei!“

Aktuell beim befreundeten Personalblog: „Geld holen, wo es welches hat – das Geld der anderen.“

Vor einem Jahr im Finanzblog:
„444 Kilo Zeitungen für zweihundert Jahre“

Vor 2 Jahren erschienen:
Ich gegen du -oder CHF gegen Euro

Vor 3 Jahren erschienen:
Zig-10’000 Jahre im Zeitraffer

Vor 4 Jahren erschienen:
Ethik ist wie Regenwetter – unangenehm aber bitter nötig

Vor 5 Jahren erschienen:
Schwarze Schwäne oder Vorhersagen sind Unsinn

Vor 6 Jahren erschienen:
Biosprit – der Agrotreibstoff der 2. Generation

Vor 7 Jahren erschienen:
EMS-ige Leute, Mister Schweiz und 2 am Rücken

Vor 8 Jahren erschienen:
1 : 0 für Finanzblog – Gegenteilige Haltung bei Handyantenenstrahlung

Vor 9 Jahren erschienen:
Lärm – Umweltverschmutzung und ethisches Problem – schon damals Thema

© Marti + Partner unabhängige Finanzberatung für KMU’s und Privatpersonen: von der Firmengründung bis zur Sanierung, persönlichen Geldangelegenheiten von der Geburt bis zum Vererben – ökonomisch, ökologisch und ethisch – profitieren Sie von über 40 Jahren Erfahrung in vielen Finanzgebieten. Stephan Marti, Schmiedrued freut sich über Ihre Kontaktaufnahme.

3 Gedanken zu „"Der Wind, der Wind, das himmlische Kind"“

  1. Die gestrige Diskussion im kleineren Kreis war sehr spannend und vermutlich gehe ich heute Abend in den Männerchor und nicht an die Orientierungsversammlung. Wenn wirklich was Neues erzählt würde, erfahre ich dies eh.

    Nur, gestern hätte ich doch wetten sollen. Die Energieeffizienz vom KKW Gösgen ist nicht 5% und 95% geht an Wärme in den Himmel. Rund ein Drittel kann genutzt werden.

    http://www.kernenergie.ch/de/energieeffizienz-_content—1–1260–358.html

    Die Fotovoltaik liege bei rund 5% schreibt swissnuclear. Könnte im Gesamten stimmen – die besten Zellen schaffen einen Wirkungsgrad von 71% der Gesamtleistung mit einer Ausbeute von 5 bis labormässig 40%.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Photovoltaik#Wirkungsgrad

    Dabei ist weder beim KKW noch bei der Fotovolatik die graue Energie berücksichtigt. Zudem hat deren Ausbeute nur Auswirkungen auf den Geldbeutel, wie viel Fläche zur Verfügung gestellt werden muss – Sonne und Wind sind gratis.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *