Luxus – Teil 1 – Zeit und Leben


Luxus – was ist das eigentlich. Auf den übliche Begriff komme ich einmal während der Woche zurück. Luxus kann auch etwas anderes sein. Am Sonntag habe wir bei 34 Grad einige Weine degustiert …

… nur biologische Weine. Aber was ist «Bio» eigentlich. Bio heisst «Leben» und entspricht eher einer Grundeinstellung, denn einer Produktionsart. Beim Wein gibt es zwei wichtige Teile, während der Produktion. Im Rebberg läuft der wichtigste Teil der biologischen Produktion ab – die Trauben wachsen, bis sie gelesen werden. Nur hier, wo die Reben wachsen, sieht man, ob biologisch gearbeitet wird oder nicht. Beim zweiten Teil der Produktion, der Weinbereitung, ist nicht einmal sicher, ob sie mit einem Gaschromatografen feststellen können, ob ein Wein biologisch ausgebaut wurde oder nicht. Nicht biologischer Wein ist weder ungesünder noch ist biologischer Wein besser – gute Weinbereitung vorausgesetzt. Die Nachwelt und die Landschaft hat aber dem biologischen Weinbau zu danken.

Biorebbau bedeutet zumindest in den ersten Jahren Mehrarbeit, die sich aber im Laufe der Zeit durch Minderaufwendungen an Spritzmitteln etc. mehr als nur wettmachen. Immer vorausgesetzt, man vergleicht zumindest ähnliche Rebbaugebiete. Im Keller ist die biologische oder nichbiologische Weinbereitung vom Zeitaufwand in etwa gleich. Auch hier: Gleiches mit Ähnlichem verglichen. Aber worin besteht der Luxus von «bio». Aus Zeit und Besinnung. Bioweinbauern scheinen einen andern Taktgeber zu haben. Trauben brauchen Zeit und der biologische Rebbau ist eher Philosophie, denn eine Geldgier um auf einen aktuellen Trend auf zu springen und Geld zu verdienen. Echter Luxus so zu sagen.

In Barjac findet alle Jahre ein Biomarkt statt. Keine Angst, sie sind nicht ein Jahr zurück versetzt – im Biobereicht hat man eben Zeit. Der Anlass ist in der Agenda zu finden, aber man «schlachtet» die Veranstaltungen noch nicht zum Voraus aus. Das wird sich vermutlich in den nächsten Jahren ändern. Der Biomarkt hier dürfte zu einem Weinmarkt werden – jedes Jahr in etwa eine Verdoppelung der Aussteller. Und zu meiner Freude, ist auch ein «alt-bekannter» Anbieter dabei. Saint Gély – Côtes-du-Rhône. Kein Kleiner und nun auch im Bio-Sektor vertreten. Man hofft diesen zumindest ausbauen zu können – hoffen wir aber, dass die Weine im Preis nicht gross ansteigen – noch zählen sie in dieser Beziehung nicht zum Luxus. Ein anderer recht grosser ist auch dort – eher unsympathisch, rein abschlussorientiert, keine Zeit für Diskussionen. Der Sohn schon, er scheint tatsächlich aus einer anderen Generation zu stammen. Der Wein kommt aus der Gegend des andern Saint Gély- aus dem Pic Saint Loup, so zumindest seine Erörterung. Seine Weine schmecken nach Masse, flach. Sein Ort ist nicht im obigen Rayon verzeichnet und von der Flasche mit dem Pic Saint Loup auf der Etikette, hat er nur noch eine einzige 2001 Flasche – zum Vorzeigen. Die Etikette hat geänder, der Name auch. Ob er es mit dem Bio auch so genau nimmt, wie mit der Appelation?

Kontrolle gibt es eh keine. Bio ist das kleinste Problem, das man hier hat. Am Wein haben sich schon einige die Zähne ausgebissen – sogar Screwpull am einem Hortus. Le Creuset’s Clef du Vin, das noch nicht ganz jeder kennt, liefert weitere Diskussione über Wein … und einige Adressen, die man einmal aufsuchen müsste … Domaine BeauThorey der auch Romane und Weinbücher schreibt und seinen Nachbarn. Besuchen wollte ich den schon, aber da kam ein anderes Weinbaugebiet aus Portugal dazwischen – Wein aus den Azoren. Der Pic Saint Loup sollte auch etwas einfacher zu besteigen sein, als der Pico. Und das ist Luxus – sich Zeit zu nehmen. Etwas zu erleben, weg vom Stress. Für Viele ist Zeit echt Luxus. Aber gestern war es zu heiss, um auf einen Berg zu steigen. Schon fast zu heiss, um einen Abstecher zur Domaine Les Peyrières, zu Beaufort nach Dion oder zu den Vignerons de Tornac zu machen.

Zeit und Besinnung, das ist Luxus. Und wenn wir bei Tornac sind, wären wir schon fast in der Gallerie bei Florac, bei der Dame mit den Menschenrechten angelangt, die wir letzte Woche im Temple beim mythischen Wein in Saint Ambroix getroffen haben und und am Ende den Cuvée Saint Ambroise aus der Monastère de Solan, ein herrlicher Tropfen, jetzt noch eher rot denn Bernstein (ambre). Echter Luxus und etwas Zeit zum Geniessen haben. Oder zum Lesen, auf den Punkt gebracht über Luxus – das nächste mal aber, wieso der erwähnte Satz «Vielleicht verstärkt Luxus die Transformation von Konsum zu einer Ersatzreligion» etwas genauer angeschaut werden müsste. Nicht alles, was mit Bio angeschrieben wird, ist auch lebenswert, Luxus und genau gleich ist es mit der Religion. Und dass man sich auch zuweilen mit Wein die Finger verbrennen könnte, wird morgen ein Thema sein – eigentlich eine Fortsetzung.

Barjac foire au bio

Monastaire de Solan

2 Gedanken zu „Luxus – Teil 1 – Zeit und Leben“

  1. … das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Ich brauche auch keinen Krieg, kein Elend …

    … man oder frau kann auch nicht sagen, dass Luxus im martischen-6-Eck bei den Vorlieben an zu siedeln ist, denn ich habe schon des öfters Aktien aus dem Luxus-Bereich nur der Rendite wegen gekauft …

    … ich kenne keine einzige wirklich perfekte Definition des Begriffes Luxus … das ist an sich ja auch schon Luxus …

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