«Dreckiges Geschäft – moralisch umstrittene Aktien» – 1. Teil


«Geld verdienen mit der Sünde, mit Aktien aus den Branchen Alkohol, Tabak, Rüstung, Glückspiel und der Sexindustrie?»

In der Wirtschaftswoche Nr. 13 (26.03.07) sind zwei Artikel erschienen, die es verdienen erwähnt zu werden.

«Letzte Bastion» von Anselm Bilgri, einem ehemaligen Benediktiner-Pater. Dass dieser Mann voller Wissen und Ideen ist, sehen sie alleine an seiner Firmenadresse www.a-zu.de. Einige Sätze aus dem Interview:

  • «Ich rauche gern Zigarren, trinke gelegentlich Alkohol und war 20 Jahre Chef einer Brauerei.
  • Die Bundeswehr hat ohne Zweifel einen Verteidigungsauftrag, den sie nur mit Waffen erfüllen kann. Die müssen gebaut werden.
  • Wir lassen uns leider zu leicht vom Geld beherrschen.
  • Wenn ich munter gegen mein eigenes Gewissen drauflos spekuliere – offensichtlich rührt sich das Gewissen ja, wenn ich Spenden als Krücke brauche –, dann ist das unehrlich. Seine ethischen Grundsätze sollte man in allen Lebensbereichen durchsetzen.
  • Warum muss es denn unbedingt schnelles Geld sein? Ich kenne Börsensüchtige, die frühmorgens den Rechner anwerfen, um dann mit Papieren zu jonglieren. So etwas ist gefährlich und verdirbt den Charakter. Außerdem sind diese Anleger selten erfolgreich.
  • Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn meine Aktie ihren Kurs innerhalb von einem Jahr verzehnfacht?
    Nein, Sie dürfen sich freuen, denn in der Regel werden Sie dafür zuvor ein hohes Risiko eingegangen sein. Die Gegenleistung stimmt dann.»

Beim letzten Satz gilt es zu beachten, dass das Wort «zuvor» vermutlich auch bei Bilgri «einige Jahre» bedeuten dürfte. Die Sätze sind von ihm, in der WIWO erschienen – könnten aber auch aus dem Finanzblog stammen. Prägen sie sich einige der Sätze ein und sie haben ein genussreiches Leben und verdienen erst noch gutes Geld mit Aktien. Zum Genuss. Den Tabak schauen wir morgen noch einmal an.

Die Liste ausgewählte Aktien zum Bereich Sünde, finden sie im «Holzmedium». Die Frage ist für jeden Einzelnen zu beantworten, was für ihn Sünde ist. Deshalb das martische-6-Eck. Auch bei den Aktien ist etwas Vorsicht geboten, wenn sie welche kaufen möchten. Von den 14 auf der Wiwo-Liste habe ich noch nie welche gekauft. Im Waffen-Sektor Rheinmetall minus 3% (März 06 – März 07), Smith & Wessen +128% und im Sex-Gewerbe Ricks Cabaret +101%, der Link führt auf ihren Ethic-Code oder Erotic Media -47%, dieser Link führt auf die Firmen-Philosophie, das Intro wird umgangen. Jeder muss selbst entscheiden, was für ihn stimmt. Aber bitte, das sind keine Empfehlungen – ich habe sie auch nicht näher analysiert. E-Mail zwecklos – oder sie wollen bei uns anlegen, dann analysieren wir, wenn das ihren Vorstellungen entsprechen würde – der Kunde ist König und sagt, wie weit er gehen würde. Dazu im zweiten Teil etwas über schwarze Listen.

Zu zwei Sätzen von Bilgri habe ich noch eine Zusatzbemerkung:
  • «Ökofonds oder Nachhaltigkeitsfonds bringen schon heute bemerkenswerte Renditen.»
    Wenn es wirklich Fonds sein müssen!
  • «Es ist besser, zu investieren, anstatt zu zocken. Wer investiert, am besten generationen-übergreifend, übernimmt Verantwortung, sowohl für sein Geld als auch für das Projekt.»
    „Am besten Generationen übergreifend“ setzt meiner Ansicht nach eine stattliche Beteiligung oder ein entsprechendes Mitsprache-Recht am betreffenden Unternehmen voraus. Bei grosskapitalisierten Firmen gehe ich entgegen seiner Aussage etwas vorsichtiger um, bei verschiedenen Nebenwerten kann ich den Satz gelten lassen.

lesen sie doch den ganzen Artikel

martische 6-Eck

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4 Gedanken zu „«Dreckiges Geschäft – moralisch umstrittene Aktien» – 1. Teil“

  1. Ethik in Zusammenhang mit gewissen Industrie und Geschäftszeigen zu bringen ist immer heikel.

    Ich bin militanter Nichtraucher dennoch sehe ich nichts unethisches dabei mit Tabakwaren zu handeln oder diese zu Produzieren. Unethisch wäre es, diese im Umfeld von Nichtrauchern zu geniessen und andere somit mit hoher Wahrscheinlichkeit unfreiwillig zum Passivrauchen zu zwingen.

    Ebenfalls sehe ich nichts Unethisches an der Prostitution. Prostitution ist ein Geschäft wie andere auch. Es gibt Resourcen und Kapital (schöne Körper und Geld) und Bedürfnisse (Bedürfnis nach Sex und Lustbefriedigung). Wie gesagt wenn man sich handelseinig wird, dann ist es ein Geschäft, Gefühle wie Liebe und Zuneigung sind da nicht gefragt. Was wäre wohl, wenn es die Prostitution nicht gäbe? Mehr Seitensprünge? Mehr Vergewaltigungen? Und was ist besser? Ein kath. Priester, der zur Prostituierten geht oder einer, der sich an seinen Messdienern vergreift???

    Seien wir mit der Ethik sehr vorsichtig wenn wir sie in den Zusammenhang mit der Geschäftswelt bringen. Es gibt nämlich auch Geschäftsleute, die aus der Ethik ein Business gemacht haben. Vergessen wir das nicht.

  2. … richtig … Ethik interpretiert jeder anders und ich kann mit sehr vielen Anschauungen leben – aber sie müssen (sollten) eine Linie haben. Deshalb habe ich ja den Punkt Ethik auch im martischen 6-Eck.

    Das 6-Eckfunktioniert aber äusserst selten, wenn man fragen würde: «Wie sieht bei ihnen der Anspruch an die Ethik aus?» Einfacher ist es, ganz verschiedene Fragen zu stellen und dann die Antworten zu interpretieren. Ich muss meinen eigenen Massstab haben, damit ich die Leute auch einteilen kann.

    Es ist nicht möglich, die Kunden oder zukünftigen Kunden entscheiden zu lassen. «Welche Zahl, Note geben sie sich in der Ethik bei einer Skala von 1 bis 6?» Ich vergebe nämlich keine Noten und sage wer die bessere Ethik hat. Ich will wissen, was diese Menschen unter Ethik verstehen, was akzeptabel ist, was man nie kaufen würde.

    Aus diesem Grunde sind meine bisherigen Bewertungsschemas im Sand verlaufen. Liquidität ist einfach zu bemessen, das Risiko und die Rendite macht es schon um einiges komplizierter. Es ist vielleicht eine Frage der Zeit, bis sich in der Betriebswirtschaft eine Systematik herausfinden lässt, die den jeweiligen Standpunkt der Ökologie in einer Zahl ausdrücken lässt. Und die Ethik ist noch wesentlich vielschichtiger.

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