Convenience Food


Bei uns stehen so an die zwei Meter Kochbücher und gesammelte Rezepte herum. Alles Ausgaben zum 50 jährigen Jubiläum von Betty Bossi?

Astra Speisefett hat vor 50 Jahren «Betty Bossi» durch eine Werbeagentur erfinden lassen. Die in der Schweiz vermutlich bekannteste Kochtante, war nie geboren worden. Sie wird wohl eingetragenes Markenzeichen beim IGE sein – beim Institut für geistiges Eigentum. Der «arme» Albert Einstein hat ihre bekannten Rezepte leider nie geniessen können. Und er hätte sich vermutlich, als ehemaliger Angestellter des Patentamtes (heute IGE an der Einsteinstrasse 2 in Bern) nie vorstellen können, wie sich diese Rezepte mit annähernd Lichtgeschwindigkeit verbreiteten.

Heute gehört Betty Bossi zur Hälfte dem Medienkonzern Ringier und die andere Hälfte Coop. Die wohl längste Zeit war Frau Bossi für Unilever tätig. Betty Bossi wurde hier angeblich erst 1977 gegründet. Die Familiengeschichte interessiert ja eigentlich nicht so stark, eher der Trend (auch von Betty Bossi) zum Convenience Food, zum Bequemlichkeits-Nahrungsmittel. Damit lässt sich sehr viel Geld verdienen. Nicht bei allen Leuten, einigen sind solche Lebensmittel eher ein Dorn im Auge. Ich selbst kaufe lieber Convenience-Aktien, als deren Produkte.

Es gibt auch Nahrungsmitte, dieser Konzerne, die schon fast herkömmlich sind. Chirat zum Beispiel, obschon es auch in diesem Bereich Feineres gibt, ohne gleich Gurken in Shiraz (gleiche Aussprache wie Chirat) oder Syrah einzulegen. Um sich abzuheben, kann man auch eine Marsanne Noir trinken. Die Vielfalt der Namen spielt keine Rolle. Es ist immer das Gleiche in der Flasche – ein Naturprodukt, das vielleicht im Rebberg mehr oder weniger biologische Spuren hinterlässt.

Convenience Food ist in dieser Beziehung schon unbequemer. Ohne Zusatzstoffe geht hier eigentlich nichts mehr. Schade, aber das ist der Preis der Bequemlichkeit. Die «Tristesse in Schweizer Kochtöpfen» zieht bei uns heute nicht ein, aber die Bequemlichkeit …

Lauch

… der letzte Lauch aus dem Garten – am Sonntag würde eine Marsanne blanc gut dazu passen. Übrigens, bei mir müssen sie keine Betty Bossi Kochbücher ausleihen – wir besitzen keines. Die Uni Kaiserslautern hilft mit Rezepten weiter.

3 Gedanken zu „Convenience Food“

  1. … huch, total verhext. Kommt doch heute meine Tochter und sagt: «Du hast gelogen, wir haben ein Betty Bossi Kochbuch!» Tatsächlich. «Kinder kochen.» Welch makabrer Titel. 1. Auflage 1991 – Geschenk meines Freundes an Gottenkind. Sein anderer Freund arbeitet bei Unilever. Clever, wie früh Werbung stattfinden kann. Schlangen-Würstli – daran erinnere ich mich. Nichts von Schlangen, Menschen aus der Hauptstadt von Österreich. Und dann fäng es an: siehe Seite 12 … bei Frau Füllscher hiesse dies, s. 672, dort wie in 521, hier gemäss Grundrezept 844 … Verhext, auch das Rezept für Hexencreme – fünf Zutaten. Ich mixe (erst in einigen Monaten) Erdbeeren und ziehe geschlagenen Rahm – Nidle – darunter. Fertig gehext!

  2. Es gibt vier Aggregatszustände beim Wassser: Flüssig, gasförmig, gefroren und die Treibhaustomate … und in Südfrankreich weiss ich, wo ich herrliche alte (spezies rara) auf dem Markt erhalte … schmecken wundervoll … sind aber glücklicherweise nicht das ganze Jahr erhältlich.

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